Vier Spiele, die gestern als Nominierte für das Spiel des Jahres bekannt gegeben wurden, werden den Titel nicht erringen. Hat Genosse Trend wieder einmal recht, dann ist das fünfte Spiel der Liste klarer Favorit.
Natürlich ging noch Sonntagabend die Diskussion über die Nominierungsliste auf den einschlägigen Fan-Seiten im Internet los. Das ist auch erfreulich, weil es bestätigt, wie sehr sich bestimmte Grüppchen fürs gute Spielen engagieren. Alle Jahre wieder und nicht nur zu diesem Anlass. Und doch
Irgendwie scheint dieses Jahr die große Ratlosigkeit unter diesen Insidern ausgebrochen zu sein. Dass sie Stone Age bevorzugen, liegt auf der Hand, ist es scheinbar doch das anspruchsvollste Spiel. Zu erwarten war, dass Suleika als harmloses Familienspielchen abgetan wird. Gegen viele der selbst ernannten "Vielspieler" spricht, dass sie erst durch die Nominierungsliste von Blox gehört haben.
Die Diskussion, ohne jetzt noch weiter auf sie einzugehen, bestätigt unsere schon vor der Bekanntgabe geäußerte Vermutung, es könnte in diesem Jahr einige Überraschungen geben. Und Jury-Sprecher Stefan Ducksch erklärt in seinem Kommentar zur Nominierungsliste, "selten war ein Spielejahrgang so ausgeglichen wie dieser".
Stimmt. Umso mehr ist der Jury zu gratulieren, aus einem breiten Feld guter Spiele dieses Jahrganges eine ausgewogene Auswahl getroffen zu haben. Alle fünf Spiele sind top und die Nominierungsliste spiegelt die aktuellen Strömungen wider:
- Trend zu einprägsamen Mechanismen – Suleika, Keltis, bedingt auch Blox
- leichter Einstieg – Keltis und Suleika
- abstrakte Spiele erleben eine Renaissance – Blox und Keltis
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mystisch angehauchte Themen – Keltis, Wie verhext!, bedingt auch Stone Age
Der Papierform nach müsste Stone Age deshalb als Erstes aus dem Favoritenkreis fallen. Bei den verbliebenen vier Spielen wird es, so meine Spekulation, darauf ankommen, ob sich innerhalb der Jury der Hang zum Einfachen oder zum Abstrakten durchsetzen wird. Keltis würde beiden Trends entsprechen. Dennoch tippe ich auf Suleika: Es bietet die beste Optik, die beste Haptik, ein ansprechend und schlüssig umgesetztes Thema, und einen einfachen Zugang trotz möglicher Finkeleien beim Spielen. Damit erfüllt die französisch-deutsche Kooperation nicht weniger als vier wichtige Kriterien, um beim Publikum anzukommen.
Dass sich das "einfache" Suleika gegen beachtliche Konkurrenz in diesem Jahr so weit vorne behaupten konnte, spricht ebenfalls für die Breitentauglichkeit des Spiels.
Denn vergessen wir bitte nicht, für wen die Auszeichnung Spiel des Jahres "gemacht" wird!
Arno Miller
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