Pyramide mit viel Symbolik
Fantasievoll und ansprechend gestaltete Karten schlagen positiv zu Buche. Partien, die sich nie gleichen, ebenso. Dazu ist auch noch die Lernkurve bei Boreal steil.
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Nr. 1608: Boreal | Spielwiese-Code | |
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Was ist's?
Für wen?
Was braucht's?
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| Eine mögliche Ausgangslage, beide Spieler beginnen auf Position 5. Der untere Spieler kann nur jene Karten kaufen (sofern sie nicht mehr als 5 "Geld" kosten), die von links bis zu seinem Entdeckungsmarker ausliegen, für den oberen Spieler bestimmt der Pfeil die entgegengesetzte Richtung. Bilder: spielwiese.at |
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Die gute Nachricht
klare, im Grunde einfache Regeln sorgen für hohe Varianz und angenehme Spieltiefe
Die schlechte Nachricht
wirklich schlechte Nachrichten gibt es keine; wenn man unbedingt wollte, könnte man bemängeln, dass nicht alle sogenannten Archivkarten sofort erkennbar sind
Rein ins Spiel!
Boreal ist einer der Fälle unter Zweipersonen-Spielen, wo eine erzählte Geschichte mit dem Spielmechanismus zusammenpasst. Das ist ja bei weitem nicht immer so. Die Geschichte hier geht ungefähr so. Unsere bekannte Welt ist irgendwann zusammengebrochen, die Natur hat sich fast alles zurückerobert und zwei von uns (Überlebenden) machen sich auf, Spuren der verlorenen Welt zu entdecken. Offenbar tun wir das auf der nördlichen Hälfte der Erdkugel, weil boreal heißt nördlich. Das aber nur nebenbei. In Boreal kann am Spielgegenüber durchaus das eine oder andere Foul verübt werden, doch die zwei „wissensdurstigen Forscherinnen“ (so die Anleitung) matchen sich überwiegend im Guten um die höhere Siegpunktezahl.
Ausgangspunkt für beide ist ein langer Kartonstreifen mit acht Feldern, auf denen die ersten acht (von insgesamt 44) quadratischen Spielkarten ausliegen. Die zwei Spieler sitzen sich gegenüber und müssen auf ihren sogenannten Entdeckungsmarker achten. Jeweils von sich aus gesehen, sind die acht Felder von links nach rechts aufsteigend nummeriert und die Entdeckungsmarker werden zu Spielbeginn vor das Feld 5 gelegt. Das ist eine sehr gelungene Art und Weise der Ressourcenverwaltung beziehungsweise wie Kosten und Währung ohne Kleingeld dargestellt werden können und bedeutet zweierlei:
- Die 5 in diesem Fall bedeutet, dass ich 5 „Geld“ zur Verfügung habe, um eine Karte zu erwerben, die maximal 5 „Geld“ kostet.
- Die 5 in diesem Fall ist zugleich auch eine Standortbestimmung, denn kaufen darf ich nur jene der acht ausliegenden Karten, die auf meiner Seite mit 1 bis 5 nummeriert sind. Die Pfeile auf den Entdeckungsmarkern erklären das visuell. Weil sich die beiden Spieler in entgegengesetzte Richtungen orientieren, können auch unterschiedliche Karten gekauft werden.
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| Bei Boreal sitzt man sich an einem gemeinsamen Spielfeld gegenüber und baut aus den nach und nach von dort ausgewählten Karten eine Pyramide. |
Angenommen, die bist bei Nummer 5 und kaufst eine Karte, die 3 „Geld“ kostet, verschiebst du deinen Entdeckungsmarker von 5 auf 2. Genau: Hier poppt unvermeidlich die Frage auf: „Und wie komme ich wieder zu ,Geld’?“ Im Idealfall durch eine Kombination aus gleich drei Faktoren:
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| Beispiel einer Boreal-Karte: Sie gehört zur grünen Landschaft (Symbol links oben), sie kostet 4 "Geld" (Symbol daneben), das Symbol rechts oben besagt, dass das Konto um 1 steigt, wenn keine andere Karte oberhalb von ihr liegt, und das Symbol unten rechts zählt bei der Schlusswertung: Gleiche Punktezahl wie die Karte rechts von ihr. |
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- Falle ich auf Feld 1 zurück, erhöhe ich mein imaginäres Konto automatisch um 1 „Geld“, bei Null sogar um 2 „Geld“
- Gekaufte Karten legst du vor dir ab, wobei du damit zwingend eine Pyramide bilden musst, deren unterste Stufe bis zu vier Karten bilden. Für jede Karte, bei der am Ende deines Zugs darüber keine Karte liegt, gibt es jedenfalls 1 „Geld“ (auf einigen Karten zeigt das entsprechende Symbol sogar das Doppelte)
- Und schließlich – somit kommen wir auch endlich zu den Karten selbst – gibt es bei einigen Karten noch Effekte für augenblicklich zusätzliches Einkommen, wenn ich sie kaufe und in meine Pyramide setze.
