Alles fließt
Ein großartiges Artwork zu einer schönen Geschichte, die dann auch konsequent im Spielfluss umgesetzt ist. Das ist das am Rande von Fantasy angesiedelte Familienspiel Iquazu von Haba. Wir Spieler sind hier vom Volk der Inox und müssen unsere Schätze vor den plündernden Rhujas hinter einem gigantischen Wasserfall verstecken.
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Nr. 1369: Iquazú | Spielwiese-Code | |
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Was ist's?
Für wen?
Was braucht's?
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| Ausschnitt im doppelten Wortsinn: Drache Silon hält immer ein Stück der tobenden Wassermassen zurück, damit das Volk der Inox seine Edelsteine hinter dem Wasserfall verstecken kann. Danach wird die Spielfläche immer wieder ein Stück nach rechts verschoben und neue Bonusplättchen (in der Spalte gsnz rechts) kommen zum Vorschein. Links oben im Spielfeld: Nach jedem Zug kommen Wassertropfen ins Spiel und füllen die linke Felsspalte auf. Ist sie voll, kommt es zur Zwischenwertung. Bild: spielwiese.at |
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Die gute Nachricht
Perfekte Gestaltung und Umsetzung des Themas
Die schlechte Nachricht
Die konkreten Einflussmöglichkeiten hinken den laufenden Veränderungen am Spielfeld oft nach
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Rein ins Spiel!
Dieses Spiel vermittelt eine besonders hübsche Geschichte, die sich im hervorragenden Spielmaterial in allen Details widerspiegelt. Vor langer Zeit lebte das friedliche Vollk der Inox im Land der Wasserfälle (da hat jemand subtilen Witz eingestreut: Inox ist ein Synonym für rostfreien Stahl … Die Bezeichnungen sind, bis auf Iquazu, den weltberühmten Wasserfällen zwischen Argentinien und Brasilien, allesamt erfunden). Weil böse Rhujas die Edelsteine der Inox erbeuten wollen, verstecken die Inox sie am unzugänglichsten Ort, den sie kennen: In Felsritzen direkt hinter dem Wasserfall. Dazu seilen sie sich ab, immer bewacht von ihrem Wasserdrachen Silon.
Das Spiel ist großes Kino! Der wirklich sehr große Wasserfall ist vor uns am Tisch aufgebaut und wir, die Spieler, die die Inox verkörpern, lassen die Edelsteine tatsächlich hinter dem Wasservorhang verschwinden. Silon hält dazu partiell die Wassermassen zurück. Nicht irgendwie, sondern immer nur einen Teil, der von links nach rechts wandert. Möglich macht dies das Spielmaterial: Über die Felsspalten werden nach jeder Zwischenwertung auf zwei Kunststoffschienen ein Rahmen und acht Wasserstreifen verschoben. Genial gelöst und beeindruckend.
So gibt Silon zu Beginn der ersten sechs Felsspalten in einer Art Fenster frei. In jeder Felsspalte befinden sich in sechs Reihen unterschiedlich viele Felsritzen, markiert in drei Farben Weiß, Blau und Orange. Kleine bunte Punkte. In der äußersten rechten Felsspalte warten Bonusplättchen als Belohnung. Wer an der Reihe ist, setzt entweder einen Edelstein in eine Felsritze oder zieht vier Karten nach. Um einen Edelstein in der ersten Felsspalte zu verstecken braucht es 1 passende Farbkarte, für einen Edelstein in der zweiten Felsspalte 2 passende Farbkarten usw. Jede Aktion schließt der Spieler am Zug mit einem Wassertropfen ab. Wassertropfen werden in der ersten Felsspalte, immer von oben nach unten, auf die nächste noch freie Felsritzen platziert.
Ist die erste Felsspalte mit Edelsteinen und Wassertropfen voll, passiert zweierlei. Als erstes bekommt der Spieler, der dort die meisten Edelsteine in seiner Farbe legen konnte, das Punktemaximum, das unterhalb angeführt ist, die Spieler mit den zweit- und drittmeisten Edelsteinen jeweils ein paar Punkte weniger. Unabhängig von der Spielanzahl geht der Letzte immer leer aus. Als Zweites werden die Bonusplättchen verteilt. Wer in der jeweiligen Reihe die meisten Edelsteine gesetzt hat, greift dankbar zu. Gleichstände werden übrigens nach klaren und einfachen Regeln gelöst.
