Mit Karten auf Diebestour
Seien wir doch wieder einmal unmoralisch und kriminell: Begeben wir uns als Diebe ins alte Bagdad und plündern die Reichen aus! Das geht flott und macht Spaß.
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Die Ausgangslage: Sechs Paläste, in die die Spieler ihre Diebe bringen müssen. |
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Vor jedem Palast haben bis zu vier Wächter Platz. Bei vier Spielern hat jeder zwei Wächter seiner Farbe im Spiel, die er platzieren muss. |
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So geht's rein: Es wird eine bestimmte Anzahl an Karten in der Farbe des Palastes benötigt. Illustrationen: Queen Games |
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Die Geschichte ist einfach, die Spielregeln sind einfach, der Ablauf ist einfach. Gerade deshalb überrascht Der Dieb von Bagdad: Das Spiel lässt mehr Interaktivität zu, als man anfangs vermutet. Man kann den anderen Dieben, sprich: den Mitspielern ordentlich ins Handwerk pfuschen. Ob das immer sinnvoll ist, steht allerdings auf einem anderen Blatt Papier.
Es wird immer teurer
Was ist die Ausgangslage? In sechs Palästen von Bagdad stehen jeweils vier Schatztruhen. Auf sie haben es die Spieler, die Diebe abgesehen. Die erste Schatztruhe eines Palastes ist immer die billigste, die letzte die teuerste. Um eine Schatztruhe zu ergattern, muss ein Spieler so viele Diebe in den Palast bringen, wie auf der Schatztruhe abgebildet sind. Da derjenige Spieler gewinnt, der als Erster ein bestimmte Anzahl Schatztruhen gesammelt hat (bei vier Spielern vier, bei drei fünf, bei zwei sechs), geht es bei dem Spiel auch ums Tempo.
Die Diebe werden durch das Ausspielen von Karten bewegt: Die Farbe jeder Karte ist einem Palast zugeordnet. Um beispielsweise eigene Diebe in den grünen Palast zu bringen, braucht es grüne Karten. Ganz blöd waren die Palastbesitzer in Bagdad natürlich auch nicht, deshalb sind auch Wächter im Spiel. Die einen, die schwarzen sind neutral, die anderen haben die Farbe der Spieler und können auch nur von ihnen bewegt werden
Wächter der eigenen Farbe üben bei diesem Spiel eine Doppelfunktion aus. Sie erschweren anderen Dieben den Zugang zu den Gemächern, in denen die Schatztruhen stehen. Gleichzeitig machen es viele eigene Wächter dem Spieler leichter an die Schätze heranzukommen. Dafür gibt es eine einfache, aber sehr wirkungsvolle Spielregel: Für jeden Dieb, der eingeschleust werden soll, müssen so viele Karten in der entsprechenden Palastfarbe abgegeben werden, wie fremde (!) Wächter dort stehen. Damit leuchtet auch Spielanfängern sehr schnell ein, was es mit den einzelnen Zugregeln auf sich hat. Von denen gibt es nur vier verschiedene, und drei beziehen sich auf eigene und neutrale Wächter.
Ohne Fremdlinge geht nichts!
Achtung! Ein ganz wesentlicher Satz in der Spielanleitung wird gerne "übersehen" oder vergessen. Wird er nicht beachtet, funktioniert Der Dieb von Bagdad nicht! Er bezieht sich auf das Einschleusen eigener Diebe: "Dabei müssen mindestens 1 eigener Wächter und 1 fremder Wächter vor dem Palast stehen."
