Ein Spiel der Schadenfreude
Das Lesen der – kurzen – Spielregel macht etwas ratlos: Was soll das Ganze bringen? Ausprobieren.
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90 Karten in drei Farben, wobei jeder Wert sechs Mal im Spiel ist. Bei Nox geht es darum, als Erster sechs Kartenstapel gebildet zu haben. Gewertet werden die Zahlen der jeweils obersten Karte eines Stapels. Bild: Huch |
Soviel vorweg: Erst beim Spielen erschließt sich der Sinn, der Reiz von Nox.
Man legt Karten aus. Immer eine pro Runde. Entweder vor sich in einer eigenen, wachsenden Auslage, oder in der Auslage eines Mitspielers. Nein, Nox ist kein Spiel, bei dem man als Erster seine Karten loswerden muss, denn zum Schluss jeder Runde ergänzt man sein Blatt wieder auf drei Handkarten. Es geht um möglichst viele Punkte. Die Punkte ergeben sich aus den Werten der vor sich abgelegten Karten. Karten kommen bei Nox in den drei Farben Blau, Grün und Orange in den Werten 1 bis 15 vor. Wobei jeder Wert nur in einer Farbe vorhanden ist, dafür sechs Mal. Die 13 zum Beispiel in Orange, die 5 in Grün.
Das Eigenwillige bei diesem Spiel: Man kann Karten nicht nur nebeneinander auslegen, sondern auch übereinander. Dann müssen sie aber die gleiche Farbe haben. Am Ende zählt nur die oberste Karte eines Stapels. Das bedeutet zweierlei: Legt man eine grüne 15 auf eine grüne 12, erhöht sich der Wert des Stapels bei der Endabrechnung. Umgekehrt: Legt man auf eine grüne 15 eine grüne 2, gehen 13 Punkte verloren.
Die Gemeinheiten
Sie ahnen es jetzt wahrscheinlich. Natürlich versucht man, niedrige Karten einem Mitspieler zu geben. Und es kommt noch gemeiner! Sobald bei einem Spieler zwei Stapel den gleichen Wert aufweisen, werden sie sofort übereinander gelegt. Aus zwei Stapeln wird einer. Die böse Absicht dahinter ist, ein vorzeitiges Rundenende zu vereiteln. Eine Runde endet nämlich dann, wenn der erste Spieler seinen sechsten Stapel (der letzte besteht zwangsläufig aus nur einer Karte) gebildet hat.
Nox ist ein sehr schnelles Spiel. Da gibt es kein langes Überlegen, sobald man den Mechanismus begriffen hat. Einen anderen stören, die eigene Auslage optimieren, stören, optimieren …
„Speed kills“ ist eine mögliche Strategie, die oft gut funktioniert. Einfach am schnellsten sechs Karten auszulegen, bevor es anderen gelingt. Hauptsache verhindern, dass die anderen viele Punkte machen. Es kann nur einer die sechste Karte legen!
Und noch was, damit es nicht gar so einfach ist. Punkte gibt es nur, wenn ein Spieler mindestens einen Stapel von jeder Farbe ausgelegt/gebildet hat. Das passiert hin und wieder, dass einem Spieler die dritte Farbe fehlt, weil er in der laufenden Runde einfach Kartenpech hat. Oder die Mitspieler waren ganz, ganz böse: Jemanden fehlt noch die dritte Farbe und die anderen pflastern seine Auslage mit den beiden anderen Farben zu. Die einzige Chance, doch noch die fehlende dritte Farbe zu legen, wäre, selbst aus zwei Stapeln einen zu machen (gleiche Zahl). Aber ziemlich sicher beendet vorher jemand die Runde.
Fazit
Ja, das Ganze ist ziemlich bemüht und konstruiert. Aber es macht Spaß. Schadenfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Ernst nehmen darf man Nox auf keinen Fall. So ist das schnelle Kartenspiel völlig okay für ein Spielchen zwischendurch. Je mehr Spieler, desto besser. Man spielt auf 150 Punkte. Bei vier Spielern, zum Beispiel, ist man meist nach drei Runden am Ziel.
Lesen Sie dazu auch: Ein Plädoyer für Schadenfreude
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Nr. 1150: Nox |
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Themen: auch wenn Totenköpfe die Karten zieren – es bleibt abstrakt
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Das Rezensionsexemplar wurde von Huch zur Verfügung gestellt |
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Anspruch
Glücksanteil 

… die reinste Entspannung: Ich spiel am liebsten Spiele, wo ich wenig denken muss und viel Glück habe!