Die ersten Spieleneuheiten 2017 sind da. Hier der kuratierte Überblick. Drei Trends bestimmen den Jahrgang.
9. FEBRUAR 2017
Trend 2: Schnell spielen statt lange lesen
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Mögen die Aufgaben an die Kooperative (siehe Trend 1 – Wir spielen gemeinsam) noch so schwierig sein – an der Simplifizierung der Welt wird gleichsam weiter gearbeitet. Denn abgesehen von bestimmten Sonderfällen, lassen sich sämtliche Homo ludens mehr denn je in zwei Gruppen trennen. In diejenigen, die ihre Erfüllung in komplexen Angelegenheiten finden, und in diejenigen, die vor allem Abwechslung und Zerstreuung suchen. Das aber möglichst sofort und ohne langwierige Erklärungen vorab. Das ist die weitaus größere Gruppe. Für sie soll deshalb hier zuerst die Rede sein.
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Das Großwürfelspiel Sokieba hat Kosmos von Sporty Games (Bild) übernommen. Dort lief es zur Unterstützung beim Kopfrechnen, bei Kosmos kommt es als Fun-Spiel.
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Haim Shafir, Vater von Halli Galli, versteht sein Handwerk als Autor von einfachen und wirkungsvollen Spielen. Bei Amigo kommt sein jüngster Wurf, Caramba. Wer gleiche Symbole wirft, schnappt sich einen Pöppel. Die drei Pöppel bringen unterschiedlich viele Punkte. |
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Schon einmal gesehen? Ja, Tip Tap ist bei Queen die Neuauflage des ehemaligen Goldsieber-Spiels Tohuwabhohu.
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Zoch ist immer für ein Augenzwinkern gut: Das Spiel Floh am Po handelt davon, dass Flöhe auf Hunden nach Italien reisen – an den Fluss Po. |
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Bioviva nimmt einen neuen Anlauf am deutschsprachigen Markt. Markenzeichen: eigenwillige Pastellfarben und nachhaltige Produktion. Um ein Umweltthema geht es auch in Viva Montanya, nämlich ums Müllsammeln. Bilder: Sporty Games, Amigo, Queen, Zoch, Bioviva |
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Die meisten spielenden Menschen haben’s nicht so mit Lesen von Spielanleitungen. Es gibt zwei Strategien, sich darauf einzustellen. Mit kurzen, einfache Regeln oder man greift bei einem neuen Spiel auf schon Bekanntes zurück. Zweites erklärt die nicht enden wollende Flut an Erweiterungen, Spin-offs oder Line-Extensions. Es ist egal, bei welchem Verlag man beginnt, es machen fast alle. Weil’s funktioniert. Nur einige Beispiele:
- Ravensburger: Scotland Yard – Das Kartenspiel, Der zerstreute Pharao und Kakerlaloop als Mitbringspiele
- Amigo: Halli Galli Party, Saboteur – Das Duell, Rot Schwarz Gelb Extreme
- NSV: Qwinto – Das Kartenspiel
- Pegasus: Lichterfest – Kaiserliche Geschenke, Port Royal Erweiterung, Emoji 2
- Hans im Glück: Manege frei!, die mittlerweile 10. Erweiterung für Carcassonne!
Einfach würfeln
Einfache, oft knackige Regeln zeichnen die meisten Würfelspiele aus. Hier gibt es Neues zuhauf, denn Würfelspiele sind absolut trendy, vor allem seit Qwixx bei NSV 2013 zum Spiel des Jahres nominiert war und sich wie geschnitten Brot verkauft, obwohl es die Auszeichnung nicht gewann. Von diesem Verlag ist jetzt Twenty One erschienen, wieder geht’s um Farben und Reihen. Moses hängt sich mit dem einfachen Kriss Kross an, das mit einfarbigen Symbolen auskommt. Auf großen Gemeinheitsfaktor durch Wegschnappen setzen sowohl Schmidt bei seinen beiden Neuheiten Raffzahn und Mistkäfer von Klaus-Jürgen Wrede als auch Amigo mit Caramba von Haim Shafir. Kosmos bringt mit Sokieba große Augenwürfel aus Schaumstoff ins Spiel – eigentlich ist es ein Geschicklichkeitsspiel à la Boule –, während Ravensburgers Crazy Race eine Mischung aus Zocker- und Laufspiel ist und Zoch wiederum Würfeln mit Schnippen beim Thekenspaß Targets verbindet. „Das Eckige muss ins Runde“.
