Im dritten und letzten Teil meiner Übersicht der diesen Herbst erscheinenden Spiele stehen Party und Kommunikation im Fokus. Und zu guter Letzt ein Aufruf, einen Blog-Artikel meines Kollgen Synes Ernst zu lesen.
1. NOVEMBER 2016
Nach den Kennerspielen im zweiten Teil wende ich mich am Ende wieder leichterer Kost zu, den sogenannten Party- und Kommunikationsspielen. Denn Spaß muss sein, und wenn nicht bei Spielen, wo sonst.
Bei Word Slam von Kosmos treten zwei Teams gleichzeitig gegeneinander an, um Begriffe zu erraten. Es wird nicht gezeichnet, nicht gehampelt – der Erklärer legt Wortkarten vor. Beispiel: "Essen", "Kreis", "Gelb". Könnte ein Pfannkuchen sein. Prinzip verstanden? War doch nicht so schwer, oder?
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Um die Hoheit über das Thema Escape-Spiel wird ein Dreikampf geführt.
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Game Factory hat das schon einmal bei Kosmos geführte Bananagrams neu aufgelegt und mit Bananagrams Party ergänzt. Dabei kommen noch Aktionen hinzu. Großer Spaß! Macroscope steht in der Tradition von Dalli-Klick und Top Face! ist purer Klamauk: Ein Spieler zieht Grimassen, die anderen müssen herausfinden, welche der ausgelegten Bildkarten er sich dafür als Vorbild nahm. Na gut, warum nicht.
| Klamauk ist Triebmittel vieler Partyspiele. Such bei Top Face! Ein Spieler grimassiert, die anderen raten, auf welche Bildkarte er sich bezogen hat. | |
| Pictionary einmal anders bringt Haba: Bei Picassimo wird die Zeichnung durcheinander gewirbelt, bevor die anderen raten müssen. | |
Ähnlich sinnstiftend ist die Hasbro-Neuheit Klartext. Bei diesem Partyspiel wird dem Erklärer eine Maulsperre verpasst, was die Artikulation einigermaßen beschwerlich macht. Ob Zeichnen da leichter ist …? Piatnik versucht uns Spielern das mit der jüngsten Activity-Ausgabe Activity Krazy Kritzel weiszumachen. Ein Spieler erhält eine Schreibtafel vor seine Stirn geschnallt, auf die er den Ratebegriff zeichnen muss. Nicht so einfach, wenn man nichts sieht und auch noch an links und rechts denken soll. Auch Haba begibt sich erstmals in die Welt der Zeichnen-Partyspiele. Der besondere Ansatz bei Picassimo ist, dass der Rätebegriff auf sechs noch zusammenhängende Plättchen gemalt wird, die dann aber durcheinander gewirbelt werden.
Bleiben wir noch bei Bildern, unternehmen jedoch eine kleine Abzweigung. Das Spiel des Jahres Codenames erfährt eine Variante mit Bildern, Codenames Pictures. Wieder können 2 bis 8 Leute Agenten entlarven – je mehr, desto besser, was sowohl das Grundspiel als auch diese Variante zum Vergnügen einer partyähnlichen Zusammenkunft macht, auch wenn es eigentlich um Deduktion geht.
Von Japan aus um den Globus
Nehmen wir noch die Escape-Spiele mit ins Boot der Partyspiele, weil hier immer eine Gruppe Spieler am Werk ist und sie sich dadurch für einen Spieleabend unter dem Motto „Gemeinsamer Spaß“ zusammenfindet. Auch wenn die Sache derzeit boomt und gehypt wird – neu ist die Spielidee nicht. Die Grundidee entwickelte der Japaner Toshimitsu Takagi 2004 für ein Online-Spiel, daraus wurden dann drei Jahre später, ebenfalls in Japan, die ersten live gespielten Escape Games. Der Ball rollte bald um den Globus. Queen hatte hierzulande als erster Brettspielverlag das Potenzial erkannt und schon 2012 darauf mit dem „Echtzeit-Spiel“ Escape – Der Fluch des Tempels reagiert. Weitere Ausgaben folgten.
Im Sommer/Herbst 2016 hat sich nun ein Dreikampf entwickelt. Kosmos brachte gleich drei Spiele mit eher einfacheren Elementen in einer Exit-Reihe auf den Markt. HCM pusht Escape the Room in der deutschsprachige Ausgabe des amerikanischen Originals von Thinkfun, und Noris das von den Holländern Identy Games entwickelte Escape Room – Das Spiel. Von den Verlagen höre ich, dass sich die Spiele wie „geschnitten Brot“ in den Handel verkaufen. Der glaubt an den Erfolg. Ob tatsächlich auch massenhaft die Konsumenten zugreifen und Geld auf den Ladentisch legen, muss sich erst noch in den nächsten Monaten zeigen.
Als Vorletztes noch der Blick auf einen Vertreter der Wissensspiele, die landläufig mit Partyspielen gleichgesetzt werden, wenn Erwachsene die Zielgruppe sind. Kneipenquiz – Das Original ist der großspurige Titel einer Herbstneuheit bei Moses. Der Originalistätsanspruch bezieht sich auf die beiden Hamburger Darren Grundorf und Tom Zimmermann, die die 750 Fragen ausgewählt haben, und das sogenannte Pub-Quiz aus dem Angelsächsischen nach Deutschland gebracht hatten. Es geht dabei immer darum, dass Teams im Quizzeln gegeneinander antreten, solche Wettbewerbe finden in einem richtigen Pub regelmäßig statt. Beim Moses-Spiel treten die Spieler gegen ein fiktives gegnerisches Team an.
Und weil ein kleines Spiel von Drei Magier absolute Theken-Qualität hat, ein letzter Hinweis: Dodelido. Das Kartenspiel zeigt Tiere unterschiedlicher Farbe, die blitzschnell auf drei Ablagestapel ausgespielt werden müssen. Sobald eine neue dritte Karte liegt, muss benannt werden, was am häufigsten zu sehen ist, zB. die Tierart oder die Farbe. Nun, man könnte Dodelido auch mit edukativem Ansatz mit Kindern spielen, aber warum sich selbst um einen Spaß bringen?
Von wegen tot
Du hast in diesen drei Neuheitenberichten gemerkt, die Grenzen zwischen den ursprünglichen Aufteilungen Familie, Erwachsene, Kinder oder in bestimmte Genres verfließen immer mehr. Viele neue Spieleautoren mit völlig neuen Denkansätzen halten das traditionelle Brett- und Kartenspiel jung und machen es weiter erfolgreich. Synes Ernst, ehemaliger Vorsitzender der Jury Spiel des Jahres, hat dazu vor wenigen Tagen beherzt in die Tasten geklopft und einen Blog-Beitrag geschrieben, weil er sich wieder einmal über das Tot-Gerede des Spiels geärgert hat.
Ich empfehle sein scharfsinniges Plädoyer fürs quicklebendige Gesellschaftsspiel wärmstens allen Spielbegeisterten.
Was denkst du darüber?

… eine Tätigkeit, die man gar nicht ernst genug nehmen kann.