Unmoralische Herrschaften
Kurzweilig und nur für Spieler, die keinen ausgeprägten Wert auf Einflussnahme legen: Bei diesen skurrilen Banküberfällen wird die Beute zum Glücksfall.
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| Eigentlich ein Kartenspiel, zusätzliches Material macht Banküberfall aber ansprechender: Vor die Banken werden verdeckt Karten gelegt, kommt es zum Überfall, dann wird um die noch unbekannte Beute geboten. Die Zusammensetzung der Karten vor einer Bank entscheidet, ob es überhaupt zur Verteilung der Beute kommt. | ||
Die Story ist gut und wäre was für Hollywood. Eine Handvoll gelangweilter Bankdirektoren will Spannung in ihr Leben bringen und beschließen, eigene Filialen zu überfallen und sich die Beute in die eigene Tasche zu stecken. Welche Bank als nächstes überfallen wird, ist ihnen egal, es kann auch eine eigene sein. Hauptsache es kommt Abwechslung in den Alltag.
Das Spiel Banküberfall wird der Story insofern gerecht, da keiner der Beteiligten weiß, wo das Böse das nächste Mal zuschlägt. Da man aber an der Beute beteiligt sein will, hilft man da oder dort ein bisschen nach.
Das geschieht mit Karten - die Banken aus Karton sind nur Staffage und dienen als Sichtschirm fürs Geld, der Optik und der Übersichtlichkeit. Es gibt kein Spielbrett. Zwei Arten von Spielkarten sind im Spiel: Geldkarten und Personenkarten. Die werden zusammen gemischt und jeweils eine Karte kommt verdeckt vor jede Bank. In der Mitte des Tisches liegen sieben Aktionskärtchen, natürlich ebenfalls verdeckt.
Wer an der Reihe ist, deckt ein Aktionskärtchen auf und folgt der Anweisung. In vier von sieben Fällen ist es die Aufforderung, eine seiner Handkarten verdeckt vor eine beliebige Bank zu legen. In einem Fall darf man eine dieser verdeckten Karten vor einer Bank ansehen, in einem anderen Fall wird eine dieser Karten für alle offen gelegt. Und die siebte Karte ist natürlich die Anweisung zum Banküberfall. Der Spieler wählt dazu eine der fünf Banken aus.
Knobeln um die Beute
Jetzt wird darum geknobelt, wer welchen Anteil an der Beute erhält. Wenn es denn eine gibt! Das ist nicht sicher. Denn vielleicht liegt dort ja gar kein Geld, sondern lungern nur irgendwelche Personen herum. Polizisten, die verführerische Dame, die anderen den Kopf verdreht. Oder ein Profidieb, der sich einen Teil der Beute krallt.
Es kommt ganz auf die Zusammensetzung der Karten an, was passiert.
Dabei ist viel Ironie im Spiel: Eine verführerische Dame wirft alle anderen Personenkarten aus dem Spiel. Zwei oder mehr Damen sind allerdings so mit sich selbst beschäftigt, dass sie keine Auswirkung mehr aufs Geschehen ausüben können. Bleibt nach diesem - anfangs recht unübersichtlichen! - Auswahlverfahren schlussendlich Geld übrig, wird es verteilt. Jeder bekommt den Betrag von der Beute, mit dem er geknobelt hat. Kann ein Anteil nicht mehr zur Gänze ausbezahlt werden, schauen die betroffenen Spieler durch die Finger. Da mit dem Auszahlen bei demjenigen Spieler mit dem kleinsten Gebot begonnen wird, ist jeder hohe Einsatz mit einem überproportionalen Risiko verbunden.
Gespielt wird so lange es noch Spielkarten nach jedem Überfall zu verteilen gibt. Dann werden alle Banken überfallen, vor denen noch Karten liegen. Wer am Ende das meiste Geld hat, ist Sieger.
Fazit
Banküberfall ist kurzweilig. Nicht zu wissen, ob und wie viel Beute es gibt, hat seinen Reiz. Beeinflussen kann man das Spiel aber nur bedingt. Man ist gut beraten, beim Ablegen zum Beispiel alle seine Personenkarten auf die eine Bank zu konzentrieren, Geldkarten aber auf eine andere Bank. Damit hat man immerhin eine blasse Ahnung, inwiefern sich bei der jeweiligen Bank ein Überfall lohnt und kann entsprechend bieten. Gewähr ist das jedoch keine, sondern lediglich Risikominimierung. Es ist viel also sehr viel Glück dabei, denn Banküberfall ist eigentlich ein Kartenspiel. Da der Autor Reiner Knizia heißt, ist typischerweise eine Fülle Unwägbarkeiten methodisch eingeplant.
Test 924: Banküberfall
- Knobelspiel für 2 bis 5 Spieler ab 10 Jahre
- Ca.-Preis: 19,– €
- Verlag: Piatnik
- Autor: Reiner Knizia
- Thema/Umfeld: Was wie der Plot eines Hollywood-Films klingt, ist auch für ein Spiel originell: Die Spieler sind Banker in einer Kleinstadt und aus Langeweile überfallen sie die Filialen.
- Zielgruppe: Erwachsene, Familien
- Spieldauer: 30 Minuten
- Spielmaterial: gut
- Schachtelinfo: Geschichte und Ablauf werden ungewöhnlich genau geschildert. Dass es ein sehr glücksabhängiges Spiel ist, kommt dabei jedoch unter die Räder
- Spielanleitung: gut
- Anspruch: kein besonderer
- Spielreiz: durchschnittlich
- Glück: sehr hoch


