Sich zum Affen machen
Wider Erwarten gibt es doch noch Originelles unter der Partyspielsonne.
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Nonsens zum Zerkugeln: Hol dir etwas aus der Küche und mach es zu deinem Trommelprojekt, immer wenn dein linker Nachbar an der Reihe ist … Bilder: Die Spielwiese |
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Das Spielbrett von Quelf ist unscheinbar und eigentlich reine Nebensache, denn … |
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… es geht um den gemeinsamen Spaß bei teils eigenartigen Aufgaben. Sie sind durchaus familientauglich. |
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Die Skepsis ist, zugegeben, groß. Zu viele Partyspiele haben schon den Markt überschwemmt, immer mit dem Versprechen, ganz besonders originell und ganz besonders "lustig" zu sein. So wird auch Quelf angepriesen. Immerhin eilt dem Spiel der Ruf voraus, 2005 in den USA zum "Board Game of the Year" gekürt worden zu sein. Aber das muss nichts bedeuten. Die Amis, die ticken bekanntlich ein bisschen anders als wir.
Doch so anders ist denn Quelf auch nicht, verglichen mit anderen Partyspielen: Mal Fragen beantworten, mal was darstellen, mal singen, auch wenn man völlig unbegnadet in dieser Kunst ist, und so weiter. Dem amerikanischen Autoren-Trio ist aus den üblichen Zutaten dennoch ein guter Mix gelungen.
- Quelf spielen ist sehr, sehr einfach. Den Augenwürfel werfen und entsprechend viele Felder ziehen. Die Farbe des Feldes, auf dem man mit seiner Figur ankommt, bestimmt die Kartenkategorie. Derer gibt es fünf, gaaanz originell mit Verballhornungen betitelt:
- Regelz, das sind blaue Karten, nach denen man bestimmte Dinge tun muss. Einmal, oder immer wieder.
- Hirnknots (rot) sind Aufgaben für alle, der Reihe bestimmte Wörter zu nennen oder auch Laute zu machen. Wem nichts mehr einfällt oder was Falsches artikuliert, scheidet in dieser Runde aus. Am Ende bleibt ein Sieger übrig.
- Quissels (grün), sind die klassischen Multiple-Choice-Fragen.
- Stuntz (gelb): bei diesen Aufgaben sind oft Gegenstände im Spiel, mit denen die unmöglichsten Dinge gemacht werden sollten
- Showbiss (violett): hier sind die schon angesprochenen Sanges- oder anderen Künste gefragt.
Der Spieler am Zug zieht nun also die oberste Karte des entsprechenden Stapels und versucht sich im Überleben des Nonsens. Blöderweise hat jede Karte ein Strafausmaß. Um die angegebene Zahl muss man seine Spielfigur wieder retour schicken, sollte man der Aufgabe nicht gewachsen sein. Das macht das Vorankommen schwer, denn Strafen gibt es zuhauf, und so sind die angegebenen 30 Minuten Spieldauer nur schwer zu schaffen.
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| Spielfiguren: Brachialhumor oder Feinsinnigkeit? | |
Ganz gemein sind in diesem Zusammenhang die blauen Regelz-Karten. Darunter gibt es nämlich "Regeln für alle", die so lange gelten, bis die nächste entsprechende Regelz-Karte gezogen wird. Die Karte wird in die Mitte gelegt, und ab sofort müssen zum Beispiel alle Spieler, die gerade nicht am Zug sind, ihre Sätze mit "ismus" abschließen. Oder: Lachen mit einem schweinischen Grunzen verbinden. Und bei Quelf wird viel gelacht und viel geredet! Und entsprechend oft wandert deshalb ein Spieler zurück, weil er auf die Einhaltung der "Regel für alle" vergessen hat. Für ausgelassene Stimmung sorgen auch Karten wie diese: "Sobald ein Telefon oder es an der Tür klingelt, stehen alle Spieler sofort auf und rufen: ,Pizza-Party!'. Wer dies zuletzt tut, wird bestraft." Selbstverständlich wird ab sofort heimlich unterm Tisch zum Handy gegriffen …
Sprechen wie Angela Merkel
Aufgaben wie das Reihum-Aufzählen von "gut aussehenden männlichen/weiblichen Hollywood-Stars" gehören zum Standard-Repertoire von Partyspielen, ebenso wie das Nennen von "Flüssen, auf denen kein Flugzeugträger Platz hätte". Unterhaltsamer ist da schon, Geräusche zu machen, die ohne Worte auskommen, und eine Herausforderung ist: "Bringe den Spieler links von dazu, vor Ablauf der Zeit (Sanduhr, Anm.) das Wort Apfel zu sagen. Du darfst nur sagen: ,Die Hühner brennen', und du darfst nichts aufschreiben, Und damit's noch ein bisschen schwieriger wird: Sprich den Satz wie Angela Merkel."
Chaotisch und unberechenbar
Quelf bietet eine recht vielfältige Mischung an Dingen, die zu tun sind. Die Beschreibung nennt das Partyspiel "unberechenbar", und das stimmt. Die Schlussbestimmung kann alles noch einmal auf den Kopf stellen. Quelf gebe dem Wort Chaos einen völlig neuen Sinn, heißt es weiter. Und das stimmt.
Mit 440 Aufgabenkarten ist dieses Partyspiel sehr gut bestückt. Das reicht für viele Runden. Und wenn man den Umfang des Materials mit dem Kaufpreis in Beziehung bringt, darf man nicht schimpfen. Als Spielmaterial ist unter anderem auch 1 riesige unsichtbare Harpune angeführt. Alles klar?
Fazit
Während die Menschheit aus diesem Spiel also keinen Nutzen aus diesem Spiel ziehen wird, beschert Quelf den Spielern hingegen eine sinnfreie Zeit Zeitspanne an Vergnügen. Die roten Hirnknots-Runden sorgen dafür, dass die Speler einen Gutteil davon miteinander beschäftigt sind. Das ist zwar keine Interaktion, aber immerhin Gemeinsamkeit. Und darum geht's: gemeinsam Spaß haben.
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Nr. 1075: Quelf |
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Spielwiese-Code | |
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2010: Amigo |
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Themen: kein Besonderes
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Auszeichnungen
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Glücksanteil 
… gemeinsam Spaß haben.