Kanalisationsprobleme
Wunderschön. Hochwertiges Material. Gute Idee. Funktioniert auch zu dritt. Name: Ta Yü – oder auch Tayü.
Ergänzt aus Die Spielwiese 53 (1999)
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Verschlungen sind die Kanäle, die die Spieler legen. Was zählt, sind Ausgänge am Rand. Unten, zum Beispiel, sind es sechs. Foto: Spielwiese |
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Bei Goliath wurde aus weiß rot, statt eines Spielbretts aus Karton eines aus Plastik mit kleinen Vertiefungen, damit die Steine mit ihren Noppen auf der Rückseite besser halten. Foto: Goliath |
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Eingangs der Originaltext der Besprechung von 1999, der sich auf die Erstausgabe bei Kosmos (1999) bezieht):
"Niek Neuwahl hatte einmal ein Spiel Auf Teufel komm raus!, bevor ASS in Konkurs ging (Spielwiese 32). Und dann gibt es den Klassiker Twixt von Alex Randolph (Spielwiese 49). Ta Yü hat auf den ersten Blick Optik bzw. Elemente von beiden Spielen. Aber nur auf den ersten Blick. Die Idee ist eigenständig und in Material umgesetzt, das das Spiel derzeit zu einem der schönsten macht. Man soll sich deshalb aufs Erste auch nicht durch den Preis abschrecken lassen. Spielvergnügen ist bei Ta Yü auf lange Sicht garantiert. Auch deshalb, weil es für ein eigentliches Zwei-Personen-Spiel erstaunlich gut funktionierende Regeln für das Spiel zu dritt und zu viert hat.
Zum Einstieg das Prinzip des Zweierspiels. Abwechselnd ziehen die Spieler vom verdeckten Stapel einen der Steine und legen ihn aufs Spielfeld. Jeder Stein deckt drei Felder ab und zeigt unterschiedliche verschlungene Kanäle. Es muss so angelegt werden, dass kein Kanal unterbrochen wird. Ziel ist es, dass jeder Spieler auf zwei gegenüber liegenden Seiten des Spielplans damit möglichst viele Ausgänge „ins Meer“ schafft. Jeder Ausgang zählt einen Punkt, bei insgesamt zwölf markierten Ausgangsfeldern doppelt so viele.
Klingt einfach, kann aber schön kitzlig werden, denn die Wahl des Steins ist erstens Zufall, er passt einem also oft nicht in den Kram. Und zweitens versucht natürlich jeder Spieler, die Kanäle in seine Richtung zu lenken. Man hat also sehr oft ein Kanalisations-Problem.
Das verstärkt sich noch in der Variante für drei. Wieder spielen zwei Spieler nach obigen Regeln, der dritte aber versucht alles zu boykottieren. Er ist der ausgewiesene Störenfried, der gegen beide spielt. Er kann gewinnen, wenn keiner der anderen eine bestimmte Punktezahl erreicht. Ermittelt wird die Rolle des Störenfrieds recht originell: Man unterbietet sich gegenseitig bei der im anstehenden Spiel zu erzielenden Mindestpunkteanzahl. Wer das niedrigste Gebot macht, ist der Störenfried. „Nur“ zehn Punkte sind für etwas geübte Störenfriede durchaus drin. Dann müssen die zwei anderen aber auch wirklich zusammen stehen!
Ta Yü schafft mit einfachsten Mitteln eine gute Stunde hochstehendes Vergnügen.
Zum Namen: Ta Yü war ein chinesischer Held, der durch Kanäle das Land vor der Sintflut rettete."
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| Der Spielstein bei Kosmos: glatt, dick und edel … | |
Tipps und was danach folgte
Kosmos empfahl von Anbeginn alle 112 Spielsteine mit der Rückseite nach oben zu einem Block übereinanderzustapeln und immer zuerst von jeweils zwei vordersten Stapel nachzuziehen. Die Variante sich einfach aus dem Leinensack zu bedienen, ist zwar einfacher und erspart den Aufbau. Doch der Vorteil der Blockmethode: Steine, die auf drei Seiten eine Verbindung zeigen (wie im Bild links), sind auf der Rückseite markiert. So kann man etwas taktischer und weniger glücksabhängig agieren.
Als das Spiel 2008 dann zu Goliath wanderte, veränderte sich seine Gestaltung deutlich. Aus den dicken, fast elfenbeinähnlich anmutenden edlen Spielsteinen wurden dünne Kunststoffplättchen. Haptisch und optisch lange nicht so schön, aber freilich billiger. Als Plus kamen Noppen auf die Rückseite der Spielsteine, und das Spielbrett ist nun wirklich ein Brett statt eines Kartons, das mit seinen Vertiefungen Halt für die Steine bietet.
Nichtsdestotrotz hat das Spiel in der Goliath-Ausführung an Glanz verloren, auch wenn Spielprinzip und -ablauf der gleiche geblieben sind. Aus 112 Steinen sind allerdings 84 geworden, damit das Spiel schneller geht.
Spielentscheidend ist hier wie dort, seine Kanäle möglichst an die markierten Felder am Spielfeldrand zu bringen. Denn gepunktet wird durch ein Multiplikationssystem: Anzahl der Ausgänge auf einen Seite mal Anzahl der Ausgänge auf der gegenüber liegenden Seite, wobei markierte Ausgänge doppelt zählen.
Fazit
Das Spiel ist schnell erklärt und bereitet auch nach Jahren noch immer große Freude, vor allem als Spiel zu zweit. Im Spielwiese-Code hätten wir auch ein E für Einsteiger wählen können. Für das G für Gelegenheitsspieler haben wir uns deshalb entschieden, weil es auch nach vielen Runden noch immer mit Rafinessen und Tücken, was Entscheidungsmöglichkeiten anlangt, nicht geizt.
Und: Die Kosmos-Ausgabe gehört in die Kategorie der schönsten Spiele der vergangenen Jahrzehnte! Das hatte mit damals 89 DM auch seinen Preis, was einer großen Verbreitung von Ta Yü im Wege stand. Obwohl rund zehn Jahre später der empfohlene Preis von knapp 40 Euro dem schon wieder recht nahe kommt …
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Nr. 1103 (532): Ta Yü/Tayü |
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Spielwiese-Code | |
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Themen: Kanäle |
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Rund ums Spiel
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