TODESFALL. Ein großer Spieler hat den Spieltisch für immer verlassen. Reinhold Wittig ist am Samstag im 90. Lebensjahr gestorben. Für vieles hatte er im Laufe seines langen Lebens die Initialzündung gegeben.
Reinhold Wittig war hauptberuflich Geologe, hatte 1969 promoviert und war bis zu einer Pensionierung am Geologischen Institut der Georg-August-Universität Göttingen beschäftigt. Die ganz große Leidenschaft des 1937 geborenen Göttingers galt neben Afrika den Spielen.
Beides hatte er in seinem 1976 gegründeten Eigenverlag Edition Perlhuhn oftmals miteinander verbunden: Wir füttern die kleinen Nilpferde, Ombagi, Wabanti oder Auf Fotosafari in Ombagassi. Zuletzt rezensierte die Spielwiese sein Würfellegespiel Ludoku. Wittig gründete zusammen mit dem kleinen Kunsthandwerks-Familienbetrieb Driehoek im Norden Namibias einen afrikanischen Ableger seiner Edition Perlhuhn als Namibian Games. In der Herstellung werden Buschleute beschäftigt, die auch an der angepassten „afrikanischen“ Konzeption beteiligt werden. Dazu werden landestypische Materialien wie Leder, Schnitzereien, Makalani-Nüsse oder Halbedelsteine genutzt.
Zahlreiche seiner Spiele sind bei größeren Verlagen erschienen, beispielsweise Das Spiel, Piratenbillard bei Abacus, Corda, Kubus, Hotu Matua, Maritim bei (Fracnkh-)Kosmos, Riombo bei Mattel, Nomadi, Dow Jones bei Blatz, Galaxia, Poltergeister bei Haba oder Frosch-Rallye bei Ravensburger.
Das Spiel (1980), Wir füttern die kleinen Nilpferde (1983), Müller & Sohn (1986), Kula Kula (1993), Doctor Faust (1994) wurden von der Jury Spiel des Jahres mit dem damaligen Sonderpreis "Schönes Spiel" ausgezeichnet, auf die Auswahl- bzw. Empfehlungsliste schafften es Ombagi (1981), Baubylon (1982), Riombo (1983), Maritim (1987), Dino (1990) und Cornu (2007).
Reinhold Wittig hat außerdem 1983 das Göttinger Spieleautorentreffen initiiert, aus der heraus später auch die Spieleautorenzunft entstanden ist. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die (Verhandlungs-)Position eines Spieleautors heute eine völlig andere ist als noch zu den Zeiten, als Wittig selbst mit dem Spieleerfinden begann. 2020 wurde Wittig in die Hall of Fame des Origins Award aufgenommen.
Joe Nikisch, Gründer und Chef des Spieleverlags Abacus und enger Freund Wittigs, verwaltet gewissermaßen dessen spielerischen Nachlass. Restbestände der unterschiedlichsten Spielmaterialien der Edition Perlhuhn, stellt er zusammen und ergänzt sie gegebenenfalls für kleine Neuauflagen von Edition Perlhuhn-Spielen. Das aktuelle Angebot kann über die Website von Abacus abgerufen werden.
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