100 Prozent Merchandising
Wer auch so schlau sein will wie Gil Grissom von CSI Las Vegas, erhält hier die Chance es zu beweisen.
|
|
![]() |
| Viel Material für ein klassisches Deduktionsspiel: Die Fans der TV-Serie kommen dabei voll auf ihre Kosten. Spielerisch bringt CSI: - Den Tätern auf der Spur allerdings nicht viel Neues. | |
Auch wenn Horatio Caine in Miami viel tougher und cooler und Mac Taylor in New York der menschlichste ist - Gil Grissom in Las Vegas ist das Original. Mit dem Erfolg der drei Fernsehserien über die amerikanischen Tatortermittler (siehe Hintergrund) lag es nahe, die Szenerie auf ein Brettspiel zu übertragen. Schließlich passiert vor dem Bildschirm genau das gleiche: die Zuschauer wersen Stück für Stück mit Beweisen und Indizien an den Täter herangeführt.
CSI: - Den Tätern auf der Spur ist freilich kein Ratespiel. Wie beim Urvater solcher Spiele, dem schon klassischen Cluedo, gibt es nur eine Lösung und die muss untermauert werden. Wandelt man bei Cluedo von Zimmer zu Zimmer, ist es hier abstrakter und weitläufiger. Die insgesamt acht Fälle sind auch in ganz unterschiedlichen Bereichen angesiedelt.
Textlastig
Thematisch und spielerisch ist CSI das modernere Produkt. Das hat den Preis, dass die Fälle zum Teil ziemlich ausgeklügelt sind und den Spielern sich einiges merken müssen und Aufmerksamkeit gefordert ist. Da sind einmal die recht ausführlichen Tatortbeschreibungen, die zu Beginn des jeweiligen Falles allen vorgelesen werden. Dazu kommen insgesamt 21 Beweiskarten, zwei so genannte Grissom-Karten und drei Karten mit den Bschreibungen der Verdächtigen. Allesamt textlastig.
Die Checkliste, die jeder Spieler hat und beim Lösungsversuch in einen Haftbefehl umwandelt, ist nur bedingt dienlich. Darauf kreuzt man zwar ab, was man schon an Beweisen gesammelt hat, aber Platz für Notizen ist nicht vorhanden. Also merken! Die 25 zusätzlichen Hinweiskarten dürfen nicht wörtlich genommen werden: Sie haben das Element von Ereigniskarten und erlauben in aller Regel den Spielern, entweder eine Beweiskarte anzuschauen, die ein Mitspieler schon gesichtet hat, oder das zu zu verhindern.
|
|
|
|
CSI – Den Tätern auf der Spur (CSI: Las Vegas) ist eine amerikanische Fernsehserie, die 2000 startete und danach auch das europäische TV-Publikum begeisterte. Es geht um die Arbeit einer speziellen Abteilung innerhalb der Polizei (Crime Scene Investigation), die an Tatorten von Verbrechen Beweise und Spuren sichert. Die Serie spielt in Las Vegas und hat wegen des großen Erfolgs zwei Ableger (Spin-offs) erhalten, die in Miami (ab 2002) und New York (ab 2004) angesiedelt wurden und dem Original bereits den Rang abgelaufen haben. |
|
Der Ablauf ist recht simpel. Ein großes Spielbrett ist in Felder der sieben CSI-Abteilungen eingeteilt - Ballistik, Vernehmung, Autopsie, Erkennungsdienst, Spurensicherung, DNA und Forensik - sowie dem Feld Grissom. Wer nach dem Würfeln mit seiner Figur genau eines dieser Felder betritt, darf sich die oberste Beweiskarte dieser Abteilung ansehen. Es gibt zu den Abteilungen jeweils drei Karten = Ermittlungsstufen. Grissom, also der Chef von CSI Las Vegas, liefert einen Tipp, welche Abteilung zum gerade aktuellen Ermittlungsstand den entscheidenden weiteren Hinweis geben könnte. Diese Karte darf der Spieler behalten und allein nützen, die eigentlichen Beweiskarten bleiben liegen, bis alle Spieler die jeweilige Ermittlungsstufe absolviert haben.
Täuschen und Tarnen
In guter alter Krimimanier sind die beiden ersten Ermittlungsstufen hauptsächlich dazu da, die Beteiligten zu verwirren oder auf falsche Fährten zu locken. Einige Hinweise sind entscheidend, aber welche weiß man noch nicht. Dafür sind die Beweise der Ermittlungsstufe 3 dann handfest und man hat nach ein oder zwei dieser Karten mit ziemlicher Sicherheit den richtigen Täter.
Ein besonderes Wort muss über das Material verloren werden. Der Spielplan ist übertrieben groß ausgefallen. Das hängt damit zusammen, dass das Spiel aus den USA übernommen ist und die Machart insgesamt sehr amerikanisch ist: viel Klarlack, dafür schlechte Kartenqualität und bei der Wahl des Würfels, der Art der Spielfiguren und der Innenausstattung der Schachtel viel Lieblosigkeit: Trennt man die Karten der einzelnen Fälle mit den mitgelieferten Registerkarten, was ja sinnvoll ist, dann stehen die so weit über die Kartenbox, dass sich der Deckel der Spielschachtel nicht mehr schließen lässt. Ärgerlich.
Im Vordergrund steht also nicht die Ausführung, sondern allein das Thema. Aber damit kann man leben, denn CSI: - Den Tätern auf der Spur wird sich nur jemand kaufen, der auch auf die Serie abfährt. Es ist 100 Prozent Merchandising und maximal zehn Prozent Bereicherung des Spielemarkts.
Fazit
Solides Spielehandwerk in der Tradition von Cluedo. Spielerisch ist es wie bei allen Deduktionsspielen: entweder man mag sie oder mag sie nicht. Dazwischen gibt's nichts. Die Verpackung verspricht übrigens ein interaktives Spiel. Diese Behauptung hielte der Nachforschung eines CSI-Ermittlers in keiner Weise stand: Die angebliche Interaktivität beschränkt sich darauf, dass man durch Landen auf einem der Hinweisfelder bestimmte Beweiskarten, die andere Spieler schon gelesen haben, ebenfalls ansehen darf. Aber abgesehen davon, ist CSI: - Den Tätern auf der Spur alles andere als eine Mogelpackung. Die Serienfans kommen voll auf ihre Kosten, weil alles bis in die Details auf die Darsteller der Krimiserie abgestimmt ist.
Test 941: CSI: - Den Tätern auf der Spur
- Deduktionsspiel für 2 bis 4 Spieler ab 12 Jahre
- Ca.-Preis: 35– €
- Verlag: Piatnik
- Autor: Mark Sutcliffe, Ed Moitoso und Jeff Colthorpe
- Thema/Umfeld: acht Kriminalfälle können anhand der Hinweise gelöst werden - das Spiel ist an das Treiben der US-Krimiserie CSI (Las Vegas) angelehnt
- Zielgruppe: Erwachsene, Familien, Krimifans und natürlich die Fans der Serie
- Spieldauer: 60 Minuten
- Spielmaterial: gut, aber typisch amerikanisch. Das heißt mit viel Klarlack und lappigen Karten
- Schachtelinfo: ausführlich, aber die Behauptung das Spiel sei interaktiv, ist nur mit Zudrücken beider Augen zu akzeptieren
- Spielanleitung: gut und aufwändig - nebenbei werden noch allerhand Fachbegriffe erklärt
- Anspruch: logisches Kombinieren und Aufmerksamkeit, da sehr viele Hinweise zu "bearbeiten" sind
- Spielreiz: durchschnittlich
- Glück: durchschnittlich


