Schnipp-selei
Schnipp- oder Schnipsspiele erfreuen sich vor allem im Kinderspielbereich ungebrochener Beliebtheit. Snapshot versucht die Fasziniation dieser Geschicklichkeitskategorie in den Familienspielbereich zu transferieren.
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Die Aufsicht von Snapshot spricht für sich: In dieser Spielarena muss geschnippt werden. Wenn die Schnippsteine am richtigen Ort zu stehen kommen, ist entweder eine Aufgabe erfüllt oder es gibt Glitzersteine zur Belohnung. Bilder: Kosmos |
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Lust auf Action? Nun denn. Rüdiger Dorn und Kosmos lassen dazu die Finger der Spieler wundreiben. Schnippen, schnippen, und noch einmal schnippen in einem 50 mal 50 Zentimeter großen Spielfeld. Hier hinein kommt ein Haufen Teile, die einem beim Schnippen der Schnippsteine dauernd im Weg sind. Das ist natürlich Absicht.
Bei Snapshot geht es nicht einfach darum, einen Spielstein von A nach B zu schnippen. Es braucht auch ein paar taktische Überlegungen. Das Spielbrett, vielmehr: der Spielbereich ist eine Arena aus Karton, mit Banden und einem Behälter in der Mitte. Von Bedeutung sind neben den vier Ecken in unterschiedlicher Farbe auch vier Aktionsfelder. Und damit das Spiel noch ein bisschen schwerer wird, gibt es vier mobile Hindernisse sowie einen Holzstab.
Ganz schön viel, wenn man auch noch die nicht zu knappen Regeln einbezieht. Die werden nach ein paar Runden überschaubar, das schon. Allerdings krankt Snapshot an einer gewissen Überreichlichkeit, die sich in einer beträchtlichen Spieldauer für diese Art von Spiel niederschlägt. Die angegebenen 30 Minuten halten der Realität selten stand.
Was zu tun ist, wäre ohne diese Hürden nämlich watscheneinfach: Nachdem jeder seine acht Aufgabenkarten gemischt hat, werden diese nacheinander aufgedeckt und abgearbeitet: Jede der Spielscheiben der Mitspieler muss einmal abgeschossen werden und die eigene Spielscheibe muss zudem einmal in drei der vier Aktionsfelder geschnippt werden. Da Geschick und Glück ungleich verteilt sind, ist Snapshot ein Spiel der unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Wer seine acht Aufgaben als Erster erfüllt hat, ist nicht zwingend der Gewinner. Denn in den Ecken müssen noch so genannte Glitzersteine gesammelt werden. Von denen braucht man pro Farbe zwei Stück, um am Ende als Sieger dazustehen.
Von den vier Aktionsfeldern sind drei als Beschleuniger gedacht. Das halten wir Autor und Verlag zugute. Man darf durch das sechseckige Aktionsfeld eine zusätzliche Aufgabenkarte aufdecken und sich dann aussuchen, welche Aufgabe schneller zu bewältigen ist. Kommt man auf das konvex gekrümmte Rechteck, gibt's einen Bonusstein, was einen Zusatzzug bedeutet, und durch den Kreis darf man den Holzstab zu seinen Gunsten versetzen. Durch die Spirale schließlich verliert man einen bereits erbeuteten Glitzerstein.
Irgendwas ist immer im Weg
Ein Durcheinander, das ja bekanntlich nicht planbar ist, ergibt sich automatisch dadurch, dass fünf der acht Aufgaben besagen, einen fremden Schnippstein zu berühren. Wer meint, seinen eigenen Schnippstein für die offene Aufgabe gerade in Position gebracht zu haben, darf nicht damit rechnen, dass das so bleibt. Vielleicht muss dieser Schnippstein gerade von einem Mitspieler abgeschossen werden, oder er wird versehentlich Opfer einer Schnippaktion.
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Die Spielarena von Snapshot ist so angefüllt, dass ein zügiges "Abarbeiten" der Aufgaben kaum möglich ist. Doch wie schon gesagt, das ist ja Absicht. Ob sie auch glücklich macht, steht auf einem anderen Blatt Papier. Der Wiederspielreiz hält sich in Grenzen, am ehesten können Kinder dem Ganzen den nötigen Ehrgeiz abgewinnen.
Das Material
Das Spielmaterial ist prima vista beeindruckend und sympathisch. In der Praxis hält die Seitenbegrenzung – der Karton wird hochgeklappt und mit blauen Kunststoffklammern fixiert – jedoch nur bedingt. Speziell dann, wenn der Platz nicht dazu ausreicht, um Snapshot einfach auf einen Tisch zu stellen und man zum Spielen ringsum wandert. Wenn also das Spielbrett von jedem Spiel gedreht werden muss. Da passiert es dann schnell, dass dabei ein Seitenteil "eingerissen" wird, vor allem aber, dass sich die Lage der Spielscheiben oder Hindernisse durch einen kleinen Ruck verändert.
Die Spielarena muss zu Beginn eines Spiels zusammengesteckt werden. Es handelt sich um dicken Karton, der auf den Seiten aufgeklappt und dann mit Plastikklammer fixiert wird. Wären die Klammern ein paar Millimeter höher, würde die Spielarena besser halten. So ist's nicht befriedigend.
Optimistische Zeitangabe
Vor- und Nachteil zugleich ist die Spielbarkeit bis sechs Personen. Eine Partie Snapshot kann sich ziehen. Vor allem, wenn zwei Dinge zusammenkommen. Ein oder mehrere Spieler beherrschen das Schnippen überhaupt nicht, kommen also überhaupt nicht vorwärts. Und eine Scheibe, die durch eine Aufgabenkarte als Ziel vorgegeben ist, ist durch Hindernisse in einer Ecke regelrecht blockiert.
Fazit
Snapshot ist ein tauglicher Versuch eines Schnippspiels für den Familienbereich. Für reine Erwachsenenrunden hält der Spielspaß zu wenig lange an. Wenn aber Alt und Jung zusammenkommen, passt das Gesamtkonzept. So schön gemacht Snapshot auch ist, mit großem Spielbrett, mit klaren Farben und dickem Karton … der Spaß-Durchbruch will sich nicht einstellen.
Und zu guter Letzt: Warum das alles mit einem Snapshot, also einem Schnappschuss (!) zu tun hat, weiß keiner. Das englische Verb "to snap" mit der Bedeutung schnippen gibt es nämlich lediglich in Verbindung mit "fingers, als Fingerschnalzen …
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Nr. 1090: Snapshot |
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Spielwiese-Code | |
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Themen: Geschicklichkeit
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Rund ums Spiel
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-Service:
… möglichst viel lachen können und Spaß haben nach einem guten Essen und bei einem Glas Rotwein.