MESSE. Messevortag in Essen. Die Herbstneuheiten sind jetzt offiziell und zum Angreifen und Spielen da.
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Einfach gemacht, große Wirkung:
Bei Mutabo gibt es hundert Blatt Vordruck
Beispielmissionen bei Sneaky Cards. Bilder: Noris, Amigo, spielwiese.at |
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1200 Neuheiten. Damit dürfen die Internationalen Spieltage vulgo Spiel ’17 in Essen prahlen. Aber was eigentlich ist schon neu? Gibt es so etwas wie einen Trend in diesem Herbst?
Auszumachen war er auf dem heutigen Pressetag (für Otto Normalspieler öffnen sich die Pforten erst ab Donnerstag) jedenfalls nicht. Natürlich, Escape- und Krimispiele nehmen nach wie vor breiten Raum ein. Davon aber an einem anderen Tag mehr. *)
Eines fällt bei genauerem Hinsehen auf die Neuheitenflut dann doch auf: Es gibt mehrere Neuheiten, die nicht unbedingt einen Sieger kennen müssen, bei denen es zuallererst um Spaß geht und die mehr den Gedanken des freien Spiels als jenen des klassischen Brett- und Kartenspiel folgen. Das könnte durchaus trendy werden. Die eine und andere Zutat dabei kennt man, das Ganze wird jedoch auf originelle Weise neu gemixt.
Wir greifen drei Beispiele heraus.
Spiel mit dem Buch
Noris bringt Bring Your Own Book aus den USA zu uns und behält den englischen Titel bei. Es gibt Kategoriekärtchen. Darauf steht beispielswiese „Etwas, das Applaus verdient“ oder „So sieht das Ende der Welt aus“. Jetzt bringt jeder Spieler eine mehr oder minder passende Phrase. Das Ergebnis Ist nicht zwingend eine Albernheit, wie bei vielen anderen Partyspielen. Denn: Jeder muss in seinem Buch danach suchen, das er mitgebracht hat oder ihm der Gastgeber zugeteilt hat. Das kann ein Kochbuch sein, ein Fitnessratgeber, Gedichtband, ein Roman … Es braucht also Gespür und Fantasie, um die Runde zu bestehen und als bester und originellster Antwortgeber das Kärtchen zu ergattern. Bring Your Own Book ist witzig und es ist eigentlich egal, wer die meisten Kärtchen gesammelt hat.
Papier, Bleistift und …
Definitiv keine Gewinner oder Verlierer und auch keine Siegpunkte oder eine andere Wertung gibt es bei Mutabo. Man könnte es als bebilderte Stille Post bezeichnen oder als Mischung zwischen Stiller Post und Zeichenspiel. Auch hier gibt es anfangs Kärtchen. Die roten stellen mehrere ausgefallene Satzanfänge zur Auswahl, die grünen Kärtchen Satzenden. Jeder Spieler entscheidet sich zuerst für eine Kombination und schreibt sie auf. Je absurder oder grotesker die Aussage, desto besser. Dann gibt er das Blatt an seinen linken Nachbarn weiter. Der zeichnet darunter, was der Satz aussagt und faltet das Papier so, dass der geschriebene Satz verborgen ist. Das Blatt gibt er nun seinem Linken, der unter das Bild in einem Satz zusammenfasst, was er in der Zeichnung zu erkennen glaubt. Wieder wandert das Blatt Papier neuerlich gefaltet weiter. So wechseln sich Schreiben und Zeichnen ab, bis die Blätter voll sind. Der Verlag Drei Hasen in der Abendsonne hat sie bereits mit Falzlinien vorgedruckt und auch sechs hochwertige Bleistifte in die Schachtel gepackt. Am Ende werden alle Blätter entfaltet und es darf geschmunzelt, gelacht und debattiert werden. Zeichenkünste spielen keine Rolle.
Mission Possible
Mit Sneaky Cards (Amigo) verlassen wir endgültig abgetretene Spielepfade. Denn Sneaky Cards hat eigentlich keine Regeln. Es gibt Missionen, Aufgaben. Das Spiel ist sie zu erfüllen und weiterzugeben und zu schauen, was draus wird. Auf jeder Karte steht ein Auftrag, etwa „Lege dich an einem öffentlichen Ort auf den Boden und warte, bis dich jemand anspricht!“ oder „Mach mit einem Fremden ein Selfie“. Nach erfolgreichem Abschluss lassen die Spieler neben verdutzten Gesichtern auch die Missionskarte zurück, sodass die zuvor unbeteiligten Personen nun ins Spiel eingebunden sind und die Mission fortsetzen können. So verbreiten sich die Missionskarten und über eine zuvor ins Internet eingegebene Tracking-Nummer kann verfolgt werden, wo sich die Karten des eigenen Spiels herumtreiben.
Übrigens: Ist es Zufall, dass alle drei Spiele ihren Ursprung in den USA haben?
*) spielwiese.at berichtet direkt aus essen
Die Spiel '17 findet vom 26. bis 29. Oktober in Essen statt. spielwiese.at berichtet direkt von der weltweit größten Publikumsmesse für Gesellschaftsspiele. Da angesichts der Flut von 1200 angekündigten neuen Spielen reines Aufzählen wenig Sinn macht, spürt spielwiese.at deshalb möglichen Trends nach und fokussiert sich auf möglichst originelle Produkte für Otto Normalspieler.
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