AUSZEICHNUNG. Der Franzose Luc Rémond hat mit seinem Zweipersonenspiel Sky Team soeben die Auszeichnung Spiel des Jahres 2024 gewonnen. Die deutsche Version erschien bei Kosmos. Der Verlag hat ein Interview mit Rémond zur Verfügung gestellt.
„Ich habe mir ein entscheidendes Ziel für das Spiel gesetzt: Emotionen.“
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Sky Team ist ein ganz besonders thematisches kooperatives Brettspiel. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Mein bester Freund ist Segelflieger und fasziniert von Flugzeugen. Er erzählt mir oft davon und ich wollte dieses Hobby mit ihm teilen. Also habe ich für das Spiel nach etwas gesucht, das in diese (Flugzeug-)Welt passt, fesselnd ist und Spaß macht. Und der Stress bei der Landung schien ein solcher Schlüsselmoment zu sein.
Wie sind Sie bei der Entwicklung vorgegangen? Wie lange haben Sie dafür gebraucht?
Ich habe mir ein entscheidendes Ziel für das Spiel gesetzt: Emotionen. Nicht nur das Gameplay oder das Thema, sondern das Erzeugen von Gefühlen. Vieles hat sich aus diesem Ziel ergeben, wie z.B die Spieldauer, die Anzahl der Spielzüge, die Verwendung von Würfeln oder der besondere letzte Zug.
Die Entwicklung des Spiels war dann ziemlich einzigartig; sie begann während der Covid-19-Quarantäne. Ich habe nur ein paar Wochen gebraucht, um das Cockpit zu entwerfen. Dafür habe ich mit Piloten gearbeitet, und das war klar und effizient. Die Entwicklung aller Szenarien hat dann aber fast zwei Jahre gedauert. Alles realitätsnah zu halten, die verschiedenen Schwierigkeitsgrade, das Testen der Szenarien und die anschließende Überarbeitung waren sehr arbeitsintensiv.
Sky Team wird in vielen verschiedenen Ländern gespielt. Wann haben Sie das Potenzial des Spiels erkannt?
Das war wohl, als ich die Arbeit meines Redakteurs auf der GenCon sah und die Reaktionen des Publikums live mitbekam. Es war unglaublich. Aber ich gebe zu, dass ich vorher Zweifel hatte. Ich dachte, das Thema könnte kontrovers sein und war mir nicht sicher, ob es Spaß machen würde. Aber die Originalität und die emotionale Komponente des Spiels scheinen beim Publikum gut anzukommen.
Sky Team kann trotz des kooperativen Mechanismus ganz schön herausfordernd sein. Haben Sie irgendwelche Tipps für Anfänger?
Da gibt es so viele:
- Natürlich sollte man einen Espresso zubereiten (was sonst!).
- Dann sollte man seiner Partnerin oder seinem Partner vertrauen.
- Zu viel Stress wegen der Achse sollte man sich auch nicht machen.
- Und dann gilt es, mit den Würfeln anzufangen, die die meisten Informationen liefern. Mit höherem Schwierigkeitsgrad wird es auf jeden Fall notwendig, Risiken einzugehen.
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Autor Luc Rémond Bild: Kosmos |
Sky Team ist nicht Ihr erstes Spiel. Wie sind Sie dazu gekommen, Spiele zu entwickeln?
Eigentlich kümmere ich mich den ganzen Tag um meine Kinder, also habe ich wenig Gelegenheit, mit Freunden zu spielen. Ich habe angefangen, nachts alleine zu spielen und über Spielmechaniken nachzudenken. Als Freunde von mir dann Verlage für ihre Ideen gefunden haben, dachte ich, das könnte auch ein Weg für mich sein. Allmählich haben diese Momente des Schaffens und Nachdenkens immer mehr meiner Zeit in Anspruch genommen.
Gibt es einen Moment aus den Jahren der Spieleentwicklung, an den Sie sich besonders erinnern?
Der erste Austausch mit Christian (von Scorpion Masqué, Originalverlag) zu Sky Team war in wenigen Minuten organisiert, mitten in der Nacht (Jetlag), und dauerte zwei Stunden. Es war toll, Christian kennen zu lernen.
Spielen Sie noch zum Spaß oder läuft im Hintergrund immer ein Protokoll, das die Mechanismen des aktuellen Spiels verbessern will?
Oh ja, in der Tat. Wenn ich ein Spiel zum ersten Mal spiele, fühlt es sich immer wie eine Analyse an. Wenn ich dann aber verstanden habe, wie das Spiel funktioniert und was der Autor damit bezweckt, spiele ich zum Spaß.
Die Entwicklung von Brettspielen ist zeitaufwändig. Was machen Sie, wenn Sie nicht gerade an einem Spiel arbeiten?
Ich bin ein Hausmann mit einer großen Familie, daher wird mir nie langweilig. Außerdem treibe ich viel Sport und organisiere Familienausflüge, darunter auch Wildcamping in der Natur.
Welche Rolle spielen Ihre Kinder bei der Spielentwicklung?
Meine Frau und meine Kinder sind keine großen Gamer, also muss ich einfache, intuitive Regeln und schnelle Spiele entwickeln. Wenn sie viele Fragen zu den Regeln eines Spiels haben, muss ich es überarbeiten und vereinfachen.
Die Fragen stellte Anna Satrapa
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