Die Tamagotchis belästigen jetzt auch Brettspieler!
Jumbo und Klee versuchen sich eine Scheibe am Erfolg der virtuellen Haustiere abzuschneiden. An der Kasse mag die Rechnung aufgehen. Das spielereische Ergebnis ist bescheiden.
Aus Die Spielwiese 44 (1997)
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Karg im Aussehen, zum Teil ebenso im Spielwert: Zwei Verlage sprangen auf den abgefahrenen Tamagotchi-Zug und bringen Brett- bzw. Kartenspiel-Adaptionen. Bilder: Die Spielwiese |
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Kaum dachte man, daß die Tamagotchi-Welle endlich vorüber ist, tauchen neben elektronischen Plagiaten auch noch zwei Gesellschaftsspiele mit den komischen Eintagskücken auf.
Beide führen den Originalnamen, was den Spieleverlagen im einen Fall 10.000 DM, im anderen ein Vielfaches an Lizenzgeldern wert war. Machen wir uns zuerst über das Tamagotchi von Klee her.
Minusqualität
Die ziemlich lappigen Karten, die in dieses Spiel gepackt wurden, fallen gleich einmal unangenehm auf. Vielleicht hat man sich bei Klee gedacht: lange wird man das Ding sowieso nicht in Gebrauch haben, da rentiert sich bessere Qualität nicht.
Die Lappen sind unterteilt in 44 Pluskarten und 22 Minuskarten. Die einen spenden dem Tamagotchi Lebenssaft, die anderen bringen es dem Tod näher. Mit dem Thema wird wenig zimperlich umgegangen: "… so muß sich der Spieler, dem das tote Tamagotchi praktisch ,vor die Tür' gelegt wird, 30 Minuspunkte gefallen lassen", heißt es beispielsweise in der Spielanleitung.
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| Beispiel einer Karte aus dem Klee-Spiel. | |
Der Ablauf ist in wenigen Sätzen erklärt. Jeder Spieler hat fünf Karten auf der Hand, die nach jedem Zug wieder auf fünf ergänzt wird. Die erste Karte wird ausgespielt, darauf legt der nachfolgende Spieler eine andere Karte usw., wobei immer mitgezählt wird, wieviel Lebenspunkte das Tamagotchi gerade hat (ein Spielmechanismus, der zuletzt bei Schreck laß nach! wesentlich pfiffiger gelöst wurde). Mit 30 Punkten ist ein Tamagagotchi "fertig". Die nach dem Auslegen einer Karte erzielte Zwischensumme zählt jeweils für den nachfolgenden Spieler. Dem kann man mit den Minuskarten ein Ei legen. Die Karten mit bis zu vier Minuspunkten sind noch recht harmlos, die Texte ja ganz witzig: "Du warst zu nachlässig beim Entfernen von Tamagotchis Ausscheidungen. Pfui! Das wirft ihn um zwei Tage zurück!" Brutal wird es, wenn eine der vier Totenkopf-Karten ausgespielt wird. Bei zweien, jenen mit der Null, ist die Anleitung eindeutig: Das Tamagotchi stirbt sofort auf Kosten des nachfolgenden Spielers. Bei den Karten mit der -2 und der -3 ist offen: wird nur der Punktewert reduziert oder stirbt es auch sofort?
Wie dem auch sei: Das Klee-Tamagotchi-Spiel ist eine mechanische und mit der Zeit fade Kartenklopferei. Sie hängt auch zu sehr vom Glück ab, welche Karten man gerade nachzieht. Nur in einem einzigen (von vier Fällen) waren unsere Testspieler überhaupt bereit, das Spiel über volle acht Runden zu probieren.
Davon ganz abgesehen: Wieder einmal erhebt sich die Frage, warum wurde hier aus einem reinen Kartenspiel mit aller Gewalt ein Brettspiel konstruiert? Den Punktestand könnte sich jedes Kind auch auf einem Zettel notieren. Außerdem steht es sogar auf der Schachtel: Tamagotchi Das Kartenspiel. Immerhin: Die Schachtel ist relativ klein, der Spielplan einigermaßen ausgefüllt.
Wachstum
Ist das Jumbo-Tamagotchi-Spiel besser? Ja. Mit einem anderen Thema ließe sich daraus sogar einiges machen!
Hier erblüht das Cyberkücken nicht durch Punktekarten, sondern auf einer Wachstumsanzeige-Tafel. In zwölf Schritten wird aus dem Ei ein ausgewachsenes Tamagotchi. Erreicht wird das durch Ziehen auf dem Spielplan. Dazu sind zwei Würfel und verschiedene Aktionen notwendig. Zieht der Spieler auf ein Feld mit einer Zahl, nimmt er sich entsprechend viele Achtung-Karten. Warum die so heißen, wissen die Götter im Cyberspace! Man legt sie jedenfalls offen vor sich ab. Da gibt es unter anderem Medizin- und Futterkarten. Die sind in ausreichender Menge vonnöten, wenn die Spielfigur auf ein Symbolfeld gezogen wird. Hat man die geforderte Anzahl an entsprechenden Karten, wächst das Tamagotchi um diesen Faktor auf der Anzeigetafel. Hat man zu wenig Karten der geforderten Sorte, schrumpft das Tamagotchi um die Differenz.
Fazit
Beiden Spielen merkt man in Kleinigkeiten an, daß es bei der Produktion sehr schnell gehen mußte. Die Jumbo-Spielregel konnte deshalb wahrscheinlich keiner mehr Korrektur lesen. Sie strotzt vor Fehlern!
Richtigen Tamagotchi-Fans werden die Spiele keinerlei Ersatzbefriedigung bringen, anderen nichts oder wenig sagen. Es ist dasselbe Probleme wie bei Sportsimulationen: nur ganz wenige taugen auch als Spiel.
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Nr. 407: Tamagotchi – Das Spiel |
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Rund ums Spiel
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Nr. 408: Tamagotchi – Das Kartenspiel |
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