Im Fadenkreuz
Spätestens seit Fauna sogar auf die Nominierungsliste für das Spiel des Jahres 2009 kam, finden Schätzspiele als zeitgemäße Form des Quizspiels wieder besondere Beachtung. Da hätten wir eines, das es nicht verdient, in der Spielemasse unterzugehen.
Man wundert sich, ehrlich gesagt. Wie kann man ein derart gutes Spiel nur so billig machen?! Die Ringe, zum Beispiel. Die muss man aus dünnem Karton herausbrechen. Dabei hätte Noris-Mutter Simba Toys genug Fabriken in China unter Vertrag, die solche Ringe in Plastik aus der Maschine fallen lassen könnten.
Okay, okay
made in Germany, usw. Aber wenn das Ergebnis so lappig ist? Und wahrscheinlich hätte man auch in Europa jemanden gefunden, der die an sich anspruchslosen Dinger zu einem vernünftigen Preis produziert. Und dann der Schachteleinsatz! Uninspirierter und unpraktikabler geht's ja kaum noch. Die großen Ringe passen nicht einmal hinein!
Buchstäbliches Einkreisen
Was hat es aber eigentlich mit diesen Ringen auf sich? Vereinfacht gesagt: Mit ihnen tasten sich die Spieler an die Lösungen bei diesem Wissensspiel heran. Es geht um Städte und Länder auf einer großen Europa-Karte, dem Spielplan. Zu sehen sind die Staaten nur als farblich leicht abgestufte Flächen. Keine Flüsse, keine Berge, keine Städte. Nichts. Wüssten sie auf Anhieb, wo in Frankreich Paris liegt? Eben. Wer's ungefähr weiß, kreist seine Vermutung mit einem großen Ring ein. Wer sich sicher ist, mit dem mittleren oder sogar dem kleinen.
Der Clou von Europa-Wissen (und seiner Schwester Deutschland-Wissen) ist der Kontrollmechanismus. Wenn alle Spieler getippt haben, werden anhand zweier Koordinaten zwei Schnüre über den Spielplan gespannt, und voilá!: Die Stadt ist auf der nackten Europa-Karte lokalisiert. Wer sie mit seinem kleinen Ring getroffen hat, bekommt fünf Punkte, wer sie innerhalb seines mittleren Rings hat, drei, und für den großen gibt es immerhin noch zwei Punkte.
So einfach funktioniert das Spiel. Und für die Kurzweil sorgen die durchwegs spannden Fragen. Da heißt es nicht einfach: Wo ist Bern? Sondern, um ausnahmsweise eine Aufgabe zu verraten: "Wo fand Albert Einstein eine feste Anstellung als Experte 3. Klasse?" (beim Schweizer Patentamt in Bern). Oder: Die Karte zeigt als Bild eine Nationalflagge, und die Frage lautet, wo sich die Hauptstadt dieses Landes befindet. Die Fragen sind also eine bunte Mischung quer durchs Allgemeinwissen, aber immer verknüpft mit einer geografischen Zuordnung. Eine erkleckliche Anzahl an Karten fragt auch nur nach einem Land. Zum Beispiel: "Wo war Lenin von 1908 bis 1918 im Exil?". Dann kann man mit seinem großen Ring auch mehrere Länder einkreisen, was die Chancen auf zumindest zwei Punkte enorm steigert.
Wettbewerb wird zur Nebensache
Ganz egal, ob nun durch den Würfel spezielle Runden gespielt werden oder normale, in denen die Spieler ohne Reihenfolge ihre Ringe legen, Europa-Wissen führt automatisch zu Kommunikation unter den Spielern. Weil sich die Spieler über ihren Wissenschatz austauschen, raten und vermuten, kann die genaue Position einer Stadt und damit der ernste Wettbewerb leicht zur Nebensache werden. Was Besseres kann über eine Wissensspiel kaum gesagt werden.
Bedauerlich ist, dass die Redaktion nicht mit hundertprozentiger Sorgfalt an die Sache ging. So ist beispielsweise Elba nie und nimmer dort, wie es die Koordinaten auf der Karte angeben. Das ist nämlich Sardinien. Und in einer Erklärung zu Kaunas hat der Verfasser die Fälle der deutschen Grammatik derart durcheinander gebracht, dass es weh tut. Solche "Fehler" sind ärgerlich, aber unter den 220 bebilderten Aufgaben Gott Lob die Ausnahme. Warum sich in der Schachtel bei einem Spiel für zwei bis vier Spieler sechs Spielfiguren sowie eine Zahlenwürfel finden, bleibt ein Rätsel.
Fazit
Dem Spiel Europa-Wissen liegt eine Superidee zugrunde. So macht Geografie wirklich Spaß! Und wenn Noris in der nächsten Auflage mehr Sorgfalt auf die Ausstattung legt, dann gäben wir gerne das Maximum an Punkten. So aber haben wir uns schweren Herzens auf fünf Punkte eingeschossen – weil das Spielvergnügen letztendlich mehr zählt als die enttäuschende Ausführung.
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Nr. 1037: Europa-Wissen |
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Spielwiese-Code | |
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2008: Noris
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Themen: Geografie, Europa |
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Rund ums Spiel
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Preis-Leistungsverhältnis
Wiederspielreiz
Anspruch
Glücksanteil
