Drachenreiter
Zum Einen ist Mount Drago eine Augenweide dank der Illustrationen von Kerem Beyit und Anne Pätzke, zum Anderen steckt erstaunlich viel Tiefe in dem vermeintlichen Laufspiel von Leo Colovini.
Wichtiger Hinweis: Wegen rechtlichen Problemen musste der ursprüngliche Titel Draco geändert werden. Der Verkauf der bereits ausgelieferten Spiele blieb jedoch gestattet. Inhalt und Spielablauf sind bei beiden Versionen identisch.
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Die Spieler rücken die Drachen mithilfe von Zahlenkarten vor, wobei die Farben der Karten bzw. Drachen keine Spielerfarben sind! Bei Wertungen – immer wenn ein Drache auf ein blaues und grünes Feld gezogen wird – gibt es die Zahlen der Felder, auf denen die Drachen gerade stehen, für deren "Reiter" als Punkte gutgeschrieben. Bilder: Schmidt |
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| Die zehn unterschiedlichen Farben, zu denen es jeweils eine eigene Illustration gibt. | ||
Laufspiele mit ausgeklügelten Zugmechanismen gehören zu den Stärken des Italieners Leo Colovini. Sein bekanntestes ist Cartagena – Die Flucht. Auch bei Draco denkt man zuerst einmal an einen Wettlauf, denn das suggerieren Spielbeschreibung (ein "Rennen" auf den "Mount Draco") und Spielplan.
Doch das Erreichen der Zielfelder ist bei Draco lediglich Antriebsfeder, in Wirklichkeit geht es um Punkte, die die Spieler sammeln. Punkte sammeln sie, indem sie Drachen vorwärts bewegen und auf bestimmten Feldern Wertungen auslösen.
Drachen sind nur geborgt
Und hier und gleich zu Beginn müssen sich die Spieler von eingefahrenen Gedanken lösen. Jeder Spieler bewegt beliebige Drachen, sie "gehören" keinem Spieler oder zumindest nur zeitweise. In der Spielanleitung ist das mit dem "Reiten eines Drachens" stimmungsvoll beschrieben. Auf dem Weg zum Gipfel können die Spieler die Drachen wechseln. Die Farben der Drachen sind keine Spielerfarben!
Die Auswahl ist groß: Es gibt Drachen in zehn verschiedenen Farben. Dabei wird Draco höchstens von fünf Spielern gespielt, es sind aber immer alle zehn Drachen mit dabei.
Eine Karte sagt alles
Zu jeder Farbe gibt es elf Karten mit den Werten 1 bis 5, wobei die 3 dreimal vorkommt, alle anderen zweimal. Alle 110 Karten werden gemischt, und die Spieler erhalten zum Start sechs Karten. Wer an der Reihe ist, spielt immer nur eine Karte aus. Sie gibt zweierlei an:
- welcher Drache Richtung Bergspitze bewegt wird (Farbe)
- um wie viele Felder der Drache vorwärts gezogen wird (Zahl). Dabei ist es egal, wie viele Drachen schlussendlich auf einem Feld zu stehen kommen.
Zweck des Unterfangens ist es, in der momentanen Situation entweder auf ein Wertungsfeld zu gelangen oder das zu vermeiden. Denn – und hier sind wir bei den Feinheiten à la Colovini – die Wertungen nützen nur jenen Spielern, die gerade den jeweiligen Drachen reiten. Man kann zwar bei Draco durch das Ausspielen einer bestimmten Farbe einen Drachen bewegen, den ein anderer Spieler momentan reitet, die Punkte erhält aber immer der "Reiter"! Jederzeit kenntlich gemacht wird das ganz einfach: Ausgespielte Karten kommen vor den Spieler auf einen Ablegestapel, die Farbe der obersten Karte signalisiert, welcher Drache geritten wird. Spielt man eine Farbe aus, die bereits ein Mitspieler vor sich hat, schiebt man die ausgespielte Karte unter den Stapel. Man bewegt zwar einen "fremden" Drachen, man bleibt jedoch Reiter des Drachens aus der vorigen Runde. Den Drachen wechseln geht nur, wenn kein anderer Spieler diese Farbe vor sich ausliegen hat.
Bei Wertungen profitieren meist auch andere
Es gibt zwei Arten von Wertungsfeldern, blaue und grüne. Zieht ein Drache auf ein blaues Wertungsfeld, kommt es zur kleinen Wertung: Dabei werden alle Drachen gewertet, die auf einem Feld stehen, dessen Zahl 3 oder niedriger ist. Zahl des Feldes = Punkte. Bei einem grünen Wertungsfeld gibt es für alle Drachen Punkte, das können bis zu acht sein.
| Aus Holz: Die zehn kleinen Drachen bei Draco. | |
Das hat zur Folge, dass die Felder mit hohen Zahlen natürlich begehrtere Standplätze sind als die anderen. Das bedeutet deshalb aber gleichzeitig, dass man fast immer auch andere Spieler bei einer Wertung begünstigt. Um das zu verhindern, muss man erstens seine Karten geschickt einteilen, und zweitens mitunter ein bisschen Geduld haben. Wer ein gutes Blatt hat, kann zum Beispiel im einen Zug einen "fremden" Drachen (=Reiter) vom hohen Wertungsfeld verdrängen, bevor er im nächsten Zug mit seinem "eigenen" Drachen auf dieses Wertungsfeld zieht.
Dabei ist ziemlich viel Kartenglück im Spiel, zumal man nur Karten nachziehen darf, wenn man keine Wertung ausgelöst hat. Trotz des hohen Glücksfaktors gewinnen auch ambitionierte Spieler Draco einiges ab. Die Zielgruppe ist aber klarerweise die des Otto Normalspielers. Das Ende von Draco ist klar definiert: Sobald ein dritter Drache auf eines der Gipfelfelder gezogen wurde.
Gefragt sind geschicktes Drachen-Wechseln und die Fähigkeit, hin und wieder ein bisschen um die Ecke zu denken. Das Auseinanderhalten von "Reiter", der die Punkte kassiert, und Spieler, der den Drachen bewegt, braucht Anlauf.
Fazit
Zu den Pluspunkten von Draco zählen die Familientauglichkeit, Abwechslung durch einen interessanten Zug- und Wertungsmechanismus, und die Grafik, weshalb das Spiel von der Jury Graf Ludo auf die Auswahlliste 2011 genommen wurde. Obwohl der optische Gesamteindruck hervorragend ist, muss einschränkend gesagt werden, dass Spieler mit einer Farbschwäche sich sehr schwer tun.
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Nr. 1095: Mount Drago (Draco) |
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Themen: Drachen |
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