… dann beginnt das große Sterben
Mit Dominion hatte er wesentlich zur Etablierung des Deckbaus beigetragen. Hier dreht der Autor mit 200 Karten quasi den Spieß um.
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Nr. 1669: Moon Colony Bloodbath | Spielwiese-Code | |
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Was ist's?
Für wen?
Was braucht's?
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Die gute Nachricht
der ironische Grundton in Wort und Bild
Die schlechte Nachricht
der Spannungsbogen baut sich nur langsam auf
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| Viele Karten für alle und eine Kolonietafel für jeden als Anleitungs- und Gedankenstütze dafür, welche grundsätzlichen vier Aktionsmöglichkeiten er hat. Außerdem werden darauf auch bestimmte Ressourcen gesammelt.
Bild: Alea |
Rein ins Spiel!
Donald Vaccarino, Jahrgang 1969, Programmierer aus dem Staat New York und mit erfundenem, nach eigenen Angaben bedeutungslosem Mittelnamen „X.“, hat zweimal die Auszeichnung Spiel des Jahres gewonnen. 2012 für Kingdom Builder und, was deutlich schwerer wiegt, 2009 für Dominion. Dazu ein kurzer Abriss, um den Witz von Moon Colony Bloodbath zu verstehen.
Mit Dominion darf die Geburtsstunde der modernen Deckbauspiele markiert werden, oder die der Deck-Building Games, wie der Neudeutsche sagt. Deck ist der englische Name für einen Kartensatz, wobei auch im Deutschen der Begriff Deck seit Jahrhunderten für bestimmte Kartensätze im Tarot verwendet wird. Doch zurück zum Deckbau. Das grobe Prinzip ist, dass jeder Spieler sein Deck durch Zukauf oder Kartentausch laufend erweitert und optimiert. Im Gegensatz zu den Sammelkartenspielen wie Magic – Die Zusammenkunft (an dem Vaccarino übrigens auch mitgearbeitet hat), wo die Spieler mit einem bereits vorab zusammengestellten Kartensatz spielen. Wesentliches Element von Deckbauspielen ist der Durchlauf aller Karten über das wiederholte Mischen des Ablagestapels und Bereitstellen als Ziehstapel. Dadurch werden alle Karten eines Decks immer wieder auf die Hand gezogen. Der Spieler rechnet damit, im nächsten Durchlauf bessere, sprich: wirkungsvollere Karten seines Decks auszuspielen, um beispielsweise damit wiederum neue Karten erwerben zu können.
Was inszeniert Vaccarino nun aber auf der Mondkolonie? Er konzentriert das Deck auf einen zentralen Punkt: Bei Moon Colony Bloodbath hat nicht mehr jeder Spieler sein eigenes Deck, sondern das Spiel hat ein gemeinsames Deck. Es wird nach einem bestimmten System zu einem sogenannten verdeckten Ablaufstapel zusammengestellt. Ein Zug in diesem Spiel läuft so ab (daher die Bezeichnung), dass die oberste Karte des Ablaufstapels aufgedeckt wird und alle Spieler die entsprechende Anweisung gleichzeitig befolgen. Das kann auch bedeuten aus vier individuellen Möglichkeiten zu wählen.
Dieser Ablaufstapel wird, wenn er aufgebraucht ist, gemischt und neu bereit gestellt. Aber: Im Verlauf des Spiels können oder müssen die Spieler dem Ablaufstapel eigene Vorteilskarten hinzufügen, die dann nur für sie nützlich sind, oder andere unterschiedliche Kartentypen, die neue Bedingungen für alle stellen. Diese können positiv oder auch negativ sein.
Anders gesagt: Mit Moon Colony Bloodbath dreht der Autor sein bewährtes Dominion-Prinzip von individuell auf kollektiv um.
Nach so viel Theorie aber endlich zum Spielgefühl. Moon Colony Bloodbath kann dauern. Eine unserer Testerinnen nannte es Beschäftigungstherapie. Du sammelst über die aufgedeckten Karten des Ablaufstapels immer mehr Gebäude-Karten, Geld und Nahrung und baust deine eigene Mondkolonie vor dir aus, die aus eben solchen und noch einigen anderen Ressourcen besteht. Deine Mondkolonie wird mit Bewohnern besiedelt, deren Anzahl anfangs via Karten und geschickter Aktionswahl wächst. Dann aber, wenn Roboter-, Problem- und Ereignis-Karten in den Ablaufstapel beigefügt und irgendwann aufgedeckt werden, beginnt das große Blutbad. Das Sterben am Mond geht schnell voran und endet, sobald der erste Spieler alle Bewohner verloren hat. Es gewinnt, wer dann noch die meisten Überlebenden vorweisen kann.
Moon Colony Bloodbath ist Optimieren und ausgeklügeltes Ressourcenmanagement. Insofern ist die Nominierung zum Kennerspiel des Jahres 2026 durchaus gerechtfertigt. Die Jury begründete die Wahl auch mit „ein redaktionell ausgezeichnet gearbeitetes Spiel, bei dem es keine Wartezeit gibt, weil alle gleichzeitig am Zug sind“. Was stimmt, doch vieles läuft mechanisch ab und es kann dich das Gefühl überkommen, eigentlich gespielt zu werden.
Ohne das ironische Augenzwinkern darüber, dass unweigerlich alles schiefgeht, was nur schiefgehen kann, dass sich unsere eigenen Roboter gegen uns wenden, und nicht zuletzt ohne die von Franz Vohwinkel lustvoll ins trashige Retro-Eck der Science-Fiction-B-Movies der 50er und 60er Jahre gestellten Illustrationen wäre Moon Colony Bloodbath völlig spaßbefreit.
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Nochmals spielen? Schon. |
Rund ums Spiel
Das Rezensionsexemplar wurde von Ravensburger zur Verfügung gestellt |




… eine Quelle der Lebensenergie die durch den ‚Ernst des Lebens‘ oft eingeschränkt wird.