Spielen, wo der Pfeffer wächst
Es gibt Spiele, die man als verunglückt abhaken muss. Schon gar nicht taugt dieses Spiel als Vermächtnis des im Herbst verstorbenen Autors.
Sagen wir es gleich offen heraus: Zanzibar ist eine Enttäuschung. Nicht buchstäblich unspielbar, aber vom Ablauf so, wie man sich heute einfach kein Spiel mehr wünscht. Wer hat denn den Nerv (und die Zeit), sich mindestens eine Stunde hinzuhocken und untätig Däumchen zu drehen und zu warten, bis man wieder an die Reihe kommt, und dabei immer wieder von ganz vorne anzufangen!
An sich gute Idee
Dabei wäre die Idee des Spiels viel versprechen. Die Spieler sind auf der berühmten Gewürzinsel vor der Ostküste Afrikas als Gewürzhändler unterwegs und wollen sich die besten Plätze für Nelken, Vanille, Zimt, Ingwer und Pfeffer sichern. Es sind sogar zwei reizvolle Regeldetails dabei: Immer zwei Aufträge zur Auswahl habend, entscheidet jeder Spieler für sich, wann er einen Auftrag ausführt, damit wartet oder ablehnt; die Spielfiguren haben unterschiedliche Größen, wobei die größeren und stärkeren allerdings die geringsten Zugweiten ausnützen können.
Geschehen ist völlig uninteressant
Doch was passiert, wenn man erwartungsvoll Zanzibar zu spielen beginnt? Der Spieler am Zug darf bis zu drei seiner Handelsagenten ziehen, um nach Möglichkeit einen oder gar zwei Aufträge zugleich zu erfüllen. Die eine Hälfte der Aufträge lautet auf möglichst vielen Feldern eines bestimmten Gewürzes zu stehen, die andere Hälfte lauet auf möglichst vielen Feldern einer bestimmten Provinz (es gibt fünf) zu stehen. Da größere gegnerische Figuren genauso tabu sind wie alle eigenen, sucht man sich Umwege und verschickt ständig fremde Handelsagenten. Es geht nicht anders, und deshalb passiert es einem auch selbst.
Bis man wieder an die Reihe kommt, kann man getrost aufs Klo gehen, Zigaretten holen, die Nägel feilen, das Bad putzen oder sonst etwas tun. Es ist völlig wurscht. Man versäumt absolut nichts, das die Aufmerksamkeit erfordern würde. Denn man kann sich nicht wehren und schlimmer noch: Es ist völlig uninteressant, was die anderen tun, weil man nichts davon als Erkenntnis braucht, wenn man wieder am Zug ist. Dann muss man sich nämlich zuerst einmal grundlegend orientieren, wo die eigenen Handelsagenten mittlerweile stehen und die Ausgangslage vor jedem Zug neu erfassen. Quasi jedesmal ein Neustart!
Missverständnisse?
Noch weiter ins Detail zu gehen, lohnt sich nicht. Denn ob die Punkteverteilung gut oder schlecht ist, die Felder der Zählleister (hier eine Spirale) zu klein sind, das Erfüllen von lukrativen Aufträgen enorm schwierig ist usw. ist bei diesen Spielbedingungen drittrangig.
Schade. Denn vermutlich war das Spiel irgendwann einmal "runder" und planbar. Dafür würden die übrigen Spiele von Franz-Benno Delonge (u.a. Fjorde, Manila, Goldbräu, Trans America) sprechen. Doch, und das ist ebenfalls eine Vermutung, ist in der Kommunikation zwischen Verlag, Autor und Regelerstellung eventuell etwas ganz, ganz schiefgelaufen. Nehmen wir zugusten der Beteiligten an, dass es hier Missverständnisse gegeben hat.
Das kommt vor, wir werden es in diesem Fall nicht mehr erfahren. Denn Franz-Benno Delonge ist kurz nach der Veröffentlichung von Zanzibar an Krebs gestorben.
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2007: Winning Moves |
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