Es gibt immer was zu tun
Das Kennerspiel führt uns in die Kaiserzeit Chinas zurück, als in den Yunnan-Bergen das erste Mal Tee angepflanzt wurde. Das ist nicht ganz einfach, denn der kaiserliche Auftrag lässt sich auf sehr vielfältige Art und Weise erfüllen.
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Nr. 1614: Tea Garden | Spielwiese-Code | |
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Was ist's?
Für wen?
Was braucht's?
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Die gute Nachricht
es gibt immer was Gewinnbringendes zu tun
Die schlechte Nachricht
zu viert zieht es sich deutlich
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| Man sieht hier schon, dass das Spiel nicht in einer Viertelstunde abgewickelt ist. Das Spielmaterial bei Tea Garden ist topp, Thema und Mechanismen sehr gut aufeinander abgestimmt. Doch einer grübelt immer … Bild: spielwiese.at |
Rein ins Spiel!
Spielen bildet. Bei Tea Garden erfährt der Kaffeetrinker, dass Teeblätter erst dann richtig nutzbar und wertvoll sind, wenn sie fermentiert wurden. Das ist auch im eigentlichen Spiel von Bedeutung, da Teeblätter die wichtigste Währung darstellen. Wer am Ende einer Runde noch welche übrig hat, muss sie entweder abwerten, wenn sie noch grün sind, oder darf sie aufwerten, wenn sie schon fermentiert sind. Das geschieht einfach durch Verschieben in den benachbarten Teekorb mit niedriger oder höherer Qualitätsstufe. Noch verblüffend einfacher ist das Fermentieren an sich: die kleinen Teeblätter werden von der grünen auf die braune Seite gedreht.
Fermentieren stellt eine von fünf Hauptaktionen dar und damit sind wir schon mittendrin in diesem Spiel der vielen Möglichkeiten. Hier alle Möglichkeiten zu beschreiben, würde den Rahmen sprengen.
Liweber stellen wir zwei generelle Aspekte voran. a) Du hast in aller Regel eine Vielzahl an Orten und Gelegenheiten, die Zahl deiner Siegpunkte zu erhöhen. Wer die meisten hat, gewinnt am Ende. b) Und es ist kein Spiel, bei dem du auf deine Mitspieler losgehst. Logisch, dass du hin und wieder jemandem etwas vor der Nase wegschnappst, aber es gibt keine aktiven Angriffe. Im Tal des großen Flusses Jangtse geht es friedlich zu, wenn die Teebauern um die Gunst des Kaisers von China buhlen.
Dabei sind sie auf zahlreichen Ebenen gefordert. Tea Garden ist ein Wirtschaftsspiel mit Anspruch, die angegebene Spielzeit von 90 Minuten ist beim ersten Mal illusorisch, erst recht mit vier Spielern. Aus seinen elf Karten mischt jeder ein Starterdeck und zieht davon vier Karten auf die Hand. Im Gegensatz zu vielen anderen Deckbauspielen musst du Karten, die du in einer Runde nicht einsetzt, nicht auch auf den Ablagestapel legen. Du kannst sie behalten und wenn du am Beginn der nächsten Runde wieder vier Karten nachziehst, hast du eine größere Auswahl. Anders gesagt, du hast damit noch mehr Möglichkeiten.
Siegpunkte gibt es unter anderem, wenn du dein Boot auf dem Jangtse Richtung Meer steuerst, an seinen Talseiten Teegärten bepflanzt, wenn du bestimmte Anbaubedingungen auf den sogenannten Kaiser-Karten erfüllst, du fleißig an der Tee-Universität studierst und die Punkte der gekauften Aktionskarten zusammenzählst. Dass dir Aktionskarten weitere Vorteile verschaffen, versteht sich von selbst.
Dazu liegt ein recht großes Spielbrett in der Mitte der Spieler, auf dem Figuren eingesetzt und verschoben werden und ringsum zahlreiche verschiedene Karten angelegt sind, die man erwerben kann. Zum Teil kannst du ihren Nutzen sofort umsetzen, nachdem du sie gekauft hast. Auch das ist bei derartigen Spielen meistens nicht vorgesehen. Die Währung sind im Regelfall, wie schon erwähnt, Teeblätter, aber auch Teekessel und Schriftrollen sind mitunter erforderlich. Weil neue Spieler immer wieder ein Problem mit der Zuordnung hatten, sei es extra betont: Wenn du einen Zug ausführen willst, legst du eine oder mehrere Karten vor dir ab, die zusammengenommen eine bestimmte Stärke haben (dafür gibt es ein Zahlensymbol). Stärke ist nicht mit Währung zu verwechseln, sondern Stärke kannst und wirst du für verschiedene Aktionen aufteilen. Für die eine Aktion brauchst du zum Beispiel Teeblätter, für eine andere vielleicht bestimmte Symbole, die ebenfalls auf deinen ausgespielten Karten sind.
Tipp: Das erste Mal zu zweit spielen
Bei fünf Runden, in denen jeder bis zu vier Züge ausführen darf, führen die vielen Möglichkeiten, die sich laufend auftun, leider oft zu Grübelexzessen durch Optimierungswahn. Man muss natürlich auch zuerst einmal alle Chancen erkennen, die sich bieten. Von einem Testspieler kam der Tipp, Tea Garden beim ersten Mal zu zweit zu spielen. Da lernt man das Potenzial des Spiels wesentlich schneller kennen und anderen dann erklären. Überhaupt: zu zweit spielt es sich wunderbar.
So oder so: Tea Garden lohnt sich für passionierte Kennerspieler auf jeden Fall. Schon deshalb, weil sich (für uns bis jetzt) keine klare Gewinnstrategie herauskristallisiert hat. Du kannst gewinnen, wenn du dich auf die Siegpunkte durch die Fahrt auf dem Jangtse konzentrierst, genauso wenn du fleißig Siegpunkte an der Tee-Universität oder auf der Kaiser-Leiste sammelst. Entscheidend ist, nach Möglichkeit immer sämtliche Gelegenheiten von Kettenreaktionen zu ergreifen, die sich bieten.
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Nochmals spielen? Gerne. |
Rund ums Spiel Das Rezensionsexemplar wurde von Huch zur Verfügung gestellt |




