Vom Versuch, das Unwägbare vorherzusagen
Einmal Pirat sein. Schätze einsammeln. Mehr Schätze als die anderen Piraten. Zwischendurch Zurückhaltung üben. Auch das kann satte Punkte bringen. Kann. Denn über jeder Runde Skull King stehen viele Fragezeichen.
Update: 2024 wandert das Spiel von Schmidt zu Ravensburger. Der Spielwiese-Test bezieht sich auf die Ausgabe bei Schmidt.
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Die Illustrationen von Eckhard Freytag verstärken den Spielreiz des Stiche-raten-Spiels Skull King. Bild: Die Spielwiese |
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Skull King gehört in die Kategorie der Stiche-raten-Spiele. Wizard von Amigo ist das bekannteste bzw. erfolgreichste Kartenspiel dieser Art. Ein Vergleich drängt sich also auf: Skill King setzt den Regeln von Wizard noch eins drauf, ist freilich ein völlig eigenständiges Spiel.
Skull bedeutet im Englischen Schädel oder Totenkopf. Das Piraten-Thema des Kartenspiels leitet sich daher von der Totenkopfflagge, der Erkennungszeichen von Piratenschiffen ab. Ermittelt wird sozusagen der Oberpirat, der König der Totenschädel.
Das vermitteln die Illlustrationen von Eckhard Freytag sehr stimmig und ist nicht unwesentlich für den Spielspaß. Denn um seine Chancen abwägen zu können, braucht es anhand von fünf Arten von Sonderkarten und vier Kartensätzen in vier Farben mit den Werten von 1 bis 13 auch klare Unterscheidungsmerkmale. Einzig Schwarz und Blau liegen tonmäßig nahe beieinander, doch noch wenigen Runden haben sich die unterschiedlichen Grundillustrationen – eine Schatzkiste für Blau, ein Ausguck mit Totenkopfflagge für Schwarz – eingeprägt.
Stiche ansagen
Gespielt wird nach gängigem Muster. In jeder Runde erhöht sich die Zahl der Karten auf der Hand, jeder Spieler muss vorher dem Ausspielen der ersten Karte seine Schätzung abgeben, wie viele Stiche er in dieser Runde machen wird. Erfüllt sich die Prognose, gibt es Pluspunkte, liegt er daneben, erhält er Minuspunkte. Am Ende gewinnt, wer am meisten Punkte gesammelt hat.
So easy, so good.
Die Spieler zu einem bestimmten Ritual zu verleiten, wirkt sehr oft aufgesetzt oder ist einfach nur dämlich. Bei Skull King gemeinsam ein kräftiges „Yo-Ho-Ho!“ zu rufen, macht hingegen nicht nur Sinn, es unterstreicht in gewissem Maße auch das Verschwörerische, das Kern des Spiels ist. Sobald alle Spieler im Kopf ihre Schätzung festgelegt haben, strecken sie eine geschlossene Faust in die Tischmitte, gemeinsam ertönt der abgehackte Schlachtruf, um beim letzten „Ho!“ mit mehr oder weniger Fingern anzuzeigen: So viele Stiche will ich machen!
Die "Ausweg-Karte"
Wie schon beim Spielwiese-Test von Wizard beschrieben, ist es meist leichter, einem Stich auszuweichen, also eine niedrige Anzahl an Stichen zu erwirken als eine höhere. Bei Skull King kommt dazu den Escape-Karten eine besondere und hilfreiche Rolle zu. Wer Escape ausspielt, wird den Stich niemals erhalten, es sei denn, alle spielen eine Escape-Karte aus. Was bei nur fünf Escape-Karten im ganzen Spiel sehr unwahrscheinlich ist. In diesem seltenen Fall sticht der Erste.
Der Gegenpart zu Escape sind die Piratenkarten. Sie stechen Zahlenkarten. Die erste ausgespielte Zahlenkarte gibt die Trumpffarbe an, Farben müssen bedient werden, wenn man sie auf der Hand hat. Bei Skull King gibt es wiederum insgesamt fünf „normale“ Piraten. Weiters gibt es die Scary Mary (1 x), die wahlweise als Pirat oder als Escape eingesetzt werden kann, was beim Ausspielen eindeutig kommuniziert werden muss. Der Skull King (1 x) schließlich ist die ranghöchste Karte. Für jede Piraten-Karte, die der Skull King sticht, gibt es 30 Punkte extra. Der Skull King sticht alles.
Fast.
Auch Piraten sind nur Menschen
Denn als eine Besonderheit von Skull King kommt beim namensgebenden Bösewicht eine menschliche Komponente zum Tragen. Auch Piraten-Obermacker sind vor weiblichen Reizen nicht gänzlich gefeit. Der Skull King kann von einer Mermaid, also einer Meerjungfrau betört werden. Die Mermaid kommt zweimal vor. Eine Mermaid ist bei der Stich-Hierarchie zwischen Zahlenkarten und Piraten eingeordnet. Befinden sich jedoch eine Mermaid und der Skull King im selben Stich, geht der Stich an die Mermaid. Wer sie ausgesielt hat, kassiert zusätzliche 50 Punkte als Bonus.
Im Wesen solcher Kartenspiele liegt viel Glück. Darum zu wissen, macht selbst kapitale Fehleinschätzungen erträglicher. Risiko wird bei Skull King überproportional belohnt. Je mehr Stiche man ansagt, umso höher die Punktezahl im Fall des Falles. Nicht nur einen Sockel von 20 Punkten plus 10 Punkte pro Stich wie bei Wizard, sondern 20 Punkte pro richtig vorhergesagtem Stich. Wer die Ansage Null wagt, also keinen einzigen Stich zu machen, erhält pro Karte der betreffenden Runde zehn Punkte. Ein Beispiel: Es werden in dieser Runde fünf Stiche ermittelt. Wer Null sagt und keinen Stich macht, erhält 50 Punkte (5 x 10). Wer Zwei angesagt hatte und auch tatsächlich zwei Stiche einstreifte, erhält lediglich 40 Punkte (von möglichen Bonuspunkten abgesehen).
Risiko wird belohnt
In unseren Testrunden gab es besonders Wagemutige. Bei zehn Karten (in der letzten Runde) keinen Stich anzusagen, dazu gehört neben Kartenglück schon auch sehr viel Risikobereitschaft. Einmal, bei vier Spielern, hatten wir sogar den Fall, dass alle vier Null ansagten! Das kann nicht gutgehen. Ein Spieler schaffte es trotzdem – 100 satte Punkte! – und ein anderer lag nur einen Stich daneben.
Das sind Momente, die Skull King zu einem großen Vergnügen formen.
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Nr. 1149: Skull King |
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Spielwiese-Code | |
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2024: Ravensburger
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Themen: Piraten |
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Das Rezensionsexemplar wurde von Schmidt zur Verfügung gestellt |
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Preis-Leistungsverhältnis 
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