29. OKTOBER 2014
Guter Stoff aus dem Alpenland
-------------------------------------------------- ARNO
MILLER --------------------------------------------------
Alle, die sich im Interesse der Fans um Spiele kümmern, stöhnen unter der Neuheitenflut. Und dann bringen Dagmar und Ferdinand de Cassan, die wahrscheinlich rührigsten Spiele-Kümmerer deutscher Zunge, noch selbst weitere Spiele auf den Markt. Es sei ihnen verziehen.
Die Zahl der Aktivitäten, die das Ehepaar Dagmar und Ferdinand de Cassan (D&FdC) umtreibt, ist noch nicht ganz so unübersichtlich wie das Spieleangebot. Spielefest in Wien (übernächste Woche), Spielekreise, Stiftung Spielen in Österreich, Spielejournal "Win", Spielemuseum und vieles mehr … Ganz schön rege und dafür schon 2001 von der Spielwiese als "Spieler des Jahres" gekürt. Seit dem Vorjahr bringen die de Cassans nun auch noch Spiele heraus. Korrekt gesagt: Das Österreichische Spielemuseum (= D&FdC) tut das, indem sie die Preisträger des österreichischen Spieleautorenwettbewerbs (= D&FdC) der Wiener Spieleakademie (= D&FdC) mit der Veröffentlichung der Idee belohnt.
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«Ich rechne damit, dass es für dieses Spiel ebenso gut läuft und es einen Verlag findet. |
Das ist, ganz ohne Frage, ein großer Ansporn für alle Autoren. Einerseits legt das Spielemuseum das Siegerspiel in einer Auflage von 2000 Stück auf. Das ist für heutige Verhältnisse eine ganze Menge. Erst recht, wenn man bedenkt, dass die Auflage vor allem auf dem Spielefest in Wien und den Spieltagen in Essen verkauft wird. Pardon: Gegen eine Spende abgegeben wird, die über die "Spiele-Charity Grenzenlos spielen" (dahinter sehen, richtig: D&FdC) Familien mit Kindern in Notlage zugute kommt.
Andererseits mimmt jeder Autorenwettbewerb den professionellen Neuheitenscouts der Verlage Arbeit ab, trennt bereits Spreu und Weizen unter Spieleideen. Der erste Preisträger des Wettbewerbs aus dem Vorjahr, Händler der Karibik von Alexander Pfister, fand auf Anhieb Gefallen bei Pegasus, wo das – übrigens absolut empfehlenswerte – Spiel als Port Royal ins Programm aufgenommen wurde.
Ich rechne damit, dass es für den Autor von Bakerspeed ebenso gut läuft. So heißt der Siegertitel des jüngsten Autorenwettbewerbs im Alpenland. Auch Marko Jelen, ein Designer, hat sich mit seinem Erstlingswerk ein größeres Publikum verdient. Mehr im Spielwiese-Test, der kostenlos abrufbar ist.
Solange D&FcD die Spieler mit gutem Stoff versorgen, ist ihnen verziehen, dass sie die Neuheitenflut anheizen, an der zur Zeit niemand Freude hat. Zumal, so hat mir Dagmar erklärt, letztendlich die Qualität einer Spieleidee darüber entscheidet, ob die Aussicht auf Veröffentlichung auch tatsächlich erfüllt wird: "Das wollen wir uns bewusst offen halten."
Warum das Spielemuseum dann gleichzeitig noch ein zweites Spiel – Paititi – von mediokrer Substanz und ohne Wettkampfgütesiegel den Spielern feil bietet, wertet die Wettbewerbsidee gewissermaßen ab und ist nicht ganz nachvollziehbar. Wie schon angedeutet, das D&FcD-Universum hat auch seine verwirrenden Seiten.
Was denkst du darüber?

