MIt Risiko zum Monopol
Wenn man Elemente von Risiko und Monopoly zusammenwirft, dann kommt so etwas wie Der Boss heraus.
Hand aufs Herz: Jeder träumt doch vom großen Geld. Und deshalb gibt es immer wieder Spiele, die dieses Bedürfnis befriedigen. Der jüngste Vertreter dieser Spezies ist Der Boss von Pascal Bernard. Er lehnt sich dabei an die Tradition der Eroberungsspiele an. Länder bzw. Kontinente zu besitzen oder zu besetzen, ist hier gleichbedeutend mit Einfluss, Macht und natürlich dem schnöden Mammon.
Eine Kunst bei der Konzeption solcher Spiele besteht darin die Weltkarte derart aufzuteilen, dass einerseits die Ressourcen dramaturgisch richtig verteilt sind, andererseits das Ziehen der Spielfiguren von einem zum anderen Bereich noch halbwegs lebensecht ist. Bei vielen Wirtschaftsspielen ist das bedeutend komplizierter und komplexer gelöst als bei Der Boss. Die Einfachheit der Farbverteilung und die Beschränkung auf lediglich drei "Handelsgüter" kommt einem schnellen Spieleinstieg zugute. Die Altersempfehlung ab 12 Jahre ist durchaus angemessen - mit Einführungshilfe von Erwachsenen schaffen das auch Jüngere.
Riesenportion Glück
Wir haben also zuerst einmal die Welt vor uns. Die Kontinente des großen Spielplans sind sehr, sehr abstrakt dargestellt. Die Grenzziehungen erscheinen zum Teil willkürlich. Das ist aber schlussendlich egal, denn die Farbgebung der fünf Territorien ist klar. In jedem der Territorien gibt es eine Handvoll Felder mit Städten. Das ist's auch schon von dieser Seite her.
Die Spieler - imaginäre Wirtschaftsbosse - versuchen möglichst viele Städte in ihrer Farbe zu besetzen und innerhalb von Territorien die Mehrheit zu erlangen. Dazu bringen die Bosse zuerst einmal ihre Spielfiguren ein: Die Stadt für die ersten fünf dürfen sie frei wählen. Von hier aus geht es dann expeditionsartig um den Globus, indem man eine oder mehrere Spielfiguren auf ein benachbartes Gebiet in die dortige Stadt zieht. Über Land wird mit der Abgabe einer Karte Auto gezogen, übers Meer mit einer Karte Schiff.
Soweit, so einfach, was die prinzipiellen Anfordernisse der Spieler angelangt. Jetzt kommt aber die Riesenportion Glück ins Spiel. Jedes Mal, wenn ein Spieler als Erster auf ein Stadtfeld kommt, wird in ein schwarzes Säckchen gegriffen. Dort liegen Firmenplättchen - ebenfalls sehr abstrakt in Immobilien, Casinos und Kredit eingeteilt - sowie schwarze Plättchen mit dem Aufdruck "Mafia". Im günstigen Fall zieht der Spieler also ein Firmenplättchen und macht zum Beispiel Sidney zum Standort eines Kredit-Imperiums. Dass ihm Sidney gehört, ist durch seine Spielfigur(en) manifestiert. Im ungünstigen Fall zieht der Spieler ein Mafia-Plättchen und muss sich an Ort und Stelle gegen das organisierte Verbrechen wehren.
Nach dem K.O.-System
Dafür sind vier schwarze Gestalten als Mafia-Spielfiguren beim Spiel dabei. Je nachdem welche Zahl das Mafia-Plättchen anzeigt, werden so viele Mafia-Spielfiguren zu den eigenen Spielfiguren gestellt. Dann wird gewürfelt, welche Partei die Vorherrschaft über diese Stadt erlangt. Das funktioniert nach einem einfachen K.O.-System. Kann der Spieler die Mafiosi vertreiben, erhält er die Stadt und darf ein neues Firmenplättchen ziehen und legen. Werfen die Mafiosi den Spieler vom Brett, hat er Pech gehabt, aber auch die Mafiosi veschwinden wieder im Untergrund und die Stadt bleibt weiterhin unbesetzt.
