OLYMPIA. Schon das Logo schaut nach Tangram und damit nach Spielen aus.: Zum 28. Mal werden Olympische Sommerspiele abgehalten, zum zweiten Mal finden diese in London statt. In zwei Tagen geht's los. Doch die quirlige Metropole der Briten diente auch bereits unzählige Male als Schauplatz von Spielen. Die Spielwiese macht sich zum Streifzug über Spielbretter und durch Spielkarten auf.
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Viele sind mit diesem Spiel zum ersten Mal mit London "hautnah" in Berührung gekommen: Scotland Yard. Bild: Ravensburger |
Der London-Klassiker
Da war doch dieses Spiel, bei dem man in London den Ganoven fangen musste …? Richtig. Scotland Yard, ein Urvater der gerade wieder populär gewordenen Kooperationsspiele. Der moderne Klassiker feiert kommendes Jahr seinen 30. Geburtstag und ist wegen seiner Verbreitung das "London-Spiel" schlechthin. 1983 wurde es als Spiel des Jahres geadelt.
Wer es immer noch nicht kennen sollte, hier kurz zusammengefasst. Ein Spieler ist Mister X, der vor allen Mitspielern flieht. Mal nimmt er den Bus, mal die U-Bahn, mal rennt er zu Fuß und hält sich dabei weitgehend bedeckt. Nur alle paar Züge muss er seinen Standort offenbaren, um sofort wieder unterzutauchen. Hinweise sind sonst nur die Angaben zum gerade im Zug gewählt Fortbewegungsmittel. Die Aufgabe der Mitspieler ist es, Mister X dingfest zu machen, indem sie versuchen ihn einzukreisen. Auch nach drei Jahrzehnten spannend und dank des beinahe naturgetreuen Stadtplans von London, auf dem sich alle bewegen, ein immerwährender Spieletribut an die Themse-Metropole.
Dichtes Programm an Krimispielen
Bleiben wir bei Räuber und Gendarm-Spielen. Dank diverser britischer Massenmörder, Detektiven und Agenten aus der Literatur- und Filmgeschichte ist London ein begehrtes Pflaster, auch am Spieltisch allerlei Abenteuer zu bestehen. Da wären unter anderem aus der jüngeren Spielgeschichte
- Ein Spieler ist Jack The Ripper, die anderem müssen ihm zuvorkommen, bevor er weitere Frauen umbringt. Davon handelt Die Akte Whitechapel (2011 Heidelberger)
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das Kartenspiel Tatort Themse von Wahl-Brite Reiner Knizia (2008 Pegasus): Ein Meisterdieb hat gegen Ende des 19. Jahrhunderts in London nicht nur die Bank von England um ihre Goldreserven erleichtert, auch die königlichen Kronjuwelen im Tower waren vor ihm nicht sicher. Die Spieler schlüpfen in die Rolle von Detektiven und sammeln Spuren, um dem Täter auf die Schliche zu kommen - ebenfalls ein Kartenspiel (von Marcel-Andre Casasola Merkle, 2003 bei Ravensburger) ist Bakerstreet. Hier wollen zwei Detektive einen Fall lösen, indem sie mindestens sieben logisch aufeinander folgende Karten zur Beweiskette legen. Baker Street – dort wohnte Meisterdetektiv Sherlock Holmes.
- Der berühmteste Detektiv der Welt zwar außerdem schon Namensgeber des Deduktionsspiels Sherlock Holmes bei Schmidt in den 90ern
- Bei Heidelberger startete 2010 die Serie Crime & Mystery mit zunächst Bakerstreet Files und später dann Lost Bakerstreet Files
- … und 1985 erreichte das Kosmos-Spiel Sherlock Holmes Criminal Cabinet wie zwei Jahre zuvor Scotland Yard den Spiel des Jahres-Status, war allerdings in der Folge um Welten nicht so erfolgreich. Im angelsächsischen Raum gibt es außerdem eine ganze Reihe weiterer Spiele, die sich um den Mützenträger und Pfeifenraucher drehen.
Weil schon von den Kronjuwelen die Rede war. Der Kohinoor als bekanntester Diamant der Welt ein Teil davon, hatte es ebenfalls schon mehrfach den Spieleautoren angetan. Wiederum auf dem Stadtplan von London hatten die Spieler bei Koh-i-Noor von Michael Rüttinger bei Noris eine Doppelrolle: Offiziell den wertvollen Kronschatz zu schützen, geheim das Juwel Koh-i-Noor zu klauen. Selbst ein vierbeiniger Fernseh-Polizeihund musste deshalb schon in London auf Verbrecherjagd: 1997 bei Kommissar Rex – Wer stahl den Kohinoor? (von Peter Schurzmann bei SpielSpaß).
Abseits des Verbrechens
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Gelungene Umsetzung des Marktthemas mit London-Bezug. Bild: Schmidt |
Verlassen wir die Welt des Verbrechens, wenden wir uns dem weitaus gesitteten Leben in London zu. Eine sehr gelungene Umsetzung hatte Thomas Odenhoven mit Portobello Market (2007 Schmidt): Die Spieler bringen auf einem der bekanntesten Marktplätze Londons ihre Stände in Position und buhlen um Kundschaft. Freilich könnte das Spiel auch auf jedem anderen Markt der Welt angesiedelt sein, aber London ist halt auch berühmt für seine unterschiedlichen Märkte.
Die Geschichte einer der berühmtesten Städte der Welt behandelt London von Treefrog Games aus dem Vorjahr. Das Szenario des aufwändigen Spiels von Martin Wallace: London liegt in Schutt und Asche nach dem großen Feuer von 1666. Das ist die Gelegenheit auf den Ruinen der alten Stadt eine neue aufzubauen. Fast 250 Jahre Geschichte der Stadt werden in diesem Spiel nachvollzogen. Viele der berühmtesten Gebäude und Denkmäler sind detailreich auf Karten abgebildet; alle diese Elemente verbinden sich zu einem relativ einfachen Spiel, das in gut neunzig Minuten gespielt werden kann.
Wer deutlich schneller und im Jetzt die Stadt etwas näher kennen lernen will, ist mit A Weekend in London (2010 Grubbe Media) gut bedient: Eine Mischung aus Reise- und Wissensspiel.
"Olympische" Spitzenleistung
Die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern spiegelt nur den Reiz der Stadt wider, dem sich auch die Spielemacher nicht entziehen können. Der wird bestenfalls nur noch von New York geschlagen, was die Anzahl an Spielen angeht, die in der Stadt angesiedelt sind. Eine "olympische" Spitzenleistung ist es allemal.
Zu guter Letzt noch ein Hinweis auf ein Spiel, das in London beginnt und in London endet. Jules Verne schrieb einen Roman rund um die typisch britische Wettleidenschaft, der mehrfach verfilmt und 2004 schließlich als In 80 Tagen um die Welt von Michael Rieneck bei Kosmos exzellent und atmosphärisch "verspielt" wurde.
Hinweis für Städtefans
- Auch viele andere Städte sind Mittelpunkt von Spielen. Gehen Sie auf Endteckungstour, indem Sie auf die Spiele-Weltkarte der Spielwiese klicken!
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… Eintauchen in eine fremde Welt, in der andere Regeln herrschen, als in der Wirklichkeit.