Entdeckerdrang nach den wilden Teren
Coloretto Amazonas zählt zu den angenehmen Überraschungen des Spielejahrgangs.
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| Unterschiedliche Tierkarten müssen nach Kategorien in Reihen ausgelegt werden. Die Dreierreihe (links) ist zur Abrechnung vollständig. | |
Unter den vielen Kartenspielen, die in den letzten Jahren lanciert wurden, waren wenige echte Knüller. Oftmals regierte bloße Hektik, waren es reine UNO-Plagiate oder dermaßen mit aller Gewalt zusammengeschusterte Machwerke, dass jeglicher Spielspaß auf der Strecke geblieben ist. Ganz anders Coloretto Amazonas, dem man nur eines vorwerfen kann: die namentliche Anlehnung an das Kartenspiel Coloretto aus dem selben Verlag, mit dem es rein gar nichts zu tun hat. So was nennt man Irreführung.
Was hebt Coloretto Amazonas also hervor? Endlich wieder einmal ein Kartenspiel, dessen Thema passt, das trotz hohem Glücksfaktor die Möglichkeiten auf eigene Taktiken zulässt und das einfach angenehm zu spielen ist. Vor allem zu zweit. Und zu zweit ist es ein prädestiniertes "Eltern-Kind-Spiel", da die Chancen ausgewogen sind. Das wiederum liegt an seinem einfachen Prinzip.
Das Material: Es gibt Karten in vier Farben: Grün, Blau, Braun und Violett. Jede Karte zeigt eines von 18 verschiedenen Tieren. Die Farben sind auch Kategorien: Blau sind die Seetiere, Violett die Vögel, Braun Reptilien und Amphibien, Grün an sich die Säuger – allerdings hat sich hier ein Frosch eingeschmuggelt.
Die Story hinter dem Spiel ist, dass die Spieler am Amazonas nach unentdeckten Tieren forschen und sie sammeln. Tiere, die schon bekannt sind, haben in der eigenen Sammlung nichts verloren und können deshalb einem Mitspieler überlassen werden.
Eine Sammlung umfasst, abhängig von der Kartenfarbe, drei bis sechs verschiedene Tiere. Da jedes Tier gleich oft, nämlich fünf Mal im Kartensatz vorkommt, ist es am leichtesten, einen Dreiersatz (Braun) zusammenzutragen. Der bringt allerdings auch am wenigsten Punkte.
Der Ablauf: Man beginnt mit drei Karten. Wer an der Reihe ist, kann entweder eine dieser Karten bei sich anlegen oder einem Mitspieler geben. Anlegen heißt: In der entsprechenden Farbreihe, wobei es ein neues, noch "unentdecktes" Tier in dieser Sammlung sein muss. Öfter, als man zu Beginn annimmt, ist es aber sinnvoll, stattdessen eine Karte dem Gegner zu geben. Der kann sie nun, wenn das Tier auch bei ihm noch nicht ausliegt, bei sich anlegen. Meistens wird man einem Mitspieler jedoch eine Karte zuschanzen, die der andere schon hat und man selbst nicht braucht. In diesem Fall muss der Mitspieler beide gleichen Karten auf den Ablagestapel werfen. Alternativ hat er die Möglichkeit, satt der ausliegenden doppelten eine beliebige andere Karte aus der direkt benachbarten Kartenreihe auf den Ablegestapel zu werfen. Natürlich gemeinsam mit der Karte, die ihm angeboten wurde. Am Ende jeder Aktion werden die Handkarten wieder auf drei ergänzt.
Aus Taktik darf man die Doppelkarten-Regel auch auf sich selbst anwenden. Im Normalfall wird man aber dem Gegner deshalb eine Karte andrehen wollen, weil man dem Gegner das Vervollständigen einer Reihe vermiesen will. Denn wie erwähnt: eine komplette Sammlung bringt Punkte (man darf auch mehrmals Sammlungen der selben Farbe zusammentragen). Aber nur wer die jeweils erste Sammlung einer Farbe zustandebringt, bekommt dafür Bonuspunkte. Diese sind meistens spielentscheidend. Wer Coloretto Amazonas schon öfters gespielt hat, wird sich deshalb nicht mit der braunen Dreierreihe aufhalten.
Bei zwei und drei Spielern endet die Partie, wenn der erste Spieler eine dritte Sammlung – egal wie umfangreich – erstellt hat. Bei vier Spielern benötigt man nur zwei Sammlungen. Für unvollständige Sammlungen gibt es übrigens auch noch Punkte.
Zu dritt und viert ist Coloretto Amazonas etwas umständlicher und hat deshalb nicht ganz den Reiz des Zweierspiels. Es ist einiges an Übersicht nötig und es gibt eine zusätzliche Schutzkarte, damit nicht alle anderen immer nur einen Mitspieler mit Kartengeschenken eindecken.
Das buchstäblich Schöne an dem Spiel sind seine fröhlichen Karten: Sie zeigen eine Expeditionskarte, darauf liegen ein Kompass und "oben" ein angeschnittenes Foto des Tieres, so dass sich die Karten optimal auffächern lassen. Warum dagegen die Reihen- und Bonuskarten so fantasielos die bedrückende Stimmung eines ecuadorianischen Verhörzimmers wiedergeben, ist ein Rätsel.
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Nr. 904: Coloretto Amazonas |
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Spielwiese-Code | |
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2005: Abacus |
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Themen: Tiere, Forscher
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Spielanleitung zum Herunterladen |
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