In die Kategorie bekannte Mechanismen fallen auch dieses Jahr wieder mehrere Kartenspiele, beispielsweise My Rummy 111 bei Schmidt und Rummy 17 bei Piatnik sowie 4 gewinnt-Spielarten wie Brix bei Pegasus und das vierdimensionale Quadrio bei Hurrican. Dabei muss buchstäblich um die Ecke gedacht werden.
Raum und Zeit
Apropos Denksport. Solche Spiele kommen ja ebenfalls mit einem Minimum an Regeln aus, können einen jedoch länger beschäftigen. Auffallend ist 2017, wie viele solcher Spiele sich darum drehen, entweder ein fehlendes Teil zu identifizieren oder bestimmte Teile auf einem vorbestimmten Platz unterzubringen. Eine kleine Auswahl. Goldsiebers Tohuwabohu von Michael Schacht feiert Auferstehung als Tip Tap bei Queen, nach Dr. Eureka bleibt Pegasus thematisch im Forscherlabor, gibt den Spielern statt Reagenzgläsern bei Dr. Microbe Petrischalen in die Hand, die mit einer logisch erklärbaren Supermikrobe ergänzt werden soll. Sie muss sich in Form und Farbe von den anderen Kleinstlebewesen unterscheiden. Natürlich im Zeitwettstreit mit den Mitspielern. Das optimale Befüllen von Feldern kann schon für Fünfjährige zur Aufgabe werden, wie es Haba mit Tiny Park möchte, wenn Kinder ihre Freizeitpark-Attraktionen passgenau auf einen Bauplatz legen. Dreidimensional, aber abstrakt wird die Anforderung dann im Kosmos-Spiel Ubongo Junior 3D.
Kinder, Kinder!
Damit ist nahtlos die Brücke zu den Kinderspielen geschlagen. Sie fallen per se ins Kapitel „einfach“. Was fällt 2017 auf? Auch in diesem Bereich ist es der Ausbau von bewährten Titeln bzw. die Adaptierung von Familienspielen. Da die Umsetzung von Stone Age als Stone Age Junior Hans im Glück sogar den Titel Kinderspiel des Jahres 2016 einbrachte, kommt Die Kinder von Carcassonne mit neuem Titel als Carcassonne Junior wieder auf den Markt. Die Asmodee-Tochter Days of Wonder darf sich mit Zug um Zug – Meine erste Reise, der Kinderausgabe des Spiel des Jahres 2005, wohl berechtigte Hoffnungen auf Erfolg machen. Haba erweitert seine Erfolgsreihen Tier auf Tier und Ratz-Fatz und packt das Kartenhaus-Spiel Super Rhino! in zwei erweiterte Versionen Rhino Hero und Rhino Hero – Super Battle um.
Zoch bringt einen Klassiker von Alex Randolph – Leinen los! – wieder auf den Markt und bleibt insgesamt seiner typischen Handschrift, was Gestaltung und originell-doppeldeutige Titel angeht, auch mit Yam Yam (Igel bereiten sich auf den Winterschlaf vor, illustriert von Doris Matthäus) sowie Floh am Po (Flöhe nutzen Hunde, um auf ihnen nach Italien in den Urlaub zu gelangen) treu.
Pegasus baut seine Kinderspielserie, im Herbst 2015 begonnen mit der Übernahme erster ehemaliger Selecta-Titel, 2017 konsequent aus. Nach dem zuletzt erschienenen exzellenten Zauberei hoch drei folgen gleich sechs neue Titel. Eigentlich sind es sieben, denn als Vertriebskanal gesellt sich auch Gespenster am Fenster dazu – das Erkenne-den-richgtigen-Schatten-Spiel trägt als Label „Eggertspiele Kids“. Ja, die Hamburger werden jetzt auch kindisch.
Und noch ein Quasi-Neuzugang. Der französische Verlag Bioviva hatte es schon mehrmals am deutschsprachigen Markt versucht. Kurz vor der Spielwarenmesse Nürnberg wurde bekannt, dass mit Carletto ein neuer Vertriebspartner gefunden wurde. Das könnte klappen. An den hochwertigen Kinderspielen mit ihrer sehr speziellen pastellfarbenen Optik sollte es nicht liegen. Ein Verkaufsargument in Richtung Öko-Konsumenten ist auch die Nachhaltigkeitsstrategie der Franzosen. Da passt das Neuheiten-Paar Playa playa und Viva Montanya wie die Faust aufs Auge: In beiden Spielen sollen die Kinder den Müll einsammeln bevor die Flut bzw. die Schneeschmelze kommt.
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… miteinander rechnen, Gegensätze nach vereinbarten Regeln austragen, dem Chaos Einhalt gebieten, das gemeinsame Leben in zwanglose Formen bringen.