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MUSEUM. Das Spielzeugmuseum Nürnberg erwirbt dank der Kulturstiftung der Länder und des Fördervereins des Spielzeugmuseums die weltweit bedeutendste Sammlung von Blechspielzeug der Firma Ernst Paul Lehmann Patentwerk. Lesen Sie mehr über deren wechselvolles Schicksal.
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Ernst Paul Lehmann Patentwerk: "Familie Lehmann" (EPL 260), produziert von 1891 bis 1895. Bild: Christiane Richter, museen der stadt nürnberg, Spielzeugmuseum |
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Eines der bekanntesten Lehmann-Produkte: der Kletteraffe Tom (ca. 1965). Bild: Auktionshaus Wendl |
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Eine der beliebtesten Abteilungen des Spielzeugmuseums in Nürnberg ist der 2002 eingerichtete Raum zur Geschichte der Spielwarenfabrik Ernst Paul Lehmann Patentwerk. In einer attraktiven Präsentation sind Kletterraffe „Tom“, der „Störrische Esel“, die Motorkutsche „Tut-Tut“ und etwa 350 weitere phantasievolle Spielsachen zu sehen, die seit 1881 bei Lehmann in Brandenburg a.d. Havel produziert wurden. Diese umfassende Sammlung war als Dauerleihgabe der seit 1950 in Nürnberg ansässigen Firma ins Museum gekommen. Da das Unternehmen Ende 2006 Konkurs anmelden musste, drohte ein Verkauf der Sammlung im Zuge des langwierigen Insolvenzverfahrens. Nach intensiven Verhandlungen ist es gelungen, die befürchtete Auktionierung zu verhindern. Dank der Unterstützung durch die Kulturstiftung der Länder und des Fördervereins des Spielzeugmuseums haben die Museen der Stadt Nürnberg sie nun erwerben können.
Die Lehmann-Abteilung im Spielzeugmuseum
2002 wurde für die weltweit bedeutendste Sammlung von Blechspielzeug der Firma Ernst Paul Lehmann eine eigene Abteilung im Spielzeugmuseum Nürnberg eingerichtet. In einer attraktiven Präsentation sind hier nahezu alle jener witzigen Spielsachen zu sehen, die jemals die Fabrik in Brandenburg a.d. Havel verließen, darunter auch extrem seltene Spielsachen wie etwa das erste Auto der Spielzeuggeschichte, die „Elektrodroschke“ von 1893. Ergänzt wird die Schau durch Highlights aus dem LGB-Sortiment der Jahre 1968 bis 2006 (siehe auch Firmengeschichte unten).
Nahezu alle Exponate stammen aus der Sammlung der Firma E.P. Lehmann Patentwerk und wurden dem Museum als Dauerleihgabe vom Unternehmen zur Verfügung gestellt. Parallel zur Ausstellung erarbeiteten die Spielzeughistoriker des Museums eine umfassende Firmengeschichte, die 2003 unter dem Titel „Bewegte Zeiten“ veröffentlicht wurde und die wechselhafte, sehr deutsche Historie des Unternehmens anschaulich darstellt.
Ankauf der Lehmann-Sammlung
Der Verkauf der Sammlung zur Befriedigung der Gläubigerinteressen nach dem Konkurs hätte im schlimmsten Falle bedeutet, dass die komplette Sammlung auf einer internationalen Auktion versteigert und dadurch vollständig zerschlagen worden wäre. Für das Museum wäre das ein schwer zu verkraftender Attraktivitätsverlust gewesen. Aus diesem Grund bemühte sich die Museumsleitung in Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter intensiv darum, die Sammlung für das Museum zu retten. Ein Wertgutachten durch einen unabhängigen Experten aus dem Spielzeughandel wurde eingeholt, zwei Fachgutachten von Museumsexperten unterstrichen den herausragenden Wert der Sammlung als Dokument deutscher Alltagskultur und Industriegeschichte. Parallel hierzu wurden Wege zur Finanzierung des Ankaufs gesucht. Da neben der erwähnten Unterstützung noch Mittel aus dem Erbe der Museumsgründerin Lydia Bayer zur Verfügung standen, konnte die Sammlung erworben werden.
Kurze Firmengeschichte
Im Jahre 1881 gründeten der Berliner Buchhalter Ernst Paul Lehmann und der Nürnberger Fabrikantensohn Jean Eichner in Brandenburg a.d. Havel eine Blechspielwarenfabrik. Innerhalb weniger Jahre erlangte die Firma weltweite Bekanntheit. Von Beginn an schützten internationale Patente das Spielzeug mit der einprägsamen Marke vor Nachahmungen der Konkurrenz. Ein eigenes Vertreternetz verschaffte der Firma Unabhängigkeit vom Großhandel und sorgte für weltweiten Absatz.
Lehmann-Spielzeug zeichnete sich durch erfindungsreiche Mechanismen, originelle Spielideen, witzige Namen und ein sicheres Gespür für den Zeitgeist aus. Flugzeuge, Zeppeline, Autos oder Motorräder entsprangen der verbreiteten Begeisterung für den technischen Fortschritt. Figürliche Spielzeuge spielten oft auf aktuelle Ereignisse an. Ihre mechanischen Überraschungseffekte und der zuweilen skurrile Humor vieler Spielzeuge gefielen Kindern wie Erwachsenen so sehr, dass viele Artikel jahrzehntelang auf dem Markt blieben.
Unter dem NS-Regime widerstand Lehmanns Vetter Johannes Richter weitgehend der Versuchung, politisch genehmes Militärspielzeug herzustellen. Selbst während des Zweiten Weltkriegs wurden bei Lehmann nicht Rüstungsgüter, sondern Spielzeug produziert. Die Fabrik überstand den Krieg weitgehend unbeschädigt, doch wurde Johannes Richter 1948 im Zuge des Aufbaus der sozialistischen Planwirtschaft entschädigungslos enteignet. Wie zahlreiche andere Industriebetriebe wurde auch sein Unternehmen verstaatlicht. Zwar erreichte Richter noch seine persönliche Rehabilitation, doch musste er schließlich Brandenburg mittellos verlassen.
In einer Nürnberger Hinterhofwerkstatt begann die Familie Richter 1950 mit dem Aufbau einer neuen Existenz. Der große wirtschaftliche Durchbruch gelang 1968, als die Lehmann-Großbahn (LGB) auf den Markt kam. Während bei den Modellbahnen seit Jahrzehnten der Trend zur Miniaturisierung ging, setzte die LGB mit 45 mm Spurweite (Spur G) neue Maßstäbe. Der Mut zum Risiko wurde belohnt: Auf allen Kontinenten konnte die LGB rasch zahlreiche Freunde gewinnen. Hochwertige Verarbeitung, technische Innovationen und ein hoher Spielwert sorgten dafür, dass der Name Lehmann dank der LGB neuen Glanz gewann.
Managementfehler und externe Faktoren wie die allgemeine Krise der Modelleisenbahnindustrie führten dazu, dass die Firma im Dezember 2006 Konkurs anmelden musste. Die Fabrikationsanlagen in Nürnberg wurden geschlossen, der Maschinenpark und die Markenrechte verkauft. Mittlerweile werden unter dem Dach des Branchenführers Märklin aus Göppingen wieder LGB-Modelleisenbahnen, wenn auch in erheblich reduziertem Umfang, produziert.
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… gemeinsame Zeit mitanander am Tisch.