Kopfarbeit im Garten
Japaner legen großen Wert auf Ästhetik, auch und gerade in ihren Gärten. Erfolgsautor Michael Kiesling hat zu diesem Thema ein Legespiel ersonnen. Zwei bis vier Spieler sollen dabei den schönsten Garten bauen. Miyabi (nicht Miyagi, wie viele den Schriftzug lesen) ist im wahrsten Sinn des Wortes vielschichtig.
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Nr. 1368: Miyabi | Spielwiese-Code | |
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Was ist's?
Für wen?
Was braucht's?
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| Die Plättchen, die hier in der Mitte als Vorrat zu sehen sind, liegen im Spiel verdeckt am Tisch. Der Spieler am Zug nimmt eines und versucht es möglichst so in seinem Garten (vorne) zu legen, dass möglichst viele gleiche Gartenattribute wie Buchsbäume, Azaleen oder Pagoden in einer Reihe sind. Spalten, in denen sie platziert wurden, werden mit einer Laterne (gelbe Figuren) markiert und sind für den Rest der jeweiligen Bauphase tabu. Bild: Haba |
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Die gute Nachricht
Klare Regeln, schneller Einstieg
Die schlechte Nachricht
Die Kopflastigkeit kann zu längerer Wartezeit führen
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Rein ins Spiel!
Zu Beginn hatte der Architekt einen leeren Garten. Nach und nach setzte er Ahorn, Buchs und Azaleen, legte einen Fischteich an und sorgte mit Steinen und einer Pagode für ein stimmiges, anmutiges Ganzes in seinem Garten. Miyabi bedeutet im Japanischen unter anderem Anmut und das ist die Geschichte zu Miyabi.
Es ist ein Wettstreit der besten Gartenarchitekten. Wer den schönsten Garten anlegt, wird mit den meisten Punkten belohnt. Miyabi ist vom Typ her ein Legespiel. Aber nur ein Plättchen neben das andere zu legen, wäre zu simpel. Miyabi kann – das ist schwierig, aber nicht unmöglich – bis in die fünfte Ebene gehen. Dazu müssen bereits gelegte Plättchen überdeckt werden, das ist klar, was aber auch schmerzhaft sein kann. Weil dann einige der schönen Gartenattribute verschwinden. Denn gewertet wird nach folgender Regel: Menge der sichtbaren gleichen Gartenteile mal Ebene, also zum Beispiel wären 3 Azaleen in der 2. Ebene 3 x 2 = 6 Punkte.
Nun ist es aber keineswegs so, dass man die Plättchen wahllos legen könnte. Zwei Bedingungen müssen erfüllt sein, damit der japanische Meister ans Werk gehen kann. Pro Art des Gartenteils – also Ahorn, Teich etc. gibt es im Garten eine einzige Reihe. Und diese Gartenattribute dürfen nur in einer Spalte platziert werden, die in der aktuellen Bauphase noch nicht mit einer Laterne ausgeleuchtet ist.
Das ist alles sehr konstruiert, macht aber spieltechnisch Sinn. Denn die Plättchen, die Ahorn, Teich & Co. zeigen, sind unterschiedlich groß, können auch einen Winkel bilden, aber immer ist nur ein Rasterfeld mit einer Art Gartenbehübschung bedruckt. Da ist auch relativ viel Glück dabei: Wer an der Reihe ist, nimmt ein verdecktes Plättchen aus dem Vorrat und versuchte es optimal in seinem Garten unterzubringen. Pro Bauphase ist jeder Spieler bis zu sechs Mal an der Reihe, denn so viele Laternen stehen ihm zur Verfügung. Die Anzahl der Bauphasen variiert von 4 bis 6 und hängt von der Anzahl der teilnehmenden Spieler ab. Drei oder vier Spieler halten wir für ideal. Nach der letzten Bauphase wird noch geschaut, wer von welcher Art am meisten Objekte in seinem Garten stehen hat. Dabei werden weitere Punkte vergeben und diese können das Zwischenergebnis noch kräftig auf den Kopf stellen.
Soweit zum Regelwerk.
Ist Miyabi ein besonderes Spiel? Jein. Sagen wir es einmal so: Gute Mittelklasse. Das Thema spricht viele an, aber wir haben schon viel Ähnliches gesehen. Gestaltung und Material sind okay, jedoch nicht hervorstechend. Der Einstieg ist dank einfacher Regeln zügig. Das Spiel ist absolut familientauglich. Typus: Ruhezone. Was wiederum zum Gartenthema und asiatischer Gelassenheit passt. Wer gerne ohne Hektik spielt, ist mit Miyabi gut bedient. Jeder legt vor sich Plättchen, das Beobachten bei den Mitspielern, wo sich Mehrheiten für die Schlusswertung anbahnen, ist die einzige „Interaktion“. Was fehlt, ist das gewisse Extra.
Miyabi verleitet leider dazu, sich über Gebühr zu verkopfen. Die Wartezeit, bis andere ihre Plättchen gelegt haben und man wieder an der Reihe ist, kann nerven. Befinden sich einschlägig bekannte Tüftler in der Spielrunde, empfehlen wir: Zu Beginn der Bauphase nehmen sich zuerst alle Spieler reihum je ein Plättchen, bevor dann alle gleichzeitig in ihrem Garten dafür nach dem besten Platz suchen. Das hat zwar den Nachteil, weniger auf das reagieren zu können, was die anderen gelegt haben, beschleunigt aber den Spielfluss merklich. Mit einem Auge hat man ja immer die Endwertung mit den Mehrheiten im Blick, bei der nur die zwei besten Spieler punkten. Also stellt man sich nach einiger Zeit auch Fragen dieser Art: Rentiert sich überhaupt noch, die beiden Fische im Teich offen zu lassen oder soll ich sie besser mit einer Azalee überdecken, weil ich mir damit die Mehrheit am Spielende eher sichern kann? Aufpassen muss man auf jeden Fall, dass man nicht vergisst die Spalte mit einer Laterne zu markieren, die soeben „bepflanzt“ wurde. Das passiert immer wieder und kann für Unstimmigkeiten sorgen.
Fazit
Ein grundsolides Legespiel ohne besondere Vorkommnisse, bei dem einen die hohe Glückskomponente nicht stören darf.
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| Nochmals spielen? Bedingt ja, vor allem wenn man ruhige Spiele bevorzugt. |
Rund ums Spiel
Das Rezensionsexemplar wurde von Haba zur Verfügung gestellt |




… gemeinsam Spaß haben.