Nach demselben K.O.-System können Spieler auch andere Spieler angreifen und ihnen eine Stadt streitig machen. Das ist insofern von Bedeutung, weil es bei Der Boss um zweierlei geht:
- Es müssen Monopole gebildet werden - zum Beispiel die meisten Immobilien-Standorte im amerikanischen Territorium, für jedes Monopol gibt es am Ende drei Millionen Dollar
- Es müssen Auftragskarten erfüllt werden. Wer beispielsweise die Karte Kontrolliere Sidney - Marseille erfüllen kann, d.h. er hat au beiden Städten seine Spielfiguren stehen, kassiert vier Millionen Dollar.
Logischerweise gewinnt am Schluss der Spieler mit dem meisten Geld.
Relativ lange Spieldauer
Piatnik gibt als Spieldauer 60 Minuten an. Das ist aber eher der untere Richtwert und nur zu erreichen, wenn Der Boss schon öfters gespielt wurde. In den Spielwiese-Testrunden wurde die Spieldauer als zu lang bekritelt. Dass bei diesem Spiel sehr viel Glück über den Verlauf und den Ausgang entscheidet, stellte für Otto Normalspieler allerdings kein Problem dar. Hier fügt sich Der Boss in eine Reihe ähnlicher Spiele ein, zum Beispiel YES von Ravensburger, mit dem es auch sonst einige Parallelen gibt.
Eine der Ähnlichkeiten ist die Aktionsleiste rund ums Spielfeld. Teil 1 eines Zugs ist immer, dass ein Spielstein um ein, zwei oder drei Felder auf dieser Leiste bewegt wird. Dann darf der Spieler entweder eine Karte mit dem abgebildeten Symbol aufnehmen oder er spielt Karten aus, etwa um Figuren zu bewegen, zwei weitere Spiefiguren aufs Brett zu bringen oder ein Monopol zu sichern.
Mit fünf unterschiedlichen Karten für Sonderaktionen kann der Spielverlauf beeinflusst werden. Die wichtigste ist hierbei die Karte Organisation: Mit ihr dürfen die Firmenplättchen von zwei verschiedenen Städten vertauscht werden. Damit kann man innerhalb eines Territoriums unter Umständen schneller zu einem Monopol kommen – und wichtig: wurde einmal ein Monopol gebildet, hat der Spieler die drei Millionen Dollar dafür sicher in der Tasche. Auch wenn im späteren Verlauf eine Stadt von einem anderen Spieler übernommen würde oder der Spieler alle seine Spielfiguren von einer Stadt wegzieht, das ändert nichts mehr für die Monopol-Wertung.
Oft ist es ohnehin zielführender sich möglichst viele Auftragskarten zu sichern und sich weniger um die Bildung von Monopolen zu kümmern. Das ist nämlich meist leichter und bringt in Summe mehr Dollar-Millionen ein.
Fazit
Der Boss ist ein Familienspiel, das keinen besonderen Tiefgang aufweist, sondern ideal für Leute ist, die hin und wieder einmal ein bisschen spielen wollen. Wer einen höheren Anspruch hat und gar sein strategisches Geschick unter Beweis stellen möchte, wird enttäuscht. Denn die Würfelduelle mit der Mafia und den Mitspielern machen Der Boss unberechenbar.
Es ist leichte Spielekost, die (etwas zu lange) dahinplätschert und Menschen befriedigt, die ohne großes Nachdenken Spaß daran finden, ruchlos ein Land nach dem anderen zu "erobern" und dabei finanzielles Kapital daraus zu schlagen. Wie eingangs erwähnt, finden sich bei Der Boss Elemente der Klassiker Risiko und Monopoly, wenn auch nicht in deren taktischer oder gar strategischer Tiefe.
Der Untertitel "Mit Risiko zum Monopol" ist dennoch sehr geschickt gewählt.
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2007: Piatnik |
Rund ums Spiel
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