TODESFALL. Im 70. Lebensjahr ist der Spieleautor Michael Winkelmann in Wien verstorben. Er war Erfinder des Miwin'schen Würfels und mit den darum herum entwickelten Spielen ein Fixpunkt der Österreichischen Spielefeste in Wien.
Pfeife rauchend (als es noch erlaubt war), verschmitzt und ruhig. So kannten Besucher des Spielefests Dr. Michael Günter Friedrich Winkelmann. Auf einem sogenannten Autorentisch waren lederne Spielpläne mit Löchern und Linien ausgebreitet und lagen zahlreiche Würfel parat. Nicht normale Würfel. Miwin'sche Würfel. Mit der Strenge des Naturwissenschaflters hatte der promovierte Physiker nach einem neuen Logik-System des Würfels gesucht und 1975 seine Würfel vorgestellt, die die Anfangsbuchstabens seines Rufnamens trugen.
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Michael Winkelmann 1994 auf dem Wiener Spielefest. Foto: Die Spielwiese |
Die Miwin'schwen Würfel bestehen aus einem Satz dreier unterschiedlicher Würfel. Die Summe der Augenzahlen jedes einzelnen beträgt 30, der Mittelwert 5. Gegenüberliegende Augenzahlen der Würfel ergeben in Summe jeweils neun, zehn oder elf. Die drei Würfel sind derart gestaltet, erklärte er weiter, dass es nach Wahl eines beliebigen Würfels immer einen anderen gibt, der gegen ihn gewinnt: mit einer Wahrscheinlichkeit von 17 : 36 würfelt er eine höhere Augenzahl und mit 16 : 36 eine kleinere Augenzahl.
"intransitive" Würfel … mit so viel Theorie wollten und konnten sich die wenigsten belasten. Hingegen: Was Michael Winkelmann an ornamentalen Spielplänen anbot, übte für zahlreiche Besucher optisch jenen Reiz aus, zumindest einen neugierigen Blick in das Miwin'sche Gedankengebäude zu werfen. Mehr als 30 Spiele hat Winkelmann, mit seinen Würfeln als Motor, kreiert.
Sie blieben freilich Minderheitenprogramm im lauten Betrieb eines Wiener Spielefestes.
Die (östereichische) Spieleszene hat vorgestern Donnerstag einen jener Spielbegeisterten, Autoren und Tüftler verloren, die das Salz in der Suppe eines immer mehr auf Mainstream getrimmten Getriebes darstellen.
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