Tolles Training für graue Zellen
Ein wirklich tolles Spiel, aber was hat es nur für einen Namen!?
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Eine der wertenden Muster ist die Kombination Gelb-Blau-Blau-Gelb in der zweiten Reihe von unten. Wie viele andere finden Sie? Insgesamt liegen in diesem Beispiel fünf Palindrome. Foto: Spielwiese |
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Der Name des Spiels wird verständlicher, wenn wir uns ins 4. vorschristliche Jahrhundert versetzen. Hyle ist das griechische Wort für Holz oder auch Wald und Aristoteles gebrauchte den Begriff allgemeiner als Bezeichnung für Stoff oder Materie. Er verstand unter Hyle den noch nicht zu realen Dingen geformten Urstoff, in dem viele Möglichkeiten stecken. Welche schlussendlich gewählt wird – das wissen die griechischen Götter!
Freilich haben auch sterbliche Menschen die Möglichkeit, aus diesem Urstoff, aus Hyle, etwas zu schaffen. Zwei Vertreter dieser Spezies Mensch treten nun in den Wettstreit, aus Hyle7 das Beste zu machen.
Musterhafte Streitigkeiten
In der Schachtel finden sie einen zusammengerollten Spielplan aus lederartigem Skai mit 7x7 Feldern und ein Stoffsäckchen mit 49 bunten Holzsteinen. Je sieben Steine in sieben Farben. Deshalb die hoch gestellte Sieben (auch zur Unterscheidung zum Vorläufer-Spiel Hyle mit 5x5 Feldern). Es ist ein abstraktes Spiel, bei dem die beiden Spieler abwechselnd am Zug sind. Der eine Spieler versucht mit den Steinen ein Muster zu machen, der andere versucht ein Muster erst gar nicht entstehen zu lassen.
Wir kommen nun zum zweiten griechischen Begriff, den Sie sich ebenfalls nicht merken müssen, der die Sache aber sehr treffend erklärt: Palindrome. Das sind Wörter, die von vorne und hinten gelesen genau gleich sind, wie Otto oder Anna. Auch Rentner ist auf diese Weise symmetrisch. Und so sollen die Muster sein, die der eine Spieler durch Versetzen der bunten Steinen legt: Zum Beispiel Rot-Blau-Rot oder Gelb-Rot-Rot-Gelb. Beim waagrechten oder senkrechten Versetzen eines beliebigen Steines auf den Spielplan schaut der "Mustermacher", ob sich daraus ein Palindrom ergibt oder entwickeln kann. Je umfangreicher ein solches symmetrisches Muster ist, desto mehr Punkte bringt es dem Mustermacher.
Einer macht immer Chaos
Der andere, der Startspieler, will nur Chaos und legt den Stein nach dem Ziehen aus dem Sack möglichst so, dass der Mustermacher keine Chance auf ein Palindrom hat. Je voller der Spielplan wird, desto weniger Möglichkeiten bleiben. Aus dem unbestimmten Urstoff Hyle wird nach und nach feste Materie – um es philosophisch auszudrücken.
Nach einer Partie werden die Rollen gewechselt. Welcher der beiden als Mustermacher mehr Punkte erzielen konnte, hat das Spiel gewonnen.
Soweit das Prinzipielle zum Spielverlauf. Wie für alle guten abstrakten Spiele gilt auch für Hyle7, dass das spielerische Erlebnis in einer inneren Logik und seiner Unzahl an Möglichkeiten liegt. Beides zusammen stellt die Herausforderung an die Spieler dar. So darf man Hyle7 auch nicht allzu locker angehen, will man ordentlich punkten
Variantenreiches Spiel
In der Anleitung sind zwei Varianten genannt. Besonders überzeugend ist jene, bei der der "Mustermacher" nur in waagrechten Reihen punktet, während der andere Spieler durch Versetzen versucht, in den senkrechten Reihen Palindrome zu bilden und dafür Punkte erhält.
Die Spielwiese hat eine weitere spannende Variante. Hierbei zieht der "Mustermacher" einen Stein aus dem Sack und legt ihn auf den Spielplan. Anschließend darf der "Chaosmacher" diesen Stein waagrecht oder senkrecht versetzen und dabei auch besetzte Felder überspringen. Der "Mustermacher" muss schon nach den ersten drei, vier Steinen höllisch aufpassen. Auch, weil er mit fortschreitender Dauer den "Chaosmacher" zu bestimmten Zügen zwingen kann.
Diese oder jene Variante: Hyle7 ist sehr schnell erklärt und begriffen. Also keine Scheu vor einem themenlosen Spiel! Sehen Sie es als wunderbares und nie langweilig werdendes Training für abstraktes Denken.
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Rund ums Spiel
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Spielwiese-Code: | ●●●●●● | G | 12 | !!!!!! | |
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… eine Tätigkeit, die man gar nicht ernst genug nehmen kann.