Die ersten Spieleneuheiten 2017 sind da. Hier der kuratierte Überblick. Drei Trends bestimmen den Jahrgang.
9. FEBRUAR 2017
Trend 3: Herausgefordert statt unterfordert
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Die Neuheitenflut an Kenner- und Expertenspielen verlagert sich einerseits virtuell ganzjährig auf Kickstarter-Projekte und in physischer Form andererseits auf die Spieltage Essen im Herbst. Trotzdem: Auch in Nürnberg gab es so viel zu bestaunen, dass einem schwindlig werden konnte.
In diesem Genre werden gerne Materialschlachten ausgetragen. Die Stärken und Schwächen der einzelnen Spiele zu benennen, ist zum aktuellen Zeitpunkt äußerst schwierig. Auch Feinspitzen hängen, bis sie sie gespielt haben (meist von 60 Minuten an aufwärts), zwischen all den Bergen an Karten, Würfeln, Plättchen, Kämpfern, Markern, Steinen etc. ohne fundierte Urteile aufs Erste fest.
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So läuft – in Vollbesetzung – nach den Vorstellungen von Pegasus eine Partie Captain Sonar ab: Zwei Teams spielen Schiffe versenken in neuer Form. |
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Eigenwilliger Stil: Mein Traumhaus. Die Spieler statten ihr Haus aus, dafür gibt es Punkte. Interessantes Detail: Bei Gleichstand entscheidet, in welchem Haus mehr Kinder zu sehen sind.
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Bei Queen gibt es ein neues Spiel von Dirk Henn: High Tide. Schön gemacht und mit einem spannenden Mechanismus. Thematisch geht es darum, die besten Plätze am Strand zu ergattern, ohne von der Flut oder gar Haien verschlungen zu werden. Bilder: Pegasus, Queen |
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Karten neu gemischt
Der überwiegende Teil der Spiele hat seinen Ursprung außerhalb unseres Sprachraums. Die Herausgeber der deutschen Ausgaben sind in der Regel Heidelberger, Pegasus und Asmodee. Nachdem zum Jahreswechsel Heidelberger von Asmodee übernommen wurde (siehe: Was Desigual, Hotels, Mietautos, Heidelberger und Asmodee miteinander zu tun haben), ist aus dem Dreikampf ein Zweikampf geworden. Die Szene beobachtet mit Argusaugen welche Rolle das Heidelberger-Team in Zukunft spielen wird. An Ablenkung gibt es im Moment wenig, denn: Hans im Glück stellte fürs Frühjahr mit Valletta von Stefan Dorra eine von der Komplexität her für Zielgruppen- und Verlagsverhältnisse eher niedrig angesetzte Neuheit vor und bei der Ravensburger-Marke unter Heidelberger/Asmodee-Vertrieb Alea tut sich derzeit nichts.
Klassische Genre-Themen
Bei den bevorzugten Themen bleibt 2017 alles beim Alten. Es werden Kämpfe um Macht und Gebäude im alten Asien ausgetragen (Yamatai bei Days of Wonder/Asmodee), in der Renaissance (Lorenzo der Prächtige bei Cranio/Asmodee), im Norden (Inis bei Matagot/Pegasus, Im Namen Odins bei NSKN/Asmodee), es wird aus Dungeons ausgebrochen (Masmorra bei Cmon/Asmodee), und natürlich viel an Fantasy, Horror (Villen des Wahnsinns bei Fantasy Flight/Asmodee) und Science-Fiction (First Martians bei Portal/Pegasus, Adrenalin bei Czech Games Edition/Asmodee) aufgeboten. Eine der meistbeachteten Neuheiten des Genres in Nürnberg war Captain Sonar von Roberto Fraga und Yohan Lemonnier (Matagot/Pegasus): Eigentlich ist es Schiffe versenken, nur viel, viel aufwendiger als Kampf zweier U-Boot-Besatzungen für zwei bis (am besten) acht Spieler inszeniert, die als zwei Teams unter Zeitdruck kooperieren müssen.
So schließt sich der Kreis mit Trend 1.
Und sonst?
Man fühlt sich an die Debatte um den Mittelstand erinnert. Im übertragenen Sinne driftet das Angebot verstärkt in Richtung der imageträchtigen Zielgruppe der Kennerspieler einerseits, andererseits in Richtung Futter für eine breite Masse ohne allzu große Spieltiefe auseinander. Schon die kleinen Schachteln, nur mit Würfeln oder Karten gefüllt, signalisieren: es ist schnell und unkompliziert. Das klassische Familienspiel dazwischen erodiert. Das was einmal einen breiten Grundstock zur Wahl des Spiel des Jahres bildete.
Ein bisschen fündig wird die Jury von Spiel des Jahres in diesem Jahr freilich schon. Da wäre High Tide von Dirk Henn bei Queen zu nennen, ebenso schön und auffordernd gestaltet wie Mein Traumhaus von Klemens Kalicki bei Pegasus; ebenfalls bei Pegasus Sheep & Thief von Yuichi Sakashita, Wettlauf nach El Dorado von Reiner Knizia bei Ravensburger und Die Gärten von Versailles von Lena und Günter Burkhardt bei Schmidt. In Frage kommen sollte ohne Zweifel auch das abstrakte Legespiel NMBR 9 von Peter Wichmann bei Abacus.
Es gibt 2017 auch einige nennenswerte Wiederauferstehungen: Torres, ehemaliges Spiel des Jahres von Michael Kiesling und Wolfgang Kramer, hat bei Huch eine neue Heimat, Der Dieb von Bagdad von Thorsten Gimmler ist als 12 Thieves bei Queen überarbeitet worden wie ebenso Dirk Henns Metro. Cartagena ist glücklicherweise auch nicht umzubringen und hat bei Piatnik 2017 den schon dritten Hafen erreicht.
Als Fazit
Unterm Strich fällt das vorläufige Fazit über die angekündigten Neuheiten 2017 zwar durchwachsen, aber keinesfalls betrüblich aus.
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