Bienenfleißig
Bei Propolis sammelst du Ressourcen und Gebäude. Es gibt kein Spielbrett, alles wird über Karten und hölzerne Kleinteile gesteuert. Und wenn du auf Pastellfarben stehst, dann bist du hier absolut richtig.
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Nr. 1655: Propolis | Spielwiese-Code | |
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Was ist's?
Für wen?
Was braucht's?
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Die gute Nachricht
Die Symbolik ist gut und überzeugend gelungen
Die schlechte Nachricht
Der ständige Vergleich und das Zusammenzählen von physischen und dauerhaften Ressourcen auf seinen Karten kostet mit der Zeit etwas Mühe
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| Von der kleinteiligen Fraktion, hier zum Beispiel die Auslage bei drei Spielern. Sie kaufen und sammeln Gebäudekarten (oben), indem sie mit ihren Bienen auf den Landschaftskarten (Mitte) auf Ressourcenfeldern landen.
Bild: Ravensburger |
Rein ins Spiel!
Es ist ein bisschen viel für Otto Normalspieler, was da an Erklärung auf ihn einströmt. Dabei sind der Ablauf und das Spielen von Propolis dann recht einfach, wenn man gesehen hat, wie die fünf Möglichkeiten in Zusammenhang stehen, die man als Spieler am Zug hat. Wie immer heute sind die Ressourcen knapp, weshalb es seine Zeit braucht, seine Etappen und das Ziel zu erreichen.
Das Ziel: Am Ende den prestigeträchtigste Bienenstock gebaut zu haben. Sprich: am meisten Punkte eingesammelt zu haben. So weit, so normal und so bekannt.
Es geht in diesem Spiel um Bienen, aber nicht normale Bienen, sondern um Bienenvölker im Mittelalter, die sich in unterschiedlichen Gilden organisieren und unterschiedliche Dinge tun. Man mag das originell finden, muss es aber nicht. Unterm Strich ist Propolis, das ist in der Anleitung korrekt zusammengefasst, eine Mischung aus Worker-Placement, Engine Building und Area Control. Es macht nichts, wenn du mit den neudeutschen Überbegriffen nichts anfangen kannst.
Ausgehend von vier Spielern, erklären wir das Spiel kurz so. Zwölf Karten werden in drei Reihen mit der Rückseite als sogenannte Landschaftskarten in die Tischmitte gelegt. Sie zeigen unterschiedliche Farbmuster, unterschiedliche Symbole für Ressourcen in unterschiedlicher Anzahl. Immer wenn du eine oder mehrere deiner Arbeiterinnenbienen auf eine noch leere Landschaftskarte setzt („Worker Placement“), bekommst du die entsprechenden Ressourcen in dein Lager. Diese Ressourcen brauchst du, um Gebäudekarten (das sind die Abbildungen auf der anderen Kartenseite) zu kaufen, die zusammen eine zweite Auslage bilden.
Die Gebäudekarten legst in als Reihe vor dir aus („Engine Building“), wobei du deren „dauerhaften Ressourcen“ immer nutzen kannst. Anders ausgedrückt: Die Ressourcen auf den Gebäudekarten bleiben dir auch nach einem Kauf einer anderen Gebäudekarte, während du die physischen Ressourcen aus Holz aus deinem Lager abgeben musst. Als drittes liegen noch zufällige Karten Königinnenpalast aus. Sie bringen am Ende mächtig Punkte, können jedoch nur mit dauerhaften Ressourcen bezahlt werden. Nicht zuletzt dienen sie aber auch als Joker für die Gilden, das sind die Buchstaben A, B, C oder D auf den Gebäudekarten. Je nach Konstellation und Vorgaben auf den Gebäudekarten, die du am Ende besitzt, gibt es unterschiedlich viele Punkte dafür. Das ist handwerklich gut gemacht und nach ein paar Runden selbsterklärend.
Wer als Erstes zehn Gebäudekarten hat, läutet das Spielende und damit die Endwertung ein.
Die Parameter für die Wertungsmechanismen sind klug und fein abgestimmt. Das darf man sich im Jahrgang 2026 auch so erwarten. Doch deshalb hat man auch das Gefühl, alles schon einmal gesehen zu haben. Was Propolis allerdings hervorhebt, ist die Sache mit den Mehrheits-Effekten. Wie erwähnt, darfst du Arbeiterinnen nur auf leeren Landschaftskarten platzieren. Sobald in einer Reihe auf jeder Landschaftskarte mindestens eine Arbeiterin vorhanden ist, wird kontrolliert, wer die meisten Bienen in dieser Reihe hat („Area Control“). Wer die höchste Anzahl hat, nimmt alle seine Arbeiterinnen zurück in seinen Vorrat. Das ist ganz schön tricky. Es passiert laufend, dass eine Zeit lang gar keine Mehrheit zustande kommt, weil bei Gleichständen nichts geschieht. So ist auch eine gewisse Art von Blockieren möglich. Auflösen lassen sich solche Konstellationen nur, wenn Spieler „Bienen verstärken“, wie dieser eine von fünf möglichen Spielzügen heißt: Du darfst eine oder zwei schon platzierte Arbeiterinnen hinlegen, wodurch sie für eine mögliche Mehrheit zweifach zählen, gleichzeitig aber auch noch einmal die entsprechenden Ressourcen bringen.
Immer, wenn es eine eindeutige Mehrheit gegeben hat, müssen die anderen Spieler ihre Bienen stehen lassen. Die am weitesten rechts liegende leere Landschaftskarte kommt aus dem Spiel, die anderen werden aufgerückt und die Reihe wird wieder auf die notwendige Anzahl von Landschaftskarten vom Nachziehstapel aufgefüllt. Die Ausgangslage für den und die nachfolgenden Spieler kann sich dadurch schlagartig ändern.
Bleibt noch zu klären, was Propolis bedeutet. Der Begriff ist natürlich Imkern geläufig, vielen anderen jedoch nicht. Wörtlich aus dem Altgriechischen übersetzt heißt es „vor der Stadt“, weil Propolis häufig an den Fluglöchern von Bienenstöcken vorkommt. Deutsche Bezeichnungen sind unter anderem Bienenharz, Bienenleim oder Kittharz. Es ist eine von den Bienen hergestellte klebrige Masse, die sie zum Abdichten von kleinen Öffnungen verwenden, aber auch zum hauchdünnen Überziehen der Waben, weil dieses spezielle Harz auch Bakterien, Pilze und andere Mikroorganismen hemmt oder gar abtötet.
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Nochmals spielen? Ja. |
Rund ums Spiel
Das Rezensionsexemplar wurde von Ravensburger zur Verfügung gestellt |




