Wechselbeziehungen
Alles, was ich mache, kann auch meinem Gegner nützen. Aber weiß ich's? Nein. Bei Crosswise setzen zwei Spieler oder Teams Steine und müssen dabei auch die querlaufenden Reihen ihrer Mitspieler im Auge behalten.
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Hilfreiche Symbolik auf dem Spielfeld: Für Grün zählen die vertikalen Reihen, für Orange die waagrechten. Bilder: Schmidt/Die Spielwiese |
| Es geht darum, in seinen Reihen möglichst viele Symbole einer Art zu legen. Punkte gibt es bereits ab einem Paar, wobei gleiche Symbole nicht direkt nebeneinander liegen müssen. In diesem Beispiel kommen in beiden Reihen Drillinge vor. | |
| Das Spielmaterial ist sehr gut: Mit den großen Holzsteinen zu spielen, macht Spaß. | |
Machen wir eingangs den Versprochen-gehalten-Check. Kurz, spannend, raffiniert – so wird das Spiel auf der Schachtel angepriesen.
Kurz: sehr wohl, eine Viertelstunde, manchmal ein paar Minuten länger.
Spannend: auch dieses Versprechen kann man als berechtigt ansehen.
Raffiniert: Ein anderes Wort heißt ausgeklügelt … Na ja. Die Spieler setzen hier Steine mit verschiedenen Symbolen, um damit dieselben in Reihen und Spalten in hoher Anzahl vorkommen zu lassen. Der/die Gegner will das vereiteln, weil er eigene Pläne hat. Das Ganze ist dann mehr ein Geben und Nehmen auf dem Spielplan. Unter ausgeklügelt stellen wir uns etwas anderes vor, denn auch das Glück spielt eine beträchtliche Rolle. Das bedeutet keineswegs, Crosswise wäre ein schlechtes Spiel. Im Gegenteil: Freunde von Legespielen finden damit berechtigte Freude. Nur: Auch Werbung sollte auf dem Teppich bleiben.
Mehrlinge bringen Punkte
| Klare Farben, klare Formen bei den Spielsteinen. |
Das Wesen von Crosswise ist, dass sich zwei Spieler bzw. Teams (zur Variante mit drei Spielern kommen wir noch) das Spielfeld teilen und in jenen Reihen, die sie als Spalten sehen, dafür sorgen müssen, dass gleiche Symbole möglichst oft in einer Spalte vorkommen. Paare bringen zum Beispiel einen Punkt, Drillinge drei Punkte usw. Alle sechs verschienenen Symbole in einer Spalte unterzubringen, bringt sechs Punkte, wer eine Spalte mit sechs gleichen Symbolen bestücken kann, gewinnt sofort.
Wird im Team gespielt, darf man sich nicht absprechen, was wo gelegt wird. Die Spielsteine werden blind aus einem Beutel gezogen, vier davon stehen den Spielern jeweils zur Auswahl seines nächsten Zuges zur Verfügung.
Mächtige Aktionssteine
Natürlich wird abwechselnd gesetzt, und das Spielfeld füllt sich allmählich. Jeder Stein, also jedes Symbol zählt dabei freilich auch für den Gegner: Der eine betrachtet Crosswise senkrecht, der andere waagrecht. Bei jedem Setzen eines Symbols muss also auch einkalkuliert werden, welche Möglichkeiten dieser Zug dem Gegner für seine Reihen eröffnet. Korrekturen sind durch vier Aktionssteine möglich. Mit ihnen kann man einen Stein der Wahl vom Spielbrett nehmen, versetzen, ersetzen oder zwei Steine vertauschen.
Die Aktionssteine sind demnach mächtig und sollten nicht verschleudert werden. Je später sie in einer Partie zum Einsatz kommen, desto größer ist die Chance das Spielgeschehen dauerhaft zu beeinflussen. Jeder der vier unterschiedlichen Aktionssteine kommt drei Mal im Spiel vor. Wird einer von ihnen eingesetzt, wird er anschließend am Spielfeldrand abgelegt. So haben alle Spieler die Übersicht, was "noch drin" ist.
Überblick bewahren
Durch die Aktionssteine ist eine Partie Crosswise ist durchaus bis zum Finale offen, wenn die Punkte zusammengezählt werden. Schon das Versetzen eines einzelnen Symbols auf dem Spielfeld kann über Sieg oder Niederlage entscheiden. Die Spieler müssen bei Crosswise die Fähigkeit für einen guten Gesamtüberblick mitbringen, denn Symbole müssen nicht direkt nebeneinander liegen, um als Mehrlinge gewertet zu werden. Kräftige Farben der Symbole und ihre klar zu unterscheidenden Formen helfen dabei, nicht zu viele Fehler zu machen.
Herausforderung für dritten Spieler
Spiele, die zu zweit oder viert gut funktionieren, müssen nicht zwangsläufig für drei Spieler geeignet sein. Auch bei Crosswise bedient man sich in diesem Fall deshalb einer eigenen Regelvariante: Zwei Spieler spielen als Team ganz normal, der dritte Spieler übernimmt jedoch zwei "Rollen", d. h. er kommt doppelt so oft an die Reihe und darf seinen Vorrat an Steinen statt auf vier jeweils auf sechs Steine ergänzen. Man kann als dritter Spieler gewinnen, es ist aber ungleich nervenaufreibender. Zwar hat man die Vorteile, wegen der größeren Auswahl an Steinen sich besser auszurechnen, was möglich ist oder nicht, und muss sich keine Sorgen machen, dass ein Teamspieler ungewollt meine eigenen Pläne durchkreuzt … allerdings bleibt dem dritten Spieler kaum Zeit zum Verschnaufen. Weil er bei jedem zweiten Zug an der Reihe ist, steht er unter einem gewaltigen Aufmerksamkeitsdruck. Das ist nicht jedermanns Sache.
Fazit
Schönes Spielmaterial, gutes Spiel. Eine Art Mühle für Fortgeschrittene. Nach jedem Zug muss die Situation neu bewertet werden, das hält geistig auf Trab. Und deshalb – und nur deshalb! – ist nach zwei Partien meist die Luft raus, weil man eine Pause von der Kopfarbeit braucht.
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Nr. 1141: Crosswise |
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Spielwiese-Code | |
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Themen: abstrakt
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Rund ums Spiel |
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