Anhand eines Beispiels wird die Bedeutung dieses Satzes klar. Spieler Blau hat in einem Palast bereits drei Diebe stehen, für die erste Schatztruhe braucht der Spieler nur noch einen weiteren Dieb. Als Türsteher befinden sich ein blauer Wächter und ein neutraler Wächter in diesem Palast. Blau könnte beim nächsten Mal also sehr einfach den geforderten Dieb in den Palast bringen - er braucht lediglich eine Karte in der Palastfarbe dazu. Nun liegt es an den Mitspielern, das zu verhindern, indem sie entweder einen oder zwei weitere Wächter in diesen Palast stellen. Damit verteuert sich der Eintrittspreis für einen blauen Dieb. Oder ein Mitspieler versetzt den neutralen Wächter aus diesem Palast und Blau kann vorläufig auf keinen Fall einen eigenen Dieb einschleusen, denn es braucht ja immer auch einen fremden Wächter am Tor.
Freilich: Wenn die lieben Mitspieler hier eingreifen, kostet es sie Karten. Es geht bei einer solchen Verhinderungsaktion um die Abwägung, ob der Einsatz dafür steht.
Paukenschlag oder Trommelwirbel?
Erschwert oder erleichtert - je nach Standpunkt - wird die Abwägung dadurch, dass man bei Der Dieb von Bagdad beliebig viele Karten auf der Hand halten und pro Runde auch bis zu dreimal beliebig viele Karten einsetzen darf. Und damit geht es um eine bereits klassische, weil oft und oft herbeigeführte Entscheidung bei Gesellschaftsspielen: Soll man zuerst möglichst viele Karten sammeln und dann kräftig zuschlagen, oder sofort jene Chancen nützen, wie sie einem das aktuelle Blatt auf der Hand bieten?
Durch die geschickte Verzahnung bestimmter Spielbedingungen mit dem Glücksfaktor Karten lässt sich die Frage, welche Variante die zielführendere ist, nicht beantworten. Dazu sind die Unwägbarkeiten zu groß, gibt es zu viele Möglichkeiten, wie Mitspieler einander einen Strich durch die Rechnung machen können.
Auf jeden Fall sollte man auf der Hut sein, wenn ein Mitspieler zweimal oder gar dreimal hintereinander keine Aktion durchführt, sondern die Option wählt vier Karten nachzuziehen (eine davon ist immer ein Joker). Dies versetzt ihn meist in die Lage eines Paukenschlag und eine - auch teurere - Schatztruhe zu kassieren.
Ausgewogen, flott, familientauglich
Im Auge zu behalten, welche Farben in den unmittelbar zurückliegenden Runden besonders häufig ausgespielt wurden, ist immer ratsam. Nach einer einfachen Wahrscheinlichkeitsrechnung lassen sich sich die Chancen abschätzen, für welche Paläste es sich im Moment lohnt die Karten zu sammeln und für welche eher nicht
Der Dieb von Bagdad kam 2007 auf die Nominierungsliste zum Spiel des Jahres. In den Augen der Juroren hatte es offensichtlich jene Eigenschaften, die ein Spiel für die breite Masse spielbar machen sollen: Einfaches Regelwerk und einfacher Zugang. Beides trifft zu hundert Prozent zu. Weil die Spieler nur vier Möglichkeiten für Aktionen haben, ist der Ablauf von der Spielmechanik her einfach, beinahe schon deppensicher. Die Möglichkeiten, was die Spieler dann daraus machen, sind breit gefächert. Wie schon gesagt: Es gibt keine lineare Gewinnstrategie.
Wie bei allen Spielen, bei denen den nachzuziehenden Karten großer Einfluss zukommt, hat das Glück sein Hand kräftig im Spiel. So auch bei Der Dieb von Bagdad. Allerdings ist das Verhältnis zwischen Glücksbestimmung und eigener Entscheidung sehr ausgewogen.
Das Spiel punktet somit nicht unbedingt durch Originalität, hat jedoch Witz, geht flott, man ist auch in Zugpausen ständig eingebunden und bereitet nicht zuletzt mit dem Material Freude.
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Nr. 961: Der Dieb von Bagdad |
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Spielwiese-Code | |
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Themen: Diebe, Orient, Schätze
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Auszeichnungen
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Preis-Leistungsverhältnis 
Wiederspielreiz 
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