HANDEL. In Deutschland und Österreich läuft das Geschäft mit Spielwaren und Spielen 2012 bisher deutlich besser als angenommen. Die Freude ist aber nicht bei allen Marktteilnehmern gleich groß.
Onlinehandel zieht davon
Die gute Nachricht zuerst. In den ersten sieben Monaten 2012 legte der Spielwarenhandel in Österreich um sieben Prozent zu, in Deutschland und fünf Prozent, in Frankreich um drei Prozent, alle anderen wichtigen Märkte in Europa sind im Minus.
Und nun die Einschränkungen, zu den vom Marktforscher NPD am Dienstag in Wien im Rahmen einer Veranstaltung der Spielwarenmesse Nürnberg bekannt gegebenen aktuellen Zahlen. NPD deckt "nur" rund 60 Prozent des Marktes über eine scannergestützten Erhebungen ab, gilt aber dennoch als verlässliches Barometer für die Gesamtsituation. Und die besagt, dass das Wachstum sehr unterschiedlich verteilt ist. Vor allem der Onlinehandel hat wie schon 2011 auch in diesem Jahr sehr stark zugelegt. Der Anteil im gesamten Spielwarenmarkt liegt in Österreich mittlerweile bei rund 18 Prozent, in Deutschland bereits bei 25. Der stationäre Fachhandel gehört nicht zu den Gewinnern.
Nach Produktgruppen betrachtet, so NPD, führen Baukästen mit einem Umsatzzuwachs von 26 Prozent die Wachstumstabelle an. Baukästen, das geht auch aus anderen Parametern hervor, das ist praktisch gleichzusetzen mit dem Namen Lego. Puppen, Basteln und Outdoor-Spielzeug finden in Österreich im Jahresvergleich mit 2011 ebenso überdurchschnittlich mehr Käufer. Spiele legten wertmäßig zwischen Juli 2011 und 2012 immerhin um 2,2 Prozent zu. Das entspreche auch dem Bild in Deutschland, so Werner Lenzner von NPD Deutschland.
Star Wars unangefochten vorne
Auch nach Unternehmen sortiert, ist Lego der Wachstumsmotor. Umsatzplus von Sommer auf Sommer: 25,5 Prozent. Überdurchschnittlich auch Ravensburger mit 14,5 Prozent, was zu einem Gutteil auf das Konto des Lern- und Spielsystems Tiptoi geht.
Wer (und das tun mehrere Anbieter, von Lego über Kosmos bis kleinere Anbieter) auf Star Wars setzt, kann derzeit offenbar nichts falsch machen. Unter den Lizenzthemen ist die Raumfahrer-Saga unangefochten Umsatzkaiser im österreichischen Spielwarenmarkt. Hier beträgt die Steigerung im bisherigen Jahr unglaubliche 48,2 Prozent.
Sorgenkind lokaler Fachhandel
"Der Markt ist sehr, sehr gesund", analysierte Lenzner, das Problem stelle der stationäre Fachhandel dar. Während die beiden führenden Online-Anbieter Amazon und mytoys davonziehen, sei ein großer Teil der traditionellen Ladengeschäfte "nicht attraktiv". Dort passiere praktisch nichts. Spielware werde über Emotionen verkauft, nicht über voll gestopfte, immer gleich ausschauende Regale.
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