Zu viert am besten: Hohe gegen schlechte Zahlen
Gute Spiele sind oft unscheinbar. Auch wenn sie einen so klingenden Namen haben wie Isis & Osiris.
Aus Spielwiese 62 (2001)
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Nach dem Aufdecken: Schwarz kommt auf diesem Ausschnitt auf 7 Punkte, Gelb aber auf 10 Punkte.
Fotos: Spielwiese |
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Das war die Ausgangslage für die Wertung rechts: Die entscheidende Tafel war die "+4" weil sie zwar auch einmal für Schwarz zählte, aber gleich für zwei Steine des gelben Spielers. |
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Was sagt uns das Spielziel in der Anleitung? "Bei Spielende hat jeder Spielstein den Wert der benachbarten Isis & Osiris-Tafeln. Jeder Spieler versucht durch geschicktes Setzen seiner Spielsteine und der Tafeln das beste Ergebnis zu erreichen."
Isis-und-Osiris-Tafeln? Historischer Humbug aus dem Reich der Marketinggötter! Das Spiel ist, bei aller Wertschätzung für Autor und Grafiker, schlicht und ergreifend ein abstraktes Legespiel. Ägypten, Totenreich, Sonnengöttin – vergessen Sie's!
Wir haben Spielsteine in unseren Farben und die Tafeln genannten dicken Kartonplättchen, die man verdeckt vor sich als Vorrat ablegt. Die stückmäßige und zufällige Verteilung an die Spieler hängt von deren Anzahl ab. Der Spielplan in der Mitte zeigt im Raster zwar hübsche Hyroglyphen, die aber ebenfallos nichts zur Sache tun. Es geht einzig und allein um 36 vorerst freie, im Quadrat angeordnete Felder.
Ist ein Spieler an der Reihe, dann hat er zwei Möglichkeiten. Er setzt einen Spielstein auf ein freies Feld oder er deckt eine seiner Tafeln auf, zeigt sie allen, und legt diese – verdeckt! – auf einem freien Feld ab. Was zeigt er und lässt es gleich wieder verschwinden? Einen positiven blauen Wert zwischen 1 und 4 oder einen negativen roten Wert zwischen 1 und 4.
Mit diesen einfachen Mitteln lässt sich erstaunlich gut fuhrwerken. Frei nach Aschenbrödel: Die guten ins Töpfchen, die schlechten anderen ins Kröpfchen. Es zählt am Schluss ja die Umgebung der eigenen Spielsteine! Es gewinnt, wer am Ende die meisten Punkte hat.
Gute und Miese
Sieg oder Niederlage hängen auch von der Merkfähigkeit der Spieler ab. Obwohl es eigentlich gar nicht so viele Tafeln sind, der durchschnittlich begabte Otto Normalspieler merkt sich nie alle platzierten Werte. Es ist ja schon gut, wenn er weiß, wo die ganz Miesen oder die ganz Tollen liegen. Um letztere ist natürlich ein besonderes G'riss. Deckt ein Spieler ein +4 auf (er kann es sich durch die zufällige Verteilung der Tafeln ja nicht aussuchen), muss er ja legen und die nächst folgenden Spieler werden mit Sicherheit einen Stein daneben setzen, wenn sie können. Allein von einem hohen Wert zu profitieren, ist fast ausgeschlossen.
Umgekehrt genau so: Mindestens einen (bei mehr als zwei Spielern) reißt es bei negativen Werten ziemlich sicher mit in den Abgrund. Und fatalerweise ist dem Autor eingefallen, man könnte den Spielern eigentlich auch mehr Steine und Tafeln geben, als sie tatsächlich ausspielen können, nämlich pro Kopf ein Stück. Hat ein Spieler keine Tafel mehr, muss er einen Spielstein setzen. Man kann aber davon ausgehen, dass gegen Spielende die guten Plätze schon vergeben sind
Zwiespalt
So ist man bei vielen Zügen im Zwiespalt, ob man lieber eine Tafel aufdecken oder doch einen Spielstein setzen soll. Bis das letzte Feld besetzt ist. Freilich wird ein versierter Spieler darauf achten, ob die besonders hohen oder niedrigen Werte schon ausgespielt wurden oder nicht und so seine eigene Wahrscheinlichkeitsberechnung anstellen.
Klingt theoretisch und mathematisch, ist es aber in einer typischen Partie Isis & Osiris keineswegs. Nach der ersten Runde, die noch mit großer Skepsis vonstatten geht und bei der noch fast jeder Spieler sein Lehrgeld gezahlt hat, kommt Freude auf.
Aluch deshalb, weil man einigermaßen gemein sein kann. Schadenfreude ist bekanntlich die reinste Freude und beliebtes Spielelement.
Ein Wort zum Schluss zur Wertungsleiste bzw. den zwei Wertungsleisten. Es gibt eine für Plus- und eine für Minuspunkte. Was gut gemeint war, hätte man sich auch sparen oder einfacher machen können. Ein Zettel und ein Kugelschreiber (wer hat denn noch Bleistifte?!) erfüllen den Zweck besser, zumal die Wertungssteine auf dem rutschigen Spielplan schwer zu bändigen sind. In den Testrunden hat es deswegen immer wieder Stunk und Unklarheiten gegeben.
Davon abgesehen: Isis & Osiris ist ein Familienspiel, das man sich wenigstens einmal anschauen sollte, das auch als flotte Vergnüglichkeit reinen Erwachsenenrunden Spaß macht.
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2010: Abacus
2001: Goldsieber |
Rund ums Spiel
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Spielwiese-Code: |
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… nicht nur eine schöne sondern eine ganz wichtige Beschäftigung, die noch dazu viel Spaß macht.