So sehr dem Sprecher der Jury Spiel des Jahres in seinem Kommentar zur aktuellen Nominierungsliste für das Spiel des Jahres 2008 im Allgemeinen zuzustimmen ist – ein Wort verdient vehemenen Widerspruch!
Stefan Ducksch schreibt im Zusammenhang mit der Rolle der Auszeichnung Spiel des Jahres: "Es ist nur zu verständlich, wenn die Menschen angesichts knapper Kassen beim Einkauf des Luxusgutes Brettspiel derzeit immer genauer hinschauen."
Knappe Kassen hin oder her – von einem Luxusgut kann keine Rede sein.
Die Lexika definieren Luxus mit dem Ursprung aus dem Lateinischen als Verschwendung oder Üppigkeit. Bekanntermaßen haben viele Begriffe für die Einzelnen unterschiedliche Bedeutungen, so auch Luxus. Unter Luxus wird der Vorstandsvorsitzende einer Spielefabrik etwas anderes verstehen als die Frau, die ein paar Etagen tiefer im Akkord Kartonplättchen und Spielfiguren in vorbeihuschende Schachteln wirft. Laut dtv-Lexikon bezeichnet Luxus "… Verhaltensweisen, Aufwendungen oder Ausstattungen, welche über das übliche Maß (den üblichen Standard) hinausgehen bzw. über das in einer Gesellschaft als notwendig und - zum Teil auch - für sinnvoll erachtete Maß". Und was sagt WIkipedia? "Luxus fasst damit Phänomene zusammen, die für einen großen Teil der Bezugsgruppe zwar erstrebenswert sind, aber nicht erreichbar."
Ein Brettspiel als für die breite Masse nicht erreichbares Luxusgut?
Nur zum Vergleich: Kein Wort gegen elektronische Spiele, aber über deren Verkaufspreise findet praktisch keine Diskussion statt, geschweige denn, dass sie von einem Exponenten der Branche angezettelt würde. Ganz abgesehen davon, dass man mit sämtlichen elektronischen Spielen allein zuerst einmal gar nichts anfangen kann, sondern es extra zu bezahlende Hardware wie Konsolen und Computer braucht, um überhaupt spielbar zu werden.
Brettspiele als "nicht notwendige" oder "nicht sinnvolle" Investition? Man kann über jede Form des kommerzialisierten Spielens eine Grundsatzdiskussion führen. Fakt ist, dass es in unserer Kultur keinen Lebensabschnitt ohne jegliches Spiel gibt – und so gehören Gesellschaftsspiele schlicht zum Leben. Kuppelt man Luxus von vornherein mit Geld, dann ist für einen bestimmten Anteil jder Bevölkerung ein Brettspiel in der Tat genauso Luxus wie eine Kinokarte, ein erstklassiges Stück Fleisch oder die Tageszeitung.
Jury-Sprecher Stefan Ducksch relativiert sich denn auch wenig später selbst, indem er schreibt, man dürfe nicht übersehen, "dass unsere bei Regeln und Material sauber gearbeiteten Kandidaten reichlich und lange anhaltenden Spielspaß bereithalten".
Zu Gunsten von Ducksch gehe ich also davon aus, dass sich seine Wortwahl auf die Bedeutung "Üppigkeit" bezogen hat oder auch nur ironisch gemeint war. So oder so: Der Gebrauch des Wortes "Luxusgut" war auf jeden Fall leichtfertig und ausgerechnet ausgerechnet aus dem Mund des Vorsitzenden der wichtigsten Institution fürs Brettspiel kontraproduktiv.
Arno Miller
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