MESSE. Meistens sind es diksutierbare Schätzungen, mit denen Spieleveranstaltungen Bilanz ziehen. Die neue Spielemesse „spielespass“ in Wien hat hingegen konkrete Zahlen vorgelegt. Der Blick aufs Detail lohnt.
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Blick in Halle B: Großzügige Freiräume zwischen mehreren hundert Spieltischen. Bilder: spielwiese.at |
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Großzügigkeit – oder auch Platz für zusätzliche Aussteller – im Bereich, in dem sich die Verlage präsentierten. |
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Mit Spannung und Argusaugen hatte die Branche auf die „spielespass“ in der Messe Wien geschaut. Es geht um ein Einzugsgebiet von rund zwei Millionen Einwohnern. Es ging um die Frage, ob diese Messe das österreichische Spielfest ersetzen kann.
Die Analyse des Schlussberichts fällt durchwachsen aus.
14.868 Besucher sind fürs erste Mal respektabel, jedoch keineswegs berauschend. Erwartet worden waren 20.000, die Rentabilitätsschwelle soll nach Informationen von spielwiese.at bei 16.500 gelegen haben. Von einem Flop der „spielespass“ kann trotzdem nicht die Rede sein. Aussteller und Besucher waren überwiegend zufrieden.
Zwei Drittel "sehr zufrieden"
Eine durch das unabhängige Marktforschungsinstitut „market“ durchgeführte Besucherbefragung brachte folgendes Ergebnis: Zwei Drittel (67,4 %) waren mit der Messe in ihrer Beurteilung nach Schulnotensystem insgesamt sehr zufrieden und neun von zehn (91,5 %) Besuchern wollen die „spielespass“ weiterempfehlen. 78 % sagten, vom Messebesuch profitiert zu haben, in etwa ebenso viele (81,9 %) qualifizierten das Produktangebot als vollständig. Jeder zweite Besucher, so die veranstaltende Messegesellschaft Reed Exhibitions in ihrem Schlussbericht, habe auf der „spielespass“ auch Spiele gekauft oder bestellt. Dieser Wert dürfte allerdings überzeichnet sein: Dass jeder zweite mit Spielen unterm Arm das Messegelände verließ, war nicht zu beobachten. Michael Heinz, Geschäftsführer des einzigen vertretenen großen Spielwarenhändlers auf der Messe, klingt in einem Statement zufrieden, aber nicht überschwänglich: „Die Stimmung bei der Messe war hervorragend, an allen Tischen gab es viel Spaß. Auch der Verkauf der Spiele hat gut funktioniert.“ Und Daniel Wenger von Dreamland-Games, einem vor allem online tätigen Händler aus Oberösterreich, sieht noch reichlich Luft nach oben, damit sich die Teilnahme rentiert.
Herausforderung Hallenaufteilung
Wengers Verkaufsstand auf der „speiespass“ war, sagen wir vorsichtig: ungünstig platziert. Die Einteilung der „spielespass“ und damit das Lenken des Besucherstroms ist fürs nächste Mal sicher eine der größeren Herausforderungen. Darin sind sich auch alle Aussteller einig und der Veranstalter wird reagieren: „Nach dem ersten Mal gibt es ganz klar einige Schrauben, an denen wir drehen werden“, sagt Paul Hammerl gegenüber Spielwiese.at. Der „spielespass“-Press & PR Director rechnet damit, dass es durch mehr Aussteller 2017 auch leichter sein wird, Aussteller- und Verkaufsflächen besser mit der reinen Spielfläche zu verschmelzen. Ideen und Anregungen von Ausstellerseite gibt es reichlich. Schon bald wird sich Reed Exhibitions mit den Ausstellern zusammensetzen.
Sehr positiv aufgenommen wurde ohne Zweifel die Großzügigkeit, mit der Halle B auf 15.000 m2 so viele Spieltische aufgestellt waren, dass theoretisch 3000 Menschen spielen konnten, ohne einander körperlich oder akustisch in die Quere zu kommen. Vom zum Teil beängstigenden Gedränge und „Aufeinanderpicken“, das man von Stoßzeiten beim Spielefest her kannte, war die „spielespass“ (noch?) um Welten entfernt.
Positive Resonanz
Von einer „sehr gelungenen Premiere“ sprach Ravensburger, „sehr zufrieden, wir haben unsere Zielgruppen sehr gut erreichen können“, sagte auch Alfred Schreckenstein als Kosmos-Repräsentant. „Es war eine tolle Leistung von Reed Exhibitions, in einem halben Jahr so eine Veranstaltung aus dem Boden zu stampfen“, spart Dieter Strehl von Piatnik nicht mit Lob, „wir haben sehr viele fröhliche Familien spielen gesehen. Nach meinem Eindruck gab es viele Leute, die das erste Mal auf so einer Messe waren und sicher wiederkommen werden.“
„market“ fragte auch ab, warum die Besucher kamen. Bei den Interessensschwerpunkte waren Mehrfachnennungen möglich. Demnach kamen 51,4 Prozent wegen Familienspielen, gefolgt von den Sparten Kinderspiele (33,3 %), Logik- und Teamworkspiele (21,7), Geschicklichkeitsspiele (21,7 ), Lernspiele (18,8), Strategiespiele (17,4), Bewegungsspiele (15,9), Taktikspiele (14,5), Kommunikationsspiele (14,5), Kombinationsspiele (13,0), Krimispiele (12,3), Würfelspiele (11,6), Legespiele (11,6) und Partyspiele (10,9).
Das deckt sich mit der schon berichteten Auffälligkeit, dass Familien bzw. Elternteile mit Kindern die eindeutige Besuchermehrheit bildeten und sogenannte Spielefreaks die Ausnahmeerscheinung blieben. Inwieweit daher die Kombination mit der parallel veranstalteten „Vienna ComicCon“ mit ihren wundersam verkleideten Besuchern die versprochenen Synergien einzulösen vermag, bleibt auch nach der ersten Veranstaltung erst einmal noch mit mehreren Fragezeichen behaftet.
Ungerechtes Medienecho
In der Medienresonanz überstrahlten jedenfalls Berichte und vor allem die Bilder der vielen „Trekkies“ und anderen abenteuerlich ausstaffierten Menschen solche über die „spielespass“, die eher beiläufig und als Anhängsel erwähnt wurde. Das ist bedauerlich und ungerecht angesichts des Engagements und einer professionellen Organisation. Doch so ist eben die Medienrealität. Ihr Alleinstellungsmerkmal, wie es das österreichische Spielefest hatte, muss sich die „speielespass“ erst hart erarbeiten. Das Potenzial ist vorhanden, da sind sich alle einig.
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