Begehrte Bonusplättchen
Die Bonusplättchen sind heiß begehrt. Weniger jene, die am Spielende Punkte bringen – schon auch –, aber besonders jene, die für die kommenden Runden äußerst wertvoll sind. Mit ihnen erhält man entweder zwei bis vier zusätzliche Karten auf die Hand, darf eine zweite Aktion durchführen oder ist für das Setzen von Edelsteinen nicht an die Farben der Karten gebunden, nur an die Anzahl.
In der folgenden Runde ergibt sich ein neues Bild: Silons Rahmen wird um eine Felsspalte nach rechts verschoben, Felsspalte 1 verschwindet unter einem links nachgelegten Wasserstreifen, es gibt in jeder neuen Runde mehr Punkte und neue Bonusplättchen zu gewinnen, die ganz rechts hinter dem Wasserfall auftauchen. Aus der vormaligen Felsspalte 2 ist nun Felsspalte 1 geworden usw. Edelsteine, die in der Runde davor in den Felsspalten 2 bis 5 platziert worden sind, blieben liegen. So geht es dahin bis zur letzten, neunten Runde und schafft jedes Mal eine neue Ausgangslage, sich mit senkrechten und waagrechten Mehrheiten gegen die Mitspieler zu behaupten.
Schneller Ablauf
Das hat in der Schilderung vielleicht etwas kompliziert geklungen, ist es aber nicht. Man hat das System mit der zweiten Runde begriffen und es geht schnell dahin. Schneller sogar, als einem manchmal lieb ist. Dann nämlich, wenn viele Spieler aus taktischen Überlegungen ihre Edelsteine in die erste Felsspalte legen, die sich nach jedem Zug unerbittlich mit Wassertropfen weiter füllt und flugs zur Zwischenwertung führt. Eine Partie Iquazu ist in 45, 50 Minuten abgehandelt. Eine Testrunde brauchte sogar nur 30 Minuten.
Iquazu ist ein Familienspiel. Das heißt auch: Es gibt beträchtliche Unwägbarkeiten, bis man wieder an die Reihe kommt. So ganz steuerbar ist das Spiel zu dritt und viert nicht. Im Spiel zu zweit ist Iquazu hingegen ein beinharter Schlagabtausch. Das Ergattern der Bonusplättchen hat hierbei eine noch größere Relevanz. Wem es gelingt jene fürs Aufnehmen zusätzlicher Karten zu bekkommen, ist klar im Vorteil und behält im Normalfall mit ansehnlichem Vorsprung die Oberhand. Mehr Handkarten bedeutet beim Platzieren der Edelsteine einfach die besseren Möglichkeiten zu haben, um die Wertung der Felsspalten und Reihen für sich zu entscheiden. Zweiteres grenzt bei zwei Spielern fast schon an ein Perpetuum Mobile, und was die Felsspalten angeht: The winner takes it all! Punkte gibt es nur für den Spieler, der die Edelstein-Mehrheit hat. Da gibt es kein Trostpflaster für den Zweiten.
Fazit
Zuerst besticht Iquazu einmal durch die rundum stimmige Grafik und Illustration, den durchdachten Aufbau und sein exzellentes Spielmaterial. Nur für die Wassertropfen und Edelsteine würde man sich kleinere Finger wünschen. Doch auch für die Spielidee und die eigene Dynamik vergeben wir gerne fünf von sechs Punkten. Wenngleich oft das Gefühl aufkommt Getriebener zu sein – die Freude am Spiel überwiegt, das Gesamtpaket überzeugt auch angesichts des moderaten Preises.
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| Nochmals spielen? Gerne wieder einmal ein, zwei Partien. |
Rund ums Spiel Das Rezensionsexemplar wurde von Haba zur Verfügung gestellt |




… mit gutem Gefühl am Leben teilhaben können.