18. OKTOBER 2014
Die quälende Frage II
-------------------------------------------------- ARNO
MILLER --------------------------------------------------
Der Fluch des Bekannten und Bewährten. Gibt es noch Eigenarten in der Flut der Hier-stell-ich-ein-Männchen-hin-Spiele? Spielemesse in Essen, eine erste Zwischenbilanz, zweiter Teil.
„Was kann man bei einem Workers-placement-Spiel erzählen, was anders ist?“ Beim Erklären seines neuesten Spiels meinte Uwe Rosenberg (Bohnanza uvm.) die Frage keineswegs nur rhetorisch. Bei mittlerweile unzähligen und unzählig ähnlichen Spielen, bei denen Männchen aufs Spielfeld gesetzt werden, was Mehrheiten und Aktionen und wieder Mehrheiten und wieder Aktionen zur Folge hat, wird es auch für ausgefuchste Autoren wie Uwe Rosenberg immer schwieriger, Überraschendes zu erfinden. Bei Arler Erde, einer Hommage an den ostfriesischen Geburtsort seines Vaters, verweist Uwe Rosenberg auf Folgendes: Normalerweise wechselt das Bewirtschaften der Deich- und Ackerflächen zweimal pro Jahr und damit auch der Startspieler. Jeder der beiden Spieler hat allerdings die Möglichkeit, einen „Worker“ in der Aktionsfelderleiste des kommenden Halbjahres zu platzieren, verzichtet damit aber automatisch auf die mögliche Startspielerrolle der nächsten Runde. Was mit etlichen Nachteilen teuer erkauft sei, versichert der Autor.
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«Die Frage kann auch so gestellt werden: Womit muss ich mich begnügen? |
Startspieler-Verzicht – das war’s dann schon? Zur Ehrenrettung Uwe Rosenbergs: Natürlich hat Arler Erde seine Finessen bei Material und Mechanismus, etwa wie die zwei Bauern-Spieler Deichland urbar machen. Doch das Beispiel zeigt, wie die Innovationssuppe momentan von Jahr zu Jahr dünner wird. Markante Unterschiede beim Workers Placement als gängigstem Spieletypus zu definieren und zu entdecken, wird immer schwieriger.
Die quälende Frage, was es Neues und Gutes gibt, was sich demnach als Investition für den eigenen Spieleschrank lohnt, kann auch so gestellt werden: Womit muss ich mich begnügen? Etwa damit, dass ich zwischen diesen und jenen Szenarien, zwischen gutem und besserem Material wählen kann? Heute diese Insel besiedeln, morgen jene, heute ein Machtkampf in Flandern, morgen in Japan, übermorgen handeln wir mit Stoffen, überübermorgen mit Gewürzen … Und immer setzen wir dabei die gleichen Männchen, pardon: Worker ein.
Läääähmend!
Ein hartes Wort, das gebe ich zu. Aber aus vielen Gesprächen weiß ich, dass auch viele andere Spieler auf die neue Idee warten. In Essen habe ich sie nicht entdeckt. Ich würde mich ehrlich freuen, wenn andere erfolgreicher waren!
Nur Unken ist jedoch nicht angebracht. Stellvertretend für eine Reihe weiterer Spiele spreche ich deshalb zum Schluss drei völlig unterschiedliche Neuerscheinungen an, die bei mir auf positiven Nachhall gestoßen sind. Weil zumindest in einem Detail auffällig. Eines für Taktiker, eines für Geschickte und eines für haptikaffine Logiker:
- Mangrovia bei Zoch: Auf den ersten Blick ein Spiel wie viele andere, einmal mehr geht es um Götter, Gaben und Punkte sammeln. Originell ist allerdings gelöst, wie die Spieler zu ihren Aktionen kommen. Es gibt einen Landungssteg mit sechs Feldern, die Spieler entscheiden sich für eines der Felder. Links und rechts davon locken unterschiedliche Aktionen. Ein Boot umkreist das Ganze und so muss abgewogen werden, wann das Boot vorbei kommen wird und dadurch wann welche Aktion in Anspruch genommen werden kann.
- Lift it! bei Gamefactory: Hier wird der Spieler zum menschlichen Kran. Er stülpt ein Band über den Kopf, an dem ein Haken hängt. Mit Kopfbewedgungen müssen diverseTeile angehoben und platziert werden. Bewirkt ein nicht gekanntes Raumgefühl. Spaßig – auch wenn auf der Messe der Eine und Andere die Sache dann doch buchstäblich in die Hand nahm.
- Blocks bei Steffen-Spiele: Helle und dunkle feingeschliffene Holzsteine, die jeweils gleich groß sind und das Maß von zwei nebeneinander liegenden Quadraten haben. Es gibt zwei Spielvarianten beim Stapeln: einmal mit seiner Farbe als Erster ein „5 gewinnt“ zu bauen, einmal möglichst große Flächen zu bilden. Kein unbedingt neuer Ansatz, aber der Beweis dafür, dass sich mit simpelsten Mitteln noch immer gute einfache Spielideen formen lassen.
PS.: Weil nicht zu unrecht reklamiert, hier ein Nachtrag zum ersten Teil der quälenden Frage: Bei meiner kurzen Auflistung nicht-neuer Spielethemen hatte ich auf Fantasy in allen Schattierungen vergessen. Wer also als Spieler gerne dem Fantastischen anheim fällt, dem sei versichert: Für ihn gibt es auch diesen Herbst wieder Nachschub, mehr als ihm recht sein dürfte!
Was denkst du darüber?

… nicht nur eine schöne sondern eine ganz wichtige Beschäftigung, die noch dazu viel Spaß macht.