Das Spiel auf dem Donnerbalken
Im öffentlichen Leben ausgeblendet, kommt der Stoffwechsel hier zu spielerischen Ehren. Denn wie schon die Römer sagten: Geld stinkt nicht!
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Die Ausgangslage für jeden Spieler sieht so aus: Auf dem Donnerbalken verrichten ganz links und ganz rechts zwei Personen ihr "Geschäft", während unterhalb fünf andere in der Schlage stehen. Illustrationen: Goldsieber |
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Die wichtige Ausnahmeregel: Senatoren sind sich zu gut neben einem Sklaven aufs Klo zu gehen, Sklaven wiederum dürfen nicht die Toilette benutzen, in der gerade ein Senator zugange ist. Ergo: Der Senator als Erster in der Warteschlange wartet bis der Sklave rechts oben fertig ist – und alle anderen müssen ebenfalls warten. Noch ein Detail: Links auf den Karten steht wie lange jemand am Klo sitzt, rechts die Gebühr, die der Spieler dafür erhält. |
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Was heute in großen Stil oft osteuropäischen Organisationen überlassen wird, war für den römischen Kaiser Vespasian (69-79) eine willkommene Möglichkeit die Schulden abzubauen, die Nero hinterlassen hatte. Der einfallsreiche Mann führte eine Latrinensteuer ein. Ihm wird das (abgewandelte) Zitat zugeschrieben, wonach Geld nicht stinke ("pecunia non olet"), als ihm sein Sohn wegen der Latrinensteuer Vorhaltungen machte.
Genau in dieser Zeit ist das Spiel Pecunia non olet angesiedelt. Die Einwohner Roms müssen einem Bedürfnis nachgehen und Sie, liebe Spielerin und lieber Spieler, haben es in der Hand, die Kunden zufriedenzustellen. Und dafür einen Obolus zu kassieren.
Nicht jeder darf "müssen"
Natürlich war eine Bedürfnisanstalt zu jener Zeit alles andere als eine demokratische Einrichtung. Sie bestimmen im Rahmen gewisser Regeln, wer wann und manchmal auch wie lange auf der Latrine sitzen darf. Immer mit dem Ziel vor Augen, als Erster eine bestimmte Menge Sesterzen einzunehmen und zu gewinnen. Das ist die Grundidee von Pecunia non olet.
Das ist nicht nur ein originelles Thema, sondern auch eine witzige Angelegenheit. Mit witzigen Illustrationen umgesetzt und Namensschöpfungen für die Römer, Bürger, Sklaven und Senatoren, die an Asterix erinnern: Marcus Permanentus, Klomestos, Quintus Ricinus, Metellus Kurzschlus usw.
Das ist unterhaltsames Beiwerk. Wirklich entscheidend ist der Stand, dem die Personen = Karten angehören. Der gravierendste Punkt betrifft Sklaven und Senatoren. Niemals würde es einem römischen Würdenträger einfallen, neben einem Sklaven sein Geschäft zu verrichten, umgekehrt würde sich kein Leibeigener getrauen, neben einem Senator die Hosen runterzulassen. Diese beiden schließen sich aus, dürfen nicht nebeneinander auf der Latrine sitzen.
Da dort nur drei Personen Platz finden, kann es zu vorübergehenden Lücken kommen. Das ist schlecht fürs Geschäft. Denn bei Pecunia non olet geht's um eine permanente Auslastung der eigenen Bedürfnisanstalt. Je kürzer die Menschen für ihre Notdurft brauchen und je mehr sie dafür bezahlen, umso besser.
Es ist also ein sehr lebensnahes Spiel. Die Regeln verklompizieren dieses Treiben nicht unnötig, sondern halten sich mit wenigen Anweisungen zurück:
- jeweils einen Rundenmarker (ein kleines Holzstäbchen, natürlich in Braun) pro Runde von den Römern in der Latrine entfernen
- hat dadurch jemand ausgesch , wird die Karte aus der Latrine entfernt und der Spieler erhält den Obolus von der Bank
- der freie Platz wird mit dem Nächsten in der Warteschlange nachgesetzt (Ausnahme Senatoren und Sklaven!)
- Ziehen einer Aktionskarte.
Diese Aktionskarten können jederzeit eingesetzt werden, verändern zum Beispiel die Reihenfolge in der Warteschlange, können andere schädigen und vieles mehr. Das steht jeweils gut erklärt drauf und muss hier nicht erläutert werden. Mit diesen Sonderaktionen wird das Kartenglück relativiert, das natürlich auch gegeben ist.
Fazit
Mit einer großen Portion Ironie versehen – sowohl in der Gestaltung als auch im Ablauf – ist hier ein höchst amüsantes und kurzweiliges Legespiel entstanden. Pecunia non olet eignet sich sowohl als Aufwärmer eines Spieleabends als auch als Absacker. Bevor die Gäste das Haus verlassen und noch einmal ganz dringend auf die Toilette müssen
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Nr. 971: Pecunia non olet |
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Spielwiese-Code | |
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2016: Erweiterte Neuauflage bei Noris
2005: Goldsieber
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Themen: Rom, Steuern, WC
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Spielanleitung zum Download |
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Auszeichnungen
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