Stechen um Ländereien
Dieses Pegasus-Spiel ist ein schönes Beispiel dafür, was in Kartenspielen heute alles stecken kann. Ein Stichspiel als Grundlage für das Punkte sammeln, das sich durch das Zusammenstellen einer Landschaft in Form eines Legespiels ergibt. Schon diese gelungene Mischung sorgt für erstaunliche Spieltiefe.
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Nr. 1358: Honshu | Spielwiese-Code | |
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Was ist's?
Für wen?
Was braucht's?
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| Bei Honshu werden mit den Karten, die zuvor durch Stechen verteilt wurden, Landschaften gelegt. Je nach Zusammensetzung gibt es nach zwölf Runden mehr oder weniger Siegpunkte. Bild: Lautapeliter |
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Die gute Nachricht
Viel Spiel für wenig Geld
Die schlechte Nachricht
Das Thema (japanische Adelige entdecken neue Ländereien, um ihren Ruhm zu mehren) ist so was von aufgesetzt!
Rein ins Spiel!
Man beginnt, wie so oft, beim Erklären eines Spiels am besten mit dem Ende. Am Ende gibt es Punkte für einzelne Typen, aus denen du eine Landschaft gebildet hast. Mal zählt die Summe zusammenhängender Felder gleichen Typs, mal zählt jedes, auch jedes alleinstehende Feld. Wald, See, Stadt, Brachland, Fabrik, Produktion, das sind die sechs verschiedenen Landschaftstypen, aus denen sich am Ende Honshu (das ist der Name von Japans größter Insel) ergibt. Jeweils sechs Flächen – unterschiedlich verteilt und unterschiedlich angeordnet – befinden sind auf jeder der 60 Landschaftskarten. Was es mit der 60 noch auf sich hat, dazu kommen wir später. Man darf die Landschaftskarten so über- und untereinander legen, dass sie sich teilweise überlappen und so zusammenhängende Flächen ergeben. Oder Landschaftskarten auch einfach nebeneinender legen. Je nachdem, wie es einem gerade ins Konzept passt. Dass überdeckte Flächen für immer verloren sind, versteht sich von selbst. Einmal gelegt, wird nichts mehr verrückt. Was liegt, das pickt.
Bei Honshu stellt jeder Spieler für sich seine eigene Landschaft zusammen. Es ist im Grunde genommen ein Legespiel. Die treibende Kraft jedoch ist die des Kartenstichspiels. Und hier beginnt es spielmechanisch interessant zu werden.
Die Spieler starten mit sechs Spielkarten auf der Hand, den besagten Landschaftskarten. Sie sind von 1 bis 60 durchnummeriert. In jeder der zwölf Runden wird eine Landschaftskarte ausgespielt. Wer die höchste gespielt hat, darf als erster eine der ausgespielten Landschaftskarten nehmen und bei sich in seiner Landschaft anlegen. Wer die zweithöchste hat, darf als zweiter Spieler eine Landschaftskarte nehmen usw. Zugleich wird – mit sogenannten Reihenfolgekarten – damit bestimmt, wer in der nächsten Runde als Erster, als Zweiter usw. eine Karte ausspielt.
Das Spannende bei Honshu ist, dass eine Balance gefunden werden muss zwischen dem Ziel, in der nächsten Runde einen „guten“ Startplatz und schnellen Zugriff auf das Angebot der Landschaftskarten zu haben, und der eventuellen Absicht, die selbst ausgespielte Karte in die eigene Landschaft zu bringen, weil sie wunderbar passen würde. Wobei man als Erster der Reihenfolge ja nie weiß, ob noch lohnendere Landschaftskarten kommen werden oder nicht.
Um diesem „Glück“ etwas nachzuhelfen, gibt es eine Möglichkeit. Jetzt kommt die schon angedeutete 60 ins Spiel. Wer seine Karte ausspielt, kann ihren Wert um 60 erhöhen, indem er einen Ressourcenstein auf die Karte legt. Das sind kleine Holzwürfel in den Farben der Landschaftenstypen. Natürlich muss, zum Beispiel für einen gelben Würfel, auch ein gelbes Feld (Brachland) auf der ausgespielten Landschaftskarte vorhanden sein. Wollen auch nachfolgende Spieler den Wert ihrer Karte um 60 erhöhen, müssen sie sich jedoch an die Farbe der ersten Ressource halten, die eingesetzt wurde. In diesem Beispiel wären also die anderen Spieler an gelbe Würfel gebunden – sofern ihre Karte über ein Brachland-Feld verfügt.
Diese Optimierungsmöglichkeit ist ein schönes und in der Praxis gelungenes Element des Spiels. Und während einerseits Ressourcen (Würfel) unbegrenzt vorhanden sind, heißt es andererseits gut abwägen, wann welche Landschaftskarte ausgespielt wird. Von den sechs Karten, die man zu Beginn erhalten hat, nützen einem nur drei. Nach der dritten Runde werden die verbliebenen Handkarten an den linken Nachbar weitergegeben. Das gleiche gilt für das Ende der neunten Runde. Nach der sechsten Runde, wenn alle Karten ausgespielt sind, kommen vom Nachziehstapel wieder sechs neue Landschaftskarten auf die Hand.
Jede Menge Wechselbeziehungen
Welche Wechselbeziehungen gerade ablaufen zwischen ausgespielten Karten, bei der Reihenfolge für Karten ausspielen bzw. nehmen sowie dem Optimieren der eigenen Landschaft, und welchem Teil davon man im Moment den Vorzug gibt, das ist für Einsteiger vielleicht ein wenig fordernd. Da scheiden sich die Geister. Doch derüberwiegende Teil unserer Testspieler lebte sich schnell in das System ein. Für eine Partie gibt der Verlag 30 bis 40 Minuten an. Testrunden haben es auch schon in 15 Minuten geschafft.
Unser Tipp ist, dass man sich voll auf die Optimierung der eigenen Landschaft konzentriert und aus dem gerade Möglichen das Beste macht. Denn die Unwägbarkeiten, welche Karten gerade ausgespielt werden oder wer mit bunten Würfeln den Einsatz erhöht, bleiben groß und gelten für alle.
Man soll sich also die Endwertung immer vor Augen halten: nur die größte zusammenhängende Stadt bringt (viele) Punkte, Seen müssen immer größer als ein Feld sein, um damit (ordentlich!) zu punkten und Fabriken bedingen, dass man auf einem korrespondierenden Produktionsfeld eine Ressource platziert hatte, um in einer Fabrik zwischen zwei und vier Punkte zu erhalten. Bei Honshu steht man immer vor der Entscheidung, wie ich mit jeder weiteren Landschaftskarte, die ich anlege, für später das Punktemaximum erziele. Da bekommt das Spiel trotz zahlreicher Zufallselementen leicht strategische Züge. So bringt zwar jeder Wald je einen Punkt, ist aber mehr ein netter Nebenschauplatz. Es lohnt sich im Regelfall mehr, Wald lieber für ein höheres Ziel überdecken. Im Verzicht liegt die Kraft.
Die Spieltiefe lässt sich übrigens noch steigern, wenn auch eine der beigelegten Wertungskarten verwendet wird. Jede gibt ein für alle Spieler gültiges übergeordnetes Ziel hinzu, bei dessen Erfüllung es weitere Punkte regnet.
| Nochmals spielen? Ja, die Lust ist groß, wenn nicht gerade ein Grübelkönig mit am Tisch sitzt. |
Rund ums Spiel Das Rezensionsexemplar wurde von Pegasus zur Verfügung gestellt |




