AUSSTELLUNG. Eine illustre Gästeschar kam am Freitagabend in Nürnberg zusammen, um am 90. Geburtstag von Alex Randolph eine große Ausstellung über den 2004 verstorbenen Spieleautor zu eröffnen. Die Spielwiese war dabei.
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Stefanie D. Kuschill vom Deutschen Spielearchiv und Verleger Johann Rüttinger fachsimpeln mit Randolph-Freund Herbert Feuerstein an einer der Vitrinen, wo Prototypen und spätere Ausgaben zu vergleichen sind. Fotos: Die Spielwiese |
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"Der König will nicht mehr" lautete der Name eines Spieleprototyps von Alex Randolph und Michel Matschoss. Daraus sollte einer der größten Erfolge werden. Wissen Sie's? Es ist Sagaland. |
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| Reich gedeckter Tisch mit Spielen des Meisters: Der Spieleclub Ali Baba wird sie an einigen Tage während der Ausstellung mit Besuchern spielen. | |
Die Ausstellung im Erdgeschoß des Deutschen Spielearchivs Nürnberg sei allen wärmstens ans Herz gelegt, die sich prinzipiell für die Geschichte des Spiels und Geschichten rund ums Spielen interessieren. Es lohnt sich!
Natürlich ganz besonders für die Fans von Alex Randolph und seinen Spielen. Der Titel der Ausstellung "Top secret!" ist wohl gewählt, weil doppeldeutig (Alex hätte schon daran seine Freude gehabt): Zum einen ist es der Name eines bekannten Randolph-Spieles (1985 bei Jumbo escheinen), zum anderen fokussiert er das Geheimnisvolle, mit dem sich der Spieleerfinder gerne umgab. Man kam eigentlich nie genau dahinter, was alles Randolph in seinem Leben und wann gemacht hatte. Er platzierte da und dort eine Andeutung und ließ der Interpretation meist ein Hintertürchen offen.
Die Ausstellung und das dort vorgestellte neue Buch "Die Sonnenseite" (Verlag Drei Hasen in der Abendsonne, 2012) gehören zusammen. Stefanie D. Kuschill vom eben erst gegründeten Deutsche Spielearchiv Nürnberg hatte im Vorjahr wachsam den kommenden 90er von Randolph und damit den Anlass für eine Werkschau im Auge, und Johann Rüttinger, langjähriger Freund und Verleger von Randolph-Spielen ein ungewöhnliches Buchprojekt in einer ungewöhnlich langen Pipeline: Der französische Spieleautor und Spieldesigner Philippe Evrard hatte über 15 Jahre lang viele Gespräche und Interviews mit dem Kosmopoliten Randolph geführt, um die Essenz daraus eines Tages zwischen zwei Deckel zu pressen. Jetzt, acht Jahre nach dem Tod Randolphs, sollte es endlich soweit sein.
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| Nicht zu viel und nicht zu wenig Text begleitet durch die Ausstellung. | |
Ausstellung und Buch erhellen die Vita des Spieleerfinders merklich. Auch vermeintliche Alex-Kenner erfahren daraus viel Neues. Dass der Amerikaner Randolph eben nicht in den USA auf die Welt kam, zum Beispiel, sondern in Tschechien. Doch die Vita und das Buch werden später Gegenstand einer näheren Betrachtung der Spielwiese sein. Konzentrieren wir uns heute auf das Schau-bare im monumentalen Foyer des Pellerhauses in Nürnberg. Die Ausstellung legt Zeugnis ab von der beispiellosen Professionalität, mit der Alex Randolph Spielideen gebar und zur Marktreife führte. Zahlreichen bekannten Spielen werden ihre Prototypen, Skizzen und Materialstudien gegenübergestellt. Alles schön ausgebreitet, ins rechte Lichte gesetzt und mit hilfreichen Texten versehen. Mehrere Textstelen geben gekonnt auch Uneingeweihten Aufschluss über grundsätzliche Fragen und Überlegungen zum Spieleerfinden und -vermarkten. Nicht zu knapp, aber auch nicht überbordend oder gar überfordernd. Das Team des Deutschen Spielearchivs Nürnberg hat zudem einen kleinen Film zusammengestellt, in dem Wegbegleiter Randolphs zu Wort kommen. Sie berichten, wie die "Vaterfigur" der Spieleerfinder ans Werk ging, wie er sie unterstützte, und vor allem auch über seine fesselnde Persönlichkeit.