Eine Pyramide kann nach dem Aufbau 4-3-2-1 maximal zehn Karten haben. Wenn ein Spieler seine 10. Karte legt, ist das Spielende erreicht bzw. ist der Gegner noch einmal dran, damit alle gleich oft an der Reihe waren. Dann werden die Siegpunkte zusammengezählt, die die einzelnen Karten haben. Das ist zwischen 0 und 8, der jeweilige Wert ist aufgedruckt und du entscheidest natürlich auch danach, ob du die Karte kaufst oder nicht. Was sich erst nach und nach herausstellt und du durch die Anordnung der Karten innerhalb der Pyramide in der Hand hast, sind erstens einmal die Art der sogenannten Landschaft (es gibt vier = vier Farben) und zweitens bestimmte Effekte, die in der Schlusswertung zum Tragen kommen. So gibt es beispielsweise zwei sehr interessante Karten, deren Effekte besagen, dass diese Karte genau so viele Siegpunkte einbringt wie die Karte links, respektive rechts davon. Das kannst du unter Umständen noch optimieren, wenn du während der Spielphase den Effekt einsetzen kannst, zwei schon in der Pyramide platzierte Karten zu tauschen. In der Regel werden zusätzliche Siegpunkte jedoch dadurch erzielt, dass bestimmte Landschaften = Farben gehäuft vorhanden sind.
Das Spielgefühl
Nach, zugegeben, einigem technischen Zeugs, aber durchaus mit nützlichen Tipps angereichert, zum Emotionalen dieses Zweipersonenspiels. Wir spielen so gut wie gar nicht gegeneinander. Boreal ist betont friedlich. Das haben wir schon eingangs erwähnt, aber freilich haben wir immer wieder die gleichen lukrativen Karten in der Auslage im Visier. Da ärgert man sich natürlich, wenn sie einem weggeschnappt werden. Aber viele Wege führen zum Sieg. Wir hatten auch schon den Fall, dass dem einen Spieler seine vollständige Pyramide mit zehn Karten nichts nützte, weil der andere mit nur sieben Karten einfach mehr Punkte zusammenbrachte. Entscheidend ist, wie du deine Pyramide planst, baust und womöglich zum passenden Zeitpunkt mit einer richtig „fetten“ Karte ausstattest. Bei Boreal musst du immer die beste Optimierung im Auge haben.
Die Fähigkeiten und Möglichkeiten der 44 Karten sind sehr gut austariert. In einer Partie kommen nie alle Karten zum Einsatz, so ergeben sich immer andere Zusammenstellungen von Start- und anderen Karten mit eigenen Effekten und es besteht genug Varianz für viele abwechslungsreiche Boreal-Duelle. Die durchschnittliche Spieldauer von rund einer halben Stunde verläuft zunehmend dynamisch und prädestiniert sofort eine Revanche folgen zu lassen.
Noch ein paar wichtige Kleinigkeiten
Warum wir betont von gekauften Karten geschrieben haben: Wer am Zug ist, muss keine Karte kaufen. Das ist der Normalfall. Er kann aber stattdessen auch eine Karte reservieren, sie zur Seite legen und erst in einem späteren Zug bezahlen und einsetzen. Du gerätst zwar einen Zug ins Hintertreffen, aber höchstwahrscheinlich wird auch dein Gegner einmal eine Karte reservieren wollen. Denn zwei Dinge sprechen fürs gezielte Reservieren: sich „die Hammerkarte“ zu sichern, auch wenn ich sie im Moment noch nicht bezahlen kann, aber auch die Grenze der Verfügbarkeit zu überschreiten. Du kannst nämlich jede Karte reservieren – auch solche, die rechts von deinem Entdeckungsmarker liegen.
Uns hat dieses Element von Boreal ganz besonders gut gefallen. Es unterstreicht noch einmal, wie entscheidend ein auf Zusammenpassen getrimmtes Kartenmanagement ist.
Naturgemäß bewegt sich dein Einkommen eher selten zwischen 6 und 8. Was tun, um die teuren Karten zu kaufen? Dazu zum Schluss noch ein handfester Tipp. Es rentiert sich eigentlich immer, die unterste Pyramidenstufe von vier Karten fertigzustellen, bevor man eine Karte in die zweite Stufe legt. So ist die Basis der Pyramide schon mal 4 „Geld“ wert für die nächste Runde.
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Nochmals spielen? Sehr gerne! |
Rund ums Spiel
Das Rezensionsexemplar wurde von Game Factory zur Verfügung gestellt |






