Neues Leben für einen Klassiker aus Österreich
Piatnik hat einem Klassiker ein neues Gesicht gegeben. Typ Dom hätte anstelle von Scrabble die Welt erobern können – wäre nicht der Krieg dazwischen gekommen.
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Bei Typ Dom stecken die Buchstaben ineinander. |
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Er erfand Typ Dom 1935 mit einem Freund: der Wiener Franz Weigl. |
Im ersten Augenschein sind beide Spiele sehr ähnlich. Gegenüber Scrabble hat Typ Dom aber beispielsweise die Vorteile, daß man kein Spielbrett braucht, die Steine nicht verrutschen können – und schließlich ist es auch noch billiger.
Das Spiel – eine Abkürzung für Typen-Domino – wurde 1935 von dem vor kurzem verstorbenen Wiener Radiohändler Franz Weigel (*1902) und seinem Freund Norbert Bornatowicz erdacht und im Jahr darauf zum Patent angemeldet. Es folgten rasch weitere Patente in Deutschland, Frankreich, England und anderen Ländern. Man sprach bald vom Gesellschaftsspiel des Jahrhunderts. Von der kleinen Spieleproduktion in Wien X aus wurde in 16 Staaten geliefert. Bei der Weltausstellung 1939 in New York zeigte es Weigl maßgebenden Herren der Branche, bei denen es Begeisterung auslöste: Ihm wurden Jahresabsätze von mehreren hunderttausend Stück in den USA in Aussicht gestellt.
Nach der Rückkehr aus den Staaten brach der Krieg aus und der Preßstoff Bakelit wurde als kriegswichtig für den Zivilbereicht gesperrt. Die Erzeugung kam zum Erliegen.
Ein österreichisches Erfinderschicksal: der Weg für Scrabble war frei. Der Architekt Alfred M. Butts hatte dieses Spiel am 9. März 1938 als Criss-Cross zum Patent angemeldet. Seinen Siegeszug begann es allerdings erst in den 50er Jahren.
Über Typ Dom schreibt Erwin Glonegger in seinem Spiele-Buch: "Bestechend an diesem Spiel ist, daß man außer einen gewissen Anzahl von Buchstabensteinen kein weiteres Spielmaterial braucht. Ausgehend vom Kreuzworträtsel, wurden im Laufe der Zeit mehrere Spielformen entwickelt; Fantasie, Begriffsreichtum und Intelligenz geben viel Raum für weitere Variationen."
Vorteile gegenüber Scrabble
Vier Spielarten sieht demnach auch die Spielanleitung vor. Die geläufigste ist Kreuzworträtsel. Dabei ziehen die zwei bis fünf Spieler je fünf rote Buchstabensteine (Selbstlaute) und acht schwarze (Mitlaute). Der Startspieler legt sein erstes daraus gebildetes Wort, die anderen müssen der Reihe nach ansetzen, wodurch sich mindestens ein neuer sinnvoller Begriff ergeben muß.
Es wird zu Spielbeginn vereinbart, wie lange sich jeder einzelne Spieler Zeit lassen darf. Kommt er innerhalb dieses Limits auf keinen grünen Zweig, muß er als "Strafe" einen weiteren Buchstaben ziehen. Abgerechnet wird nämlich pro Partie nach Minuspunkten: wer als erster alle Buchstabensteine losgeworden ist, ist Sieger, und erhält für die von seinen Mitspielern nicht verwendeten Buchstaben Pluspunkte. Mitlaute zählen einen Punkt, Selbstlaute drei und ein Jolly zehn. Der Jolly kann, wenn er einmal gesetzt wurde, von anderen Spielern "geraubt" werden, indem er durch den entsprechenden Buchstaben ersetzt wird.
Gegenüber Scrabble gibt es keine unterschiedlichen Buchstabenwerte je nach Häufigkeit der Vokale und Konsonanten. Und: es wird auch nicht ergänzt, wenn ein Zug beendet ist. Es geht nur darum, als schnellster seine Steine loszuwerden. Das bedeutet allerdings auch, daß Typ Dom wesentlich mehr vom Glück abhängig ist als Scrabble. Das große Plus ist allerdings die Schnelligkeit des Spiels und der Umstand, daß Typ Dom fast überall gespielt werden kann: es braucht nur eine halbwegs glatte Unterlage. Weil die Steine ineinander verzahnt werden, kann der Spieler, der an der Reihe ist, das bisher ausgelegte "Kreuzworträtsel" einfach zu sich drehen, ohne daß irgendetwas durcheinander gerät. Das macht den Einsatz des Spieles für Jüngere, vor allem aber für schon etwas betagtere und zittrige Spieler problemlos.
Varianten
Die Spielvariante, die Scrabble am nächsten kommt, heißt Point Typ Dom. Hier werden den Buchstaben bestimmte Punktewerte zugeordnet, es geht allerdings auch dabei darum, als erster seine Steine loszuwerden. Eine Partie kann nur dann zu Ende geführt werden, wenn jeder Spieler gleich oft an der Reihe war.
Presto geht auf Zeit. Wie beim Kreuzworträtsel bekommen die Spieler einem Schlüssel entsprechend gleich viele Steine. Jeder bildet aber für sich allein ein Wortgitter. Wer diese Aufgabe als erster schafft, hat gewonnen. Ebenfalls sehr glücksabhängig.
Eine Steigerungsstufe für Worttüftler ist die Variante Wer behält recht?. Dabei geht der Wettstreit darum, daß jeder Spieler mit den ausgelegten Buchstaben ein anderes Wort bilden will. Aber irgendwann kommt die Stunde der Wahrheit, und das angesagte Wort muß tatsächlich vollständig gebildet werden. Bis dorthin nämlich konnte man sich durchschwindeln, da nicht sofort alle Buchstaben des angesagten Wortes abgelegt werden müssen, sondern pro Runde und Spieler nur zwei.
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Nr. 382: Typ Dom |
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Spielwiese-Code | |
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1997: Piatnik
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Themen: Wörter
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Glücksanteil 
… Eintauchen in eine fremde Welt, in der andere Regeln herrschen, als in der Wirklichkeit.