Diese gesamthafte Würdigung wird ihrem Ziel gerecht. Zugleich stellt sich das wehmütige Gefühl ein, mit der Ausstellung ist eine Zeit abgehakt. Der Spielemarkt hat sich innerhalb weniger Jahre radikal verändert. Es wäre interessant, wie der notorische Erfinder und analytische Kopf Alex Randolph auf diese Entwicklung reagiert hätte. Die Frage bleibt naturgemäß offen. Die Schau entlässt den Besucher allerdings mit der Ahnung, er wäre um überraschende Antworten wohl nicht verlegen gewesen.
Arno Miller
Ein gelungenes Fest zum 90. Geburtstag
Das Lebenswerk eines ungewöhnlichen Mannes in eine noch ungewisse Zukunft zu transferieren, liegt bei einer Handvoll Freunde, Gefährten und Wegbegleitern. Einige von ihnen kamen zur Ausstellungseröffnung, die auch zugleich Fest zum 90. Geburtstag war. Michel Matschoss, Co-Autor von Sagaland und Ex-Partner von Alex Randolph bei der Gründung von Winning Moves, kümmert sich beispielsweise darum, die Rechte an den Spielen (sie liegen bei einem Randolph-Neffen in den USA) zu verwalten, was selbstredend in Neuauflagen münden soll. Er und – nicht nur! – Johann Rüttinger sind der festen Überzeugung, dass viele der Spieleideen in einem neuen Kleid ihr Publikum finden werden. So will Rüttinger etwa Xe Queo! wieder herausbringen. Wie schon vor geraumer Zeit exklusiv berichtet, kehrt der Ex-Drei Magier im Herbst als Spieleverleger zurück.
Während andere mit Randolph und seinem Werk verbundene Menschen aus Österreich, aus Italien und ein junger japanischer Spieleautor und -verleger sogar extra aus Fernost nach Nürnberg angereist waren, glänzten die deutschen Spieleverlage leider durch Abwesenheit. Pia und Joe Nikisch (Abacus) als löbliche Ausnahme seien deshalb besonders erwähnt. Immerhin, dankte Helmut Schwarz vom Spielzeugmusuem Nürnberg in seiner Begrüßung, hatte "die Spieleindustrie" für diese erste Ausstellung des Deutschen Spielearchivs Nürnberg mit Vitrinen, Tischen und Beleuchtung beigetragen. Insofern ist der Weg für weitere Ausstellungen geebnet, wenn das Spielearchiv im Laufe dieses Jahres den von Bernward Tholes Vorläuferarchiv übernommenen Bestand von einem "geheimen" Zwischendepot ins Pellerhaus übersiedelt und dann gezielten Zugriff auf all die Schätze haben wird. Das ist erklärtes Ziel, so Torsten Lehmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Deutschen Spielearchivs.
Man darf gespannt sein. Vermutlich wird es nicht immer möglich sein, so illustre und launige Festredner wie den Kabarettisten und Entertainer Herbert Feuerstein zu gewinnen wie dieses Mal. Feuerstein verband mit Alex Randolph eine rund 50-jährige Freundschaft und rundete das Bild des Geburtstagskindes aus der Sicht des bekennenden Nicht-Spieleexperten ab. Spielwiese-Leser wissen allerdings auch, dass Feuerstein der erste Probespieler Randolphs war, als Twixt entstand, das den Grundstein zur Spieleerfinderkarriere legte, und er später Co-Autor des Satirespiels Spion & Spion (MB, 1986) wurde.
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Ausstellung "Top secret!"
- Deutsches Spielearchiv Nürnberg, Pellerhaus, Egidienplatz 23, Nürnberg
- 5. Mai bis 15. Juni 2012
- Montag bis Donnerstag 9 - 17 Uhr, Freitag 9 - 15 Uhr, geschlossen an Feiertagen (17. Mai und 7. Juni) sowie am 18. Mai
- Eintritt frei
- Im Rahmen der Ausstellung lädt das Spielearchiv außerdem zu zwei Spielenachmittagen ein - unter fachkundiger Betreung und Beratung durch den Ali Baba Spieleclub.
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