3. FEBRUAR 2017
Die Unterhaltungsindustrie ist eng untereinander vernetzt. Unter dem Zauberwort Merchandising schanzen sich Branchen gegenseitig Aufmerksamkeit zu und kurbeln das Geschäft an. Ein Paradebeispiel für den Zustand ist die wachsende Bedeutung von Film- und TV-Erfolgen für die Spielzeugindustrie. Die Spielwarenmesse Nürnberg ist daher auch stets ein Ausblick auf tatsächliche und vermeintliche Leinwand-Highlights bis Jahresende.
| Die Anzahl der Lizenzprodukte lässt darauf schließen, dass die größten Hoffnungen auf "Cars 3" ruhen. |
Neben einem weiteren Star Wars-Abenteuer und einem neuen Spiderman-Film sowie einem dritten Minions-Flimspaß werden die Hoffnungen vor allem in den Pixar-Animationsfilm „Cars 3“ gesetzt. 1 und 2 hatten hervorragend funktioniert. Im Gegensatz zur Nemo-Fortsetzung „Findet Doris“ oder „Trolls“. Beide konnten die Erwartungen der Lizenznehmer in der Spielwarenbranche nicht erfüllten, ganz zu schweigen der Disney-Weihnachtsfilm „Vaiana“. „Trolls“ hat allerdings als TV-Serie eine zweite Chance. Ein Merchandising-Phänomen bleibt Disneys „Frozen“, auf deutsch „Die Eiskönigin“. Bis Teil 2 ins Kino kommt (Zeitpunkt steht immer noch nicht fest) wird mit kleinen Filmchen die Wartezeit überbrückt und das Interesse an Puppen, Figuren und Spielen erfolgreich wachgehalten.
Aus kleinen Filmchen besteht auch die Welt von „Hana Züki“. Sie sind jedoch weder im Kino, noch im Fernsehen, sondern nur online zu sehen. Ein Experiment für Spielzeughersteller Hasbro, der dahinter steht. Es scheint zu gelingen.
Erfahrungen damit, gleichzeitig als Ideenlieferant für den Film und als Merchandising-Nutznießer aufzutreten, hat Hasbro schon reichlich gesammelt – denken wir nur an „Battleship“, der Leinwand-Adaption des Hasbro-Spiels Schiffe versenken. Selbstredend wird auch Teil 5 von „Transformers“, der im Juni ins Kino kommt, von einer Unmenge Spielzeug begleitet: Spielzeug zum Film zum Spielzeug. Angesichts der millionenfachen Fangemeinde könnte Hasbro den Vogel der Perpetuierung ab Oktober mit Beiwerk zu „My Little Pony – The Movie“ abschießen.
Eigene Spielzeugprodukte fürs Kino zu animieren, das macht, wie schon berichtet, auch Lego erneut im 2017er Jahr mit Batman und Ninjago.
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Spiel oder Spielzeug? Normalerweise ist die Unterscheidung leicht. Jetzt sagt Thomas Zumbühl, Produktmanager Kleinkind/Vorschule bei Ravensburger in der Fachzeitung „Toys“ als Trend für 2017 voraus, dass wir nicht nur „klassische“ Neuheiten sehen werden, sondern daneben werde „das Segment toyorientierter Kinderspiele wachsen“. Das seien Kinderspiele, die eher dem klassischen Spielzeug entsprechen und mit wenig Spielregeln auskommen, sagt Zumbühl im Rahmen einer Trend-Umfrage.
Wenn man mit Safe Breaker und Stoopido zwei solche Spiele fürs laufende Jahr ankündigt, kann man sich freilich einen Trend auch herbeiwünschen.
Oder einen Trend für etwas erfinden, das es immer schon gegeben hat, nämlich regelarme Spiele, bei denen irgendein Gimmick im Vordergrund stand, es auf Glück ankommt oder schlicht und ergreifend das Geschick von Kinderhänden mit viel Plastik konfrontiert wird. Spontan fallen mir als erste drei Schweineschwarte, Autsch! (auch bekannt als Hau drauf!) und Kroko-Doc ein.
Absolut „toyorientiert“, absolut Marketingsprech!
Was denkst du darüber?

… Eintauchen in eine fremde Welt, in der andere Regeln herrschen, als in der Wirklichkeit.