(Ver)Steckspiel
Das Angebot an Spielen für zwei ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. Sucht man darunter nach buchstäblich schönen Spielen, kommt man an diesem nicht vorbei.
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Damit's für den Sieger "funkt", muss er die Stäbe und Röhren so verbauen, dass seine Farbe am Ende das Übergewicht hat. |
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Abstrakte Spiele haben es erfahrungsgemäß seit langer Zeit schwer am Markt. Die Verlage setzen - wenn sie sich trotzdem auf eine Produktion einlassen - dem zwei Strategien entgegen. Sie stülpen dem Spiel ein Thema über - das wird von den Spielern meist durchschaut und abgelehnt. Oder sie machen aus der Abstraktheit keinen Hehl und setzen auf außergewöhnliches Material.
Das ist auch im Markt meist der bessere Weg. Der Münchner Verlag Zoch hat das schon ein paar Mal unter Beweis gestellt. Auch San Ta Si gehört in diese zweite Kategorie. Der Name sagt überhaupt nichts aus, die kleine Geschichte vom angeblichen "Geheimnis der drei Türme" ist überflüssiges Beiwerk ohne Substanz. Also lassen wir es einfach als dahin gestellt.
Was wir wirklich haben, sind 15 blaue und 15 silberne Metallröhren in unterschiedlichen Durchmessern und Längen sowie jeweils drei Holzsäulen in diesen Farben. Dazu eine dreieckige Plattform aus Holz mit drei Vertiefungen. In diesen drei Fundamenten wird an drei Türmen gebaut.
Die Fundamente gehören keinem der beiden Spieler, auch die Türme nicht. Jeder kann unter bestimmten Regeln überall sein nächstes Teil verbauen. Erst zum Schluss ist zu sehen, wer gewonnen hat: Derjenige Spieler, von dem mehr Röhren und Säulen zu sehen sind. Natürlich wird bis dahin abwechselnd gebaut.
Nach dieser Logik wäre es prinzipiell von Vorteil, die Röhren mit dem größten Durchmesser vor dem Gegner zu platzieren. Einfach so hintereinander geht das aber nicht, weil jede neue Röhre von der nächst kleineren oder nächst größeren "gehalten" werden muss. Und damit beginnt die Schwierigkeit, vor allem dann, wenn das räumliche Vorstellungsvermögen nicht zu den persönlichen Stärken zählt: Kann die mittellange Röhre, die ich in eine dickere stelle und dabei zur Hälfte heraus schaut, mit einem Teil des Gegners noch versteckt werden? Umgekehrt: Habe ich das passende Material, mit dem ich Röhren des Gegners zum "Verschwinden" bringe?
Vom Ablauf her ist San Ta Si sehr, sehr einfach. Die "Kunst" besteht darin, Baukombinationen zu finden, die im Sinn des Spielziels vom Gegner nicht mehr korrigiert werden können. Wer die Chancen schneller nützt, wird gewinnen. Das setzt Vorausschau und wie erwähnt räumliches Denken voraus.
Fazit
San Ta Si ist ein Ver-Steckspiel für Leute, die gerne etwas grübeln und denen Freude an schönem Spielmaterial wichtig ist. Fertig gebaut, ist den drei Türmen die Attraktivitä nicht abzusprechen.
Test 932: San Ta Si
- Setzspiel für 2 Spieler ab 10 Jahre
- Ca.-Preis: 26,– €
- Verlag: Zoch
- Autor: Jaques Zeimet
- Thema/Umfeld: abstrakt - dass von zwei "weitsichtigen Turmbauern" im 9. Jahrhundert am Fuß des Himalaya die Rede ist, ist völlig belanglos
- Zielgruppe: Erwachsene, die Freude am Dekorativen haben und gerne etwas spielen, das einfach und ohne besondere Spieltiefe unterhält
- Spieldauer: 20 Minuten
- Spielmaterial: sehr gut, optisch und haptisch gibt San Ta Si viel her
- Schachtelinfo: die (überflüssige) Geschichte steht im Vordergrund, das Spiel an sich lässt sich nur erahnen
- Spielanleitung: knapp, gut
- Anspruch: räumliches Vorstellungsvermögen
- Spielreiz: hoch durch den Aufforderungscharakters des Materials, spielerisch ist es leichte Kost
- Glück: spielt keine Rolle
-Service:
Spielanleitung zum Herunterladen
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Auszeichnungen
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