Welchen Stellenwert hat das Spiel des Jahres und welche Bedeutung hat ein Jahr nach der Einführung die Auszeichnung Kennerspiel des Jahres medial? Ein Blick in die Tageszeitungen von Berlin, also dort, wo die Preise vergeben wurden, liefert Anhaltspunkte.
Berichterstattung über die Verleihung
17.7.2012 – Die "taz" berichtet schon einmal gar nicht. Alle anderen mehr oder weniger groß schon. Kingdom Builder als neues Spiel des Jahres schafft es bei der Berlin-Ausgabe der "Bild" sogar auf die Titelseite. Passt ja auch hervorragend in die Rubrik Gewinner/Verlierer. Das Kennerspiel des Jahres wird übergangen. Die Berliner Morgenpost vermeldet hingegen in einer Randspalte nicht nur die beiden Preisträger, sondern räumt auch den zwei weiteren Nominierten zum Spiel des Jahres etwas Platz ein – sie seien ja "deutlich preiswerter". Kurz und bündig ein 13-Zeiler in der "Berliner Zeitung".
Am ausführlichsten berichten, durchaus unerwartet, die beiden Boulevard-Blätter BZ und Berliner Kurier. Mit Bildern, mit etwas Hintergrund, dass die Deutschen zum Beispiel pro Jahr 430 Millonen Euro für Spiele ausgeben und sich Brettspiele nach Ansicht eines Spieleforschers auch weiterhin gegen die Computerkonkurrenz behaupten wird können.
Eigentlich wär's ja ganz einfach. Die Jury wählt und empfiehlt ein paar Hände voll Spiele, daraus dann pro Hauptpreis drei Nominerungen und eine davon wird's dann. Die Tageszeitung Der Tagesspiegel hat es nicht ganz durchschaut, schreibt von einem "zweitplatzierten" Spiel. WIrd aber wohl ironisch gemeint sein, denn das Ganze ist keine klassische Meldung, sondern unter der Rubrik "Parkettgeflüster" auf der Wirtschaftsseite veröffentlicht. Da steht dann zu Kingdom Builder: "… geht es darum, sein eigenes Königreich aufzubauen und dabei mächtig und reich zu werden. Das befriedigt die Sehnsucht vieler, die derzeit lieber König von Takatukaland wären als Steuerzahler in Deutschland." Und weiter: "Die idee trifft total den Nerv der Zeit – das hätten sich die Macher des zweitplatzierten Spiels auch denken können: Vegas, ein Würfelzockerspiel, gibt's wohl bald nur noch unterm Ladentisch."
Ja, man kann Nicht-gewinnen auch in Ironie verpacken.


… alles gelassen zu nehmen.