Das macht ungeheuren Spaß1
Es gibt Drachen, die sind einfach nur lieb. Obwohl sie einem die Beute abjagen.
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| Der Drache bewacht seinen Schatz und holt mit seinem riesigen Hals, der umher schlägt, nach den Eindringlingen in seine Höhle aus. |
Ach, kann ein Kinderspiel Spaß machen! Werfen wir einmal alle pädagogischen Ansätze über Bord. Monieren wir einmal nicht, dass batteriebetriebene Spiele eigentlich gaga sind. Und Plastik sowieso.
Beurteilen wir ein Spiel einfach einmal danach, ob Kinder damit Freude haben und ob sie es – freiwillig! – mehr als einmal selbst spielen wollen. Selbst heißt in diesem Fall auch, dass sie dazu keinen Erwachsenen brauchen, der ihnen hilft, erklärt oder sonstwie benötigt wird. Lassen wir also alle diese Dinge weg, bei denen irgendwie der Zeigefinger des Gutmenschen dabei ist, dann könnte zum Beispiel Die Höhle des Drachen in der Gunst ganz vorne stehen. Es ist ein Spiel aus dem Jahr 2003 und war in den Niederlanden sogar zum Kinderspiel des Jahres nominiert. In Österreich bekam es die Auszeichnung Spielehits für Kinder.
Herzstück ist der grüne Drache mit dem überlangen Hals und den besagten Batterien im Bauch. Der Drache hat die Funktion, seinen Schatz zu verteidigen, den die Spieler stibitzen und nach Hause zu bringen versuchen. Dabei ist das Ungetüm unberechenbar: Wild peitscht sein Kopf am Ende des achtgliedrigen Halses über das Spielbrett. Zuerst hier hin, dann ein Ruck und der Kopf schnellt in die andere Richtung. Zu früh gefreut: Der Kopf hat die eigene Spielfigur zwar um Haaresbreite verfehlt, doch beim Ausschwingen fegt eine Halswindung dann doch noch die Edelsteine vom Kopf der Spielfigur.
Kleine, feine Elektronik
Eine kleine Elektronikeinheit steuert die Bewegungen nach dem Zufallsprinzip. Ja, Zufall! Man kann nicht viel dafür, wenn man gewinnt oder verliert. Aber genau so gut könnte man sagen: Hättest du halt vorher die "richtigen" Zahlen gewürfelt, wäre alles nicht passiert.
Mit einem Würfel wird bestimmt, wie weit die Spielfiguren in die Höhle vordringen bzw. wie schnell der Rückzug vonstatten geht. Die Zahlen 1, 2, 4 und 6 sind Zahlen, mit denen man am schlafenden Drachen vorbei kommt. Auch bei einer 3 und 5 wrid gezogen, aber dann wird eben der Drache eingeschaltet und zum Leben erweckt. Einige Sekunden – mal kürzer, mal länger – wird sein Hals über das Spielbrett fegen. Spielfiguren, die einen Schatz auf ihrem Kopf tragen, sind dann in höchster Gefahr.
Der größte Drachenschatz sind die goldenen Dracheneier – natürlich auch aus Plastik. Um sich bis ganz in die Höhle vorzuwagen, wo die Eier liegen, muss man zuerst einen blauen und einen roten Schatz gesammelt und zu seinem Ausgangspunkt gebracht haben. Tragen die Spielfiguren einen der Schätze auf dem Kopf, sind sie auch vor den Figuren der Mitspieler nicht sicher. Es darf nach Herzenslust geklaut werden! Nur eines gilt: Man muss auf einem Feld immer mit der genauen Würfelzahl zum Stehen kommen.
Acht Schätze und ein Drachenei-Set sind übers Spielfeld verteilt. Spannung ist bei Die Höhle des Drachen angesagt, sobald das erste Kind ein Feld mit einem Schatz erreicht und ihn nach Hause bringen will. Um das an sich schon turbulente Würfelspiel noch mehr zu beschleunigen, gibt es auch noch Aktionsfelder und einen Geheimgang als Abkürzung. Es ist aber überhaupt nicht gesagt, dass einem seine Benützung wirklich einen Vorteil bringt.
Vom Anspruch her muss man sich bei Die Höhle des Drachen nichts erwarten: Es ist ein Würfelspiel wie Mensch ärgere Dich nicht! auch: just fun!
Plastikorgie
Das Spielmaterial ist eine MB-typische Plastikorgie. Die Spielfiguren sind zum Ziehen von einem Feld aufs nächste unpraktisch. Öfter fällt der transportierte Schatz eher deswegen herunter als durch das Schlagen des Drachens. Das ist aber auch der einzige funktionale Minuspunkt. Denn vor allem der Drache sieht nicht nur "lebensecht" aus, sondern lässt sich stabil im Spielbrett verankern und ist absolut robust. Die Höhle des Drachen übersteht damit viele Kinderhände und Spiele. Das Spiel wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch in einem oder zwei Jahren gerne wieder hervor geholt.
Test 847: Die Höhle des Drachen
- Würfelspiel für 2 bis 4 Spieler ab 6 Jahre
- Ca.-Preis: 22,– €
- Verlag: MB
- Autor: nicht genannt
- Thema/Umfeld: Abenteuerwelt mit einem großen grünen Drachen, dem sein Schatz gestohlen werden soll
- Zielgruppe: Kinder, Familien
- Spieldauer: 15 Minuten
- Spielmaterial: Plastikorgie, aber großteils sehr gut gemacht. Der beweglilche Drache ist wirklich ein Hit
- Schachtelinfo: ausreichend, auch mit Bildbeispielen
- Spielanleitung: gut
- Anspruch: keiner, einfach loswürfeln
- Spielreiz: für Kinder sehr hoch, auch Erwachsene spielen gerne mit
- Glück: sehr hoch


… wenn einem alles Andere egal sein kann!