Pflanzerei
Legespiel, Versteigerungsspiel, Entwicklungsspiel, Wirtschaftsspiel. Santiago hat von allem etwas. Das Spiel gab es vor 20 Jahren schon einmal. Ein paar Dinge daran wurden geändert. Nicht alle zum Positiven.
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Die folgenden Angaben beziehen sich, sofern nicht anders angeführt, auf die Neuauflage bei Trefl
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Nr. 1459: Santiago | Spielwiese-Code | |
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Was ist's?
Für wen?
Was braucht's?
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Die gute Nachricht
Santiago ist auch zu zweit sehr gut spielbar
Die schlechte Nachricht
Der Abrechnungsmodus zum Schluss ist eine Zumutung
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| Wie schon das Original ist das Spielbrett der Neuauflage klar strukturiert und die einzelnen Fruchtsorten sind klar zu unterscheiden. Neu ist hier die überflüssige "lateinamerikanische Siedlung" (links) |
| Bild: spielwiese.at |
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| Noch mal zuvor ein Blick aufs Original, das andere Früchte hatte. Und für alle(s) übrigens eigene Fächer im Schachteleinsatz. Hier ist der Wasserkanal besonders gut zu sehen. Bild: Amigo |
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Rein ins Spiel!
Es gibt einen großen Acker, unterteilt in noch leere Felder. Dort bauen die Spieler Gemüse und Früchte an. Je größer die Flächen sind, auf denen dieselben Früchte angebaut werden, umso besser wird das am Ende für den Spieler sein. Doch die entsprechenden Felder müssen zuerst einmal ersteigert werden. Hoch in die Auktion reinzugehen, sichert einem den ersten Zugriff auf die vier zufällig aufgedeckten Früchte, die man pro aktueller Runde anbauen kann, sprich: eine (eigene) Fläche möglichst zu erweitern. Doch wer passt oder nur wenig Geld bietet, der wird bei Santiago der Herr über das lebensnotwendige Wasser: Dieser Spieler entscheidet, wo in dieser Runde der Wasserkanal weitergebaut wird und wird Kanalbauer genannt. Als solcher darf er sich ausdrücklich und ganz offen bestechen lassen. So geht’s eben zu am Land.
Denn allen droht: Wenn Felder nicht bewässert werden, verdorren sie nach und nach und sind nichts mehr wert. In jeder Runde wird jedem Feld, das nicht bewässert wird, ein Landarbeiter entzogen, ist es der letzte, dann ist das Feld eine Runde lang neutral, bevor es in der nächsten Runde entweder bewässert wird oder zur nutzlosen Wüste erstarrt.
So trachten die Spieler danach, Runde für Runde ihre Plantagen zu optimieren und anderen bildlich Steine in den Weg zu legen. Nach neun oder elf Runden, was von der Spieleranzahl abhängt, wird nach einer einfachen Formel abgerechnet: Anzahl gleicher, zusammenhängender Felder x Anzahl eigener Landarbeiter darauf. Sollte auf einem Feld auch eine Palme stehen – drei werden zu Beginn auf dem Acker beliebig platziert –, zählt sie als zusätzlicher Landarbeiter. Auch übrig gebliebenes Geld ist für die Schlusswertung noch etwas wert. Das freut einen, weil es bei Spielen gar nicht so üblich ist.
Santiago geht leichter von der Hand, als es die etwas aufgeblähte Spielanleitung vernuten lässt. In ihr wird vieles wiederholt. Die Grafik ist klar, das Spielmaterial ist gut, das Geld sogar ungewöhnlich gut. Das Dilemma, vornezu zwischen Gebietserweiterung (falls die entsprechenden Früchte gerade im Angebot sind) und Bewässerungsschicksal zu entscheiden, hält den Spannungsbogen geschickt aufrecht. Wie man bei diesem Spiel sieht, braucht es nicht einmal soo viel Material. Die Altersempfehlung ab 10 Jahre ist treffsicher, Santiago taugt auch hervorragend als Taktikschulung für diese Altersgruppe.
Fazit
Das Fazit ist eindeutig positiv. Die kosmetische Auffrischung der Neuauflage bleibt überwiegend eine Frage des Geschmacks. Der Kern des Spiels ist unverändert, Santiago ist und bleibt ein sehr gute, geradezu archetypisches Familienspiel – nicht zu kompliziert, aber auch nicht zu einfach – mit den notwendigen Elementen gegenseitiger Einflussnahme, damit es nie langweilig wird. Darüber hinaus passen Tun und Thema gut zusammen, was leider sonst nicht immer der Fall ist. Das Thema Landwirtschaft bleibt hier sogar für Großstadtkinder nachvollziehbar, das Atout Wasser passt sogar sehr gut in die heutige Klimadiskussion.
Unterschiede zum Original
Das Spiel heißt immer noch Santiago, aber warum eigentlich? „Einige Kilometer westlich des afrikanischen Festlandes liegt die Kapverdische Insel Santiago. Das Klima ist heiß und jeder Tropfen Wasser ein kostbares Gut.“ So steht es schon auf der Schachtel zum Original bei Amigo aus dem Jahr 2003. Bei der Trefl-Ausgabe wird das Geschehen nicht konkret verortet. „Die Spieler schlüpfen in die Rolle von Landwirten … Jeder Spieler versucht, das Wasser an seine Felder zu leiten.“ Nur an einer Stelle der Anleitung heißt es völlig nebensächlich „… legst du in die lateinamerikanische Siedlung auf dem Spielfeld …“ Da es allein in Süd- und Mittelamerika sowie in der Karibik rund 30 Städte und Orte mit dem Namensteil Santiago gibt, kann sich jeder aussuchen wo er meint zu spielen (aber nicht überall wäre der Escudo auch Landeswährung).
Zurück zum Original. Selbst wer sich nur oberflächlich nach den Gegebenheiten auf den Kapverdischen Inseln erkundigt, bekommt die besonderen Schwierigkeiten der dortigen Landwirtschaft und Versorgung mit – 90 Prozent der Lebensmittel müssen importiert werden und Wasser ist in der Tat Mangelware. Die Erträge sind daher überschaubar und die fünf Arten der Plantagen im Spiel von 2003 spiegelten recht nahe die Bedeutung auf Santiago wider. Nicht alle wurden bei Trefl in den nun fiktivem Handlungsort Santiago übernommen: Banane und Paprika blieben, aus Zuckerrohr, Kartoffeln und Bohnen wurden glamourösere Trauben, Wassermelone und Kokosnuss.
Nervige Wertung zum Schluss
Zwei andere Unterschiede springen deutlicher ins Auge. So sind bei Trefl die drei Palmen bereits ins Grundspiel integriert. Bei Amigo dienten sie als Variante. Die aktuelle Ausgabe hat durch die Maßnahme eindeutig gewonnen, erlaubt sie doch ein kleines strategisches Plus.
Was die Macher bei Trefl allerdings für die Wertung am Spielende geritten hat, bleibt ein Rätsel. Das Spielbrett wurde größer und darauf – neben den Feldern, die man zum Spielen braucht – eine bereits erwähnte „lateinamerikanische Siedlung“ hingemalt. Zweck? Keiner. Wahrscheinlich, damit oberhalb der Zahlenkästchen für Einer-, Zehner- und Hunderterstellen irgendwas ist. Auf diesen Zahlenkästchen wird abgerechnet. Das ist wahnsinnig mühsam und wahnsinnig nervig! Um – nur als Beispiel – 26 Punkten 5 Punkte hinzuzrechnen, muss der eine Spielstein von der 20 auf die 30 verschoben werden, der andere von der 6 auf die 1 usw. Wie war’s bei Santiago anno 2003? Da war mehr Spielgeld vorhanden, da gab es auch Scheine für 20 und 50 Escudos – bei der Wertung wurden die Punkte einfach sofort als Geld ausbezahlt. Wer am Ende am meisten Escudos hatte, hatte gewonnen.
Und wer sich beim Spielen der neuen Ausgabe gefragt hat, wozu der Kanal in der eigenen Spielfarbe dient … Der hat vermutlich den einen Satz in der umfangreichen Spielanleitung überlesen. Im Amigo-Original kam es deutlicher heraus: Beim Bestechungsversuch des Kanalbauers wird mit dem Kanal in der eigenen Farbe gezeigt, wo man gerne die Bewässerung hätte. Der Kanal in der eigenen Farbe kommt zum jeweiligen Spieler zurück, wenn diese Phase abgehandelt ist.
Santiago ist noch immer ein sehr gutes Spiel, auch wenn kleine Details verschlimmbessert wurden.
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| Nochmals spielen? Gerne. |
Rund ums Spiel
Die Rezensionsexemplare wurden von Trefl bzw. damals von Amigo zur Verfügung gestellt |






… Zeit mit Freunden.