10. NOVEMBER 2014
Klischeebefriedigung. Aber sie funktioniert
-------------------------------------------------- ARNO
MILLER --------------------------------------------------
Spielemessen müssen nicht zwangsläufig riesig und vollgestopft mit Neuheiten sein. Eine äußerst gelungene Variante habe ich am Wochenende ziemlich weit im Norden erlebt.
Spielemessen müssen nicht zwangsläufig riesig und vollgestopft mit Neuheiten sein. Eine äußerst gelungene Variante habe ich am Wochenende ziemlich weit im Norden erlebt.
Erstaunlich, welche Vielfalt man in einer relativ kleinen Halle unterbringt. Die „Spielidee“ der Hansemesse in Rostock macht’s vor.
Hier wurden die Besucher nicht erschlagen durch Berge von Neuheiten. Das ist positiv und marktgerecht. Im spielerischen Hinterland interessiert weniger das Novum, als vielmehr solide Kost für Normalspieler. Auch Schmidt Spiele, einziger präsenter großer Verlag mit eigenem Stand, konzentrierte sich folgerichtig auf die Bekanntheit von Carcassonne und garnierte sie mit dem neuesten Ableger Goldrausch.
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«Im spielerischen Hinterland interessiert weniger das Novum, als vielmehr solide Kost. |
Der Spielteil der Veranstaltung (daneben gab’s noch Modellbau und Basteln) lebt von einem guten Teil Lokalkolorit mit einer Reihe zum Teil ansässiger Kleinverlage und -initiativen (die bei Großveranstaltungen untergehen), von einer wohl sortierten Spielausleihe mit gewandtem und fachkundigem Personal (organisiert im Auftrag der Messe von Spielkonzept4U), ein paar Wettbewerben und Turnieren und einem erfassbaren Angebot an Spielen, die es zu kaufen gibt. Ein Kaufhof-Stand mit einigem Abverkauf, daneben ein lokaler Händler, der Besonderheiten in den Fokus rückte und erklärte. Er heißt Wupatiki. Der Laden in der Rostocker Innenstadt ist eines der ansprechendsten Spielwarenfachgeschäfte, die ich bisher gesehen habe und diese Bezeichnung wirklich verdient!
Doch zurück in die Messehalle und was uns die „Spielidee“ lehrt. Auf regionaler Ebene ist noch Platz und Potenzial, mit Brett- und Kartenspielen Familien vom Fernseher wegzulocken. Gebt den Leuten, was sie wollen! Nicht alles, sondern eine im besten Sinn des Wortes überschaubare Auswahl mit einer klaren Ausrichtung auf einfache, schnell verständliche Spiele, die Spaß machen. Das ist auch eindeutig daran abzulesen, was bei der Spielausleihe konkret nachgefragt wurde. Das Ganze dann professionell von einer Messegesellschaft aufgezogen, die um ihre Grenzen weiß. Es gibt nur eine Halle, die Gliederung in die drei Bereiche wurde trotzdem konsequent eingehalten. Das hilft Besuchern, ist bei Messen jedoch nicht selbstverständlich.
Es hat sich gelohnt, nach Rostock zu fahren und sich das Konzept der „Spielidee“ bei der Zweitauflage näher anzusehen. Aus dem Minimum an Platz das Maximum herauszuholen. Vater und Sohn bestaunen zuerst Modelleisenbahn, -schiffe und -flieger, Mutti und Tochter tauchen ins „Kreative“ ab, dann trifft man sich zum gemeinsamen Spielen in der Mitte. Klischees, stimmt schon, aber was soll’s, wenn Aussteller und Besucher zufrieden sind.
Einziges Veranstalter-Pech: Hätten die Lokführer nicht gestreikt, wären noch mehr Besucher aus dem Umland gekommen.
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