Ein Hauch von Dame
Da denkt man, alles sei schon erfunden und wieder wird man eines Besseren belehrt. Die italienisch-deutsche Produktion Passo (so viel wie „Schritt“) bevorteilt strategische Denker, die sich vielleicht an den guten alten Klassiker Dame erinnert fühlen können. Nur auf einem viel, viel kleineren Feld, schneller und dann doch anders.
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Nr. 1498: Passon | Spielwiese-Code | |
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Was ist's?
Für wen?
Was braucht's?
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Die gute Nachricht
Schnell und einfach
Die schlechte Nachricht
Bist du zu stark, wirst du schnell keinen Gegner mehr finden
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| An diesem Beispiel aus der Anleitung sieht mah sehr gut, wie sich Angriff und Verteidigung auswirken (können). Die Übung macht den Meister! |
| Bild: Steffen Spiele |
Rein ins Spiel!
Es gibt sehr viele Spiele, bei denen man gewinnt, wenn man vor anderen auf eine gegenüber liegende Seite gelangt. Meist sind es abstrakte Zweikämpfe, hin und wieder wird das Ganze mit einem Thema aufgeladen. Das gelingt aber selten in wirkungsvoller und plausibler Form.
Passo verzichtet von vornherein auf dergleichen Schnickschnack. Zwei Spieler oder Spielerinnen, rote und schwarze Steine für sie, basta. Der italienische Ausruf für „Genug!“ passt hier deshalb so treffend, weil die Idee zum Spiel vom in Deutschland lebenden Italiener Clemente Musa stammt. Steffen Mühlhäuser, der den von ihm gegründeten Verlag Steffen Spiele dieses Jahr an Helvetiq verkauft hat, hat da und dort noch Feinschliff angebracht. Zu spielwiese.at meinte er bei der Präsentation von Passo diesen Herbst, er hätte wohl an die tausend Partien gespielt und keine habe gleich wie eine andere geendet. Das habe ihn so an diesem Spiel begeistert.
Auf 1000 Durchläufe haben wir es noch bei Weitem nicht geschafft. Aber so viel können wir bestätigen: Steffen hat nicht zu viel versprochen, dabei ist Passo von der Anlage her unglaublich simpel.
25 stabile, graubeige Kartonplättchen werden zu einem Karree von 5 x 5 Feldern ausgelegt, die beiden Spieler legen vor sich je einen Stein ihrer Farbe auf ein Feld der ersten Linie. Siegbedingung 1) ich bringe einen meiner Steine hinter den am weitesten entfernten gegnerischen Stein oder 2) ich bin der Letzte, der noch einen Stein bewegen kann. Ich kann in alle Richtungen ein Feld weit ziehen, also auch zurück, und nehme dann das Kartonplättchen, von dem aus ich gezogen bin, aus dem Spiel. Es sei denn, darauf befinden sich noch ein oder zwei andere Steine. Man kann also auch auf benachbarte Felder ziehen, auf denen eigene oder fremde Steine liegen. Dieser „Turm“ darf maximal drei Steine hoch sein und bewegt werden darf selbstverständlich immer nur der oberste Stein.
Somit spielen zwei ganz wesentliche Effekte eine maßgebliche Rolle bei Passo. Die Spielfläche wird zusehends immer kleiner und damit verengt sich für beide Parteien nach und nachder Spielraum. Das Blockieren von Steinen des Gegenübers hilft massiv, ihn oder sie spieltechnisch in die Knie zu zwingen.
Beide Elemente sind nicht neu, aber in dieser Kombination verblüffend wirkmächtig.
Schon bei der ersten Partie – und ein Spiel ist fünf bis zehn Minuten kurz – erkennt man das Potenzial von Passo. Was ist passiert? Einer der beiden Spieler wird unaufmerksam gewesen sein und Lehrgeld zahlen. Lehrgeld ist immer ein Investment: Der Fehler wird (hoffentlich) nie mehr wieder gemacht und zukünftiger Schaden abgewendet. Doch es gibt viele Möglichkeiten bei Passo, sich in einer der immer anders gearteten Konstellationen aus Feldern und Steinen zu verlieren. Die hohe Kunst besteht darin, den Mitspieler oder die Mitspielerin in eine Falle zu locken, zu blockieren oder zugunfähig zu machen. Der Weg dahin ist ungemein verlockend und spannend. Sagen wir’s mal so: Schachspieler haben von ihrem Denken her einen klaren Vorteil.
Wie der findige Spieler und die aufmerksame Spielerin sicher bemerkt haben, ist eine wichtige Frage noch nicht beantwortet: Wie komme ich überhaupt hinter die feindliche Linie, denn dort muss ja nicht zwangsläufig noch ein Feld liegen, auf dem ich landen kann? Nun, man kann am „hintersten“ Stein auch vorbeiziehen, sozusagen ins Leere. „In diesem Fall ,verlasst’ ihr den Spielplan“, heißt es in der Anleitung. Aber nur in diesem Fall.
Steffen-Spiele sind bekannt und geschätzt für ihr minimalistisches Material in hoher Qualität, das mit wenigen klaren Farben auskommt. Das ist auch bei diesem letzten Spiel des Verlages der Fall. So ist auch Passo ein Genuss auf verschiedenen Ebenen.
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| Nochmals spielen? Wer auf diese Art Spiele steht, auf jeden Fall! |
Rund ums Spiel
Das Rezensionsexemplar wurde von Steffen Spiele zur Verfügung gestellt |




… die einzige Art, richtig verstehen zu lernen.