Boß Neureich jettet um die Welt
Hier ein Hotel, da in Hotel, dort eine Fabrik … Und wieder geht es einmal ums Geldscheffeln. Der Spielwiese-Test aus der Printausgabe 48 (1998).
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Nr. 482: Tycoon | Spielwiese-Code | |
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Was ist's?
Für wen?
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Das viele Geld täuscht: In den ersten von drei Runden langt das Geld nie. Ohne teure Kredite läuft nichts! Bilder: Jumbo |
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Originaltext aus der Printausgabe 48 von Die Spielwiese
Ein Tycoon ist ein mächtiger Wirtschaftsboß, ein einflußreicher Großkapitalist. Doch jeder fängt klein an, beim Spiel Tycoon wird man allerdings sehr schnell Boß Neureich. Dazu passend das Fortbewegungsspiel in diesem Spiel: der Jet. Mit ihm pendelt man zwischen Rio, New York, Tokio und Monte Carlo. Neun Metropolen warten darauf, daß die Spieler dort investieren. Entweder in Hotels oder in Fabriken. Monopoly, Urahn der Wirtschaftsspiele, läßt grüßen.
Allerdings folgt Tycoon ganz anderen Regeln. Das wirklich überraschende an diesem Spiel ist (weil es ja unzählige „Geld“-Spiele gibt), daß trotz betont nüchterner Gestaltung unglaublich viel Stimmung aufkommen kann. Dem Dollarfieber können sich nur wenige entziehen. Der Mechanismus ist sehr gut durchdacht und schlüssig. In aller Kürze: Flüge kosten Geld und bei den Tickets muß man sich nach dem schmalen Angebot richten, das gerade offen liegt. In einer Stadt angekommen, darf man ein Hotel oder eine Fabrik bauen. Die Städte sind unterschiedlich teurer. Hotels steigen zunächst im Wert, doch bei Überangebot droht Preisverfall.
Es gibt drei Runden und immer zu wenig Geld. Deshalb müssen Kredite aufgenommen werden. Die sind sauteuer. So funktioniert nun einmal die freie Marktwirtschaft.
Bei der Antwort auf die Frage, wie das Geld wieder hereinkommt, sind wir schon bei den taktischen Tips. Siegchancen hat nur, wer auf möglichst vielen Städten präsent ist. Die Prämien dafür steigen nämlich wie eine Fieberkurve an. Je ein Hotel in drei Städten bringt auf Dauer mehr als drei Hotels in einer Stadt. Hat man irgendwo dennoch mehrere, heißt es aufpassen: In bestimmten Phasen werden die als erste errichteten geschliffen. Und der Bau von Fabriken rentiert sich aus taktischen Gründen nur, wenn man nicht extra deswegen in eine Stadt fliegen muß, sondern das „nebenbei“ erledigen kann. Nebenbei bedeutet, wenn man mit seinem Jet ohnehin in der Stadt steht.
Alles in allem ist Tycoon eine kleine Rechenaufgabe: wie vor jeder Investition sollte man sich überlegen, ob sie sich tatsächlich rechnet. Noch eines bewährt sich: Lieber zu Beginn einer Runde einen höheren Kredit aufnehmen, ihn aber bei näch- ster Gelegenheit zurückzahlen. Eine gefüllte Portokasse ermöglicht es, gezielt auch Tickets auf Vorrat zu kaufen, um sie später für sinnvolle Flugverbindungen einsetzen zu können.
Denn an der Verfügbarkeit der Tickets hängt das ganze Spiel. Daß man in allen drei Runden Pech beim Ticketangebot hat, ist aber selten.
Als Fazit bleibt: Berechtigter Platz auzf der Auswahlliste – Tycoon hätte sich auch als Spiel des Jahres gut gemacht.




… die einfachste Art zu